Hausärztemangel: CDU-Sprecher Peter Preuß und etwa 50 Gäste diskutieren rege »Die Zahlen sind dramatisch«

Lübbecke (WB). »Haben Sie morgen noch einen Hausarzt?« Unter dieser Fragestellung hat die Lübbecker CDU zum Bürgerforum in den Quellenhof eingeladen. Die Antwort, die Referent Peter Preuß lieferte, war ernüchternd.

Von Mareile Mattlage
Zum CDU-Bürgerforum waren etwa 50 Teilnehmer in den Quellenhof gekommen, um über medizinische Versorgung zu diskutieren.
Zum CDU-Bürgerforum waren etwa 50 Teilnehmer in den Quellenhof gekommen, um über medizinische Versorgung zu diskutieren. Foto: Mareile Mattlage

»60 Prozent der Hausärzte sind über 55 Jahre alt. Und junge Mediziner wollen sich auf dem Land nicht mehr niederlassen«, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU im Landtag gegenüber den etwa 50 Besuchern. »Die Zahlen sind dramatisch. Es muss alles getan werden, um die Situation zu verbessern«, so Preuß.

Anreize sollen geschaffen werden

Wie Anreize geschaffen werden könnten, dazu zählte er mehrere Punkte auf. Zunächst nannte Preuß das im Jahr 2007 durch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angeschobene »Hausarzt­aktions­pro­gramm«. Dadurch werden Ärzte mit aktuell bis zu 60.000 Euro geför­dert, wenn sie sich als Hausärzte in Regionen niederlassen, die von Un­ter­versorgung bedroht sind.

Des Weiteren ging der Referent auf das Thema »Work-Life-Balance« ein. 60 Prozent der Medizinstudenten seien heute weiblich, erklärte Preuß. Rahmenbedingungen wie Einrichtungen für Kinder, Infrastruktur und auch kulturelle Angebote seien daher wichtig.

Eine weitere Stellschraube sieht Preuß in der Abschaffung des Numerus Clausus. Ob man einen Studienplatz bekomme oder nicht, dürfe nicht davon abhängen, ob man gut in Mathe war, meinte er. Vielmehr würden Eigenschaften wie Sozialkompetenz und Empathie über die Qualität eines Mediziners entscheiden, so Preuß.

Landarzt-Quote soll eingeführt werden

Eine medizinische Fakultät in Bielefeld sei erstrebenswert, da man von einer »Anker-Funktion« ausgehen könne. Generell sollte das Medizinstudium auch eine Hausarzt-Ausbildung enthalten anstatt nur Möglichkeiten zu einer fachlichen Spezialisierung.

Der CDU-Sprecher kündigte außerdem an, dass in NRW zum Wintersemester 2019/2020 eine Landarzt-Quote eingeführt werden solle. Laut NRW-Gesundheitsministerium sollen bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorrangig an Personen vergeben werden, die sich für bis zu zehn Jahre zur Arbeit als Hausarzt in ländlichen Regionen verpflichten.

Das alles komme viel zu spät. Bereits in den nächsten Jahren sei mit einer Unterversorgung zu rechnen, da könne man nicht auf die Medizinstudenten warten, hieß es seitens der Versammlung. »Das Thema ist verschlafen worden«, bestätigte Preuß. Und man selbst sei nun mal erst seit Mai 2017 in der Situation, um konkret handeln zu können.

Unternehmerisches Risiko und viel Bürokratie

Ein weiterer Hinweis lautete, dass sich Ärzte wegen besserer Verdienstmöglichkeiten eher in Niedersachsen niederlassen würden. Es dürfe keine unterschiedliche Entlohnung geben, insbesondere mit Blick auf die Nähe zur Landesgrenze, lautete eine Meinung aus der Zuhörerschaft.

Es wurden darüber hinaus unter anderem auch das unternehmerische Risiko, das eine Praxisgründung darstellt, sowie der hohe Bürokratieaufwand diskutiert. Preuß räumte ein, dass dieser hoch sei, doch manches eben sein müsse. Ein Handwerker, der eine Werkstatt gründet, müsse diese Hürden ebenfalls meistern.

Weitere Gäste waren Bianca Winkelmann (MdL) und Kirstin Korte (MdL). Winkelmann berichtete von guten Erfahrungen mit dem Rahdener Ärztehaus, mit dem man viele Mediziner in die Stadt hätte holen können.

Antrag an die Stadtverwaltung

Dem schloss sich eine weitere Diskussion an, in der es um das neue Medizinkonzept der Mühlenkreiskliniken (MKK) ging (wir berichteten ausführlich). Fraktionsvorsitzender Klaus Bernotat kündigte an, dass sich die Lübbecker CDU »eingehend mit den MKK-Plänen beschäftigen werde«.

Zur Hausärzte-Situation erklärte er, dass man einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt habe, bestmögliche Voraussetzungen für Gemeinschaftspraxen und Ärztehäuser zu schaffen – zum Beispiel durch günstigeres Bauland. Des Weiteren hätte die Lübbecker CDU eine finanzielle Förderung der Ärzte nach Rahdener Vorbild vorgeschlagen. Außerdem wünsche sich die CDU laut Bernotat, dass ein Ansprache- und Beratungskonzept entwickelt werden soll, um gezielt junge Mediziner ansprechen zu können.

»Konkret habe ich noch nichts davon gemerkt«, sagte Bernotat. Doch hätte die Stadt ihm nun mitgeteilt, dass man das Thema jetzt angehen wolle und es ab Herbst erste öffentliche Info-Veranstaltungen dazu geben soll.

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