30-Jähriger in Psychiatrie geschickt – Ehrenamtliche hatten gewarnt Nigerianer sticht zu

Lübbecke (WB). Ein 30-jähriger Nigerianer hat am Samstag mit einem Messer auf einen Landsmann (34) in der Flüchtlingsunterkunft Hausstätte eingestochen. Drei Tage später ist der offenbar geistig verwirrte Mann in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen worden. Flüchtlingshelfer kritisieren, dass diese Maßnahme nicht schon früher erfolgt ist.

Von Kai Wessel
Das Opfer vor der Flüchtlingsunterkunft an der Hausstätte: Der Nigerianer (34) wurde in seinem Bett von seinem offenbar geistig verwirrten Landsmann angegriffen. Er erlitt Stichverletzungen und erhielt einen Schlag auf den Kopf mit einem Feuerlöscher.
Das Opfer vor der Flüchtlingsunterkunft an der Hausstätte: Der Nigerianer (34) wurde in seinem Bett von seinem offenbar geistig verwirrten Landsmann angegriffen. Er erlitt Stichverletzungen und erhielt einen Schlag auf den Kopf mit einem Feuerlöscher. Foto: Kai Wessel

Wie berichtet, hatte der 30-Jährige seinem Landsmann mit einem Kartoffelschälmesser eine oberflächliche Verletzung zugefügt. Noch am selben Tag soll der Mann in der Flüchtlingsunterkunft am Kahle-Wart-Weg erneut ausgerastet sein und im Streit mit einem 40-Jährigen Syrer zum Messer gegriffen haben. Der Mann aus Syrien erlitt ebenfalls Schnittwunden.

Mann wurde in eine Fachklinik eingewiesen

Nach einer ärztlichen Untersuchung erfolgte noch am Dienstagnachmittag seine Einweisung in eine Fachklinik.

Der 34-jährige Nigerianer, der an der Hausstätte das Opfer des Messerstechers wurde, reagierte mit Erleichterung auf die Nachricht von der Einweisung in die Psychiatrie. »Wir haben Angst vor ihm«, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

34-jähriges Opfer: »Er stach ohne Grund auf mich ein«

Für ihn sei nicht nachvollziehbar, wieso sein Landsmann erst drei Tage nach der Messerattacke aus dem Verkehr gezogen wird: »Wenn man bei uns in Nigeria andere Menschen mit einem Messer angreift, wird man sofort verhaftet.«

Eine Erklärung für die Attacke habe er nicht: »Ich lag noch im Bett, als es an der Tür klopfte. Dann kam er in mein Zimmer, fragte nach einem Mitbewohner und stach ohne Grund auf mich ein.«

Mit leichten Verletzungen sei er aus dem Zimmer geflüchtet. Auf dem Flur habe der Angreifer einen Feuerlöscher von der Wand gerissen und ihm damit noch einen Schlag in den Nacken verpasst. »Ich lief raus und rief die Polizei«, sagt der Nigerianer.

Flüchtlingshelfer üben Kritik

Aus Sicht des ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers Ralf Böhning kommt die Entscheidung, den Angreifer in die Psychiatrie zu schicken, zu spät: »Es ist sowohl der Stadtverwaltung als auch der Polizei bekannt gewesen, dass der Mann in der jüngeren Vergangenheit mehrfach gewalttätig war, mehrfach Morddrohungen ausgesprochen hat und mehrfach in der geschlossenen Psychiatrie im Krankenhaus Lübbecke untergebracht war.«

Böhning beklagt, dass seine Warnungen nicht eher zu Maßnahmen geführt haben. »Es ist gut, dass wir in einem Rechtsstaat leben, aber als Normalbürger hat man manchmal den Eindruck, dass erst etwas Schlimmes passieren muss, bevor gehandelt wird«, sagt Böhning und erinnert an den Fall Amri.

Gefährdungslage geringer eingeschätzt

Kritik übt auch Flüchtlingshelferin Heike Wiebe: »Man hat als Ehrenamtler das Gefühl, dass wir Helfer den Behörden lästig werden, wenn wir auf Probleme hinweisen. Weil sie dann ja etwas tun müssen.«

Von der Stadt heißt es, dass man den Nigerianer im Vorfeld der Taten von der Hausstätte in eine andere Unterkunft verbracht habe: »In diesem Fall wie in anderen schwierigen Fällen arbeiten wir eng mit der Polizei zusammen. Die hat offenkundig keine so akute Gefährdungslage gesehen, dass ein Polizeigewahrsam gerechtfertigt gewesen wäre«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.