Nach Sturmtief »Friederike«: Dachdeckerbetrieb Menninghaus arbeitet Aufträge ab Bitte warten!

Lübbecke (WB). Im Büro von Heinrich Grotefeld (61) stapeln sich die Aufträge. Der Seniorchef des Lübbecker Dachdeckerbetriebs Menninghaus telefoniert mit Kunden, Versicherungen, Gutachtern, Lieferanten. Auch drei Wochen nach »Friederike« sind längst nicht alle Häuser mit neuen Dachpfannen versorgt. »Das kann noch bis Sommer dauern«, sagt Heinrich Grotefeld.

Von Kai Wessel
Alle Hände voll zu tun: Heinrich (61) und Christoph Grotefeld (31) vom Dachdeckerbetrieb Menninghaus in Lübbecke arbeiten nach Sturmtief »Friederike« beinahe rund um die Uhr. Sie bitten ihre Kunden um Geduld.
Alle Hände voll zu tun: Heinrich (61) und Christoph Grotefeld (31) vom Dachdeckerbetrieb Menninghaus in Lübbecke arbeiten nach Sturmtief »Friederike« beinahe rund um die Uhr. Sie bitten ihre Kunden um Geduld. Foto: Kai Wessel

16 Mitarbeiter zählt der traditionsreiche Innungsbetrieb an der Benzstraße. Alle sind im Dauereinsatz: »Unsere Auftragslage war schon vor dem Sturm mittelstressig, aber »Friederike« hat alles durcheinandergewirbelt«, sagt Heinrich Grotefeld. 250 Aufträge kamen von jetzt auf gleich hinzu. Noch dramatischer war die Lage nur bei »Kyrill« vor zehn Jahren. »›Friederike‹ hatte Böen, die noch stärker waren«, sagt Grotefeld. Deshalb sind diesmal auch einige Häuser betroffen, die dem Sturm vor zehn Jahren ohne Dachschaden standhielten.

Telefon klingelt Sturm

Juniorchef Christoph Grotefeld (31) saß vor drei Wochen am Telefon, als es Sturm klingelte. »Das ging schon los, als es draußen noch tobte«, sagt Grotefeld. Er fragte nach, wie viele Pfannen weggeflogen sind, wie groß die Schäden sind. Sein Vater, der seit 30 Jahren in Lübbecke lebt, kennt viele Häuser und ihre Dachpfannen – vom Fabrikat bis zur Farbe. Er ordnete die Fälle nach Dringlichkeit. »Dort, wo Wasser ins Haus kommt, sind wir so schnell wie möglich hingefahren. Die wären sonst abgesoffen.«

Schäden am Alten Amtsgericht

Besonders dringend seien Maßnahmen in der Lübbecker Innenstadt gewesen. Vom Dach der Volksbank an der Bahnhofstraße kamen Ziegel runter. Außerdem vom Kirchturm der St. Nikolaus-Kirche in Gehlenbeck. Gefahr für Leib und Leben bestand auch am Alten Amtsgericht an der Gerichtsstraße. Dort lösten sich nicht nur Pfannen vom Dach. »Friederike« hatte ein Dachfenster aus der Halterung gerissen. Der Schaden dürfte im fünfstelligen Bereich liegen, sagt Christoph Grotefeld.

Frost behindert Reparaturen

Die meisten Schäden verursachen nur Kosten im zwei- bis dreistelligen Eurobereich. »Dennoch muss das alles ja auch gemacht werden«, sagt Heinrich Grotefeld. Er bittet um Geduld, bis das Wetter besser wird. »Wir können unsere Leute ja schlecht mit Schlittschuhen aufs Dach schicken. Bei Frost ist es für unsere Mitarbeiter einfach zu gefährlich.« Zudem würde das verwendete Material Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt erfordern. Problematisch sei auch Regenwetter. »Wenn es bei Firstarbeiten regnet und wir mit Mörtel arbeiten, dann hält das nicht.«

Zusätzliche Wartezeiten entstünden durch die Vielzahl verschiedener Dachpfannen: »Früher gab es nur die von Meyer-Holsen, Braas und Heisterholz. Heute gibt es zig Pfannen in noch mehr Farben.« Und die müssten nicht selten erst einmal bestellt werden. »Auch die Hersteller haben jetzt Stress«, sagt Heinrich Grotefeld.

Ein weiteres Problem ist, dass die Mitarbeiter des Lübbecker Betriebs auch auf ganz normalen Baustellen tätig sind. Das nämlich sei das eigentliche Kerngeschäft, sagt Christoph Grotefeld: »Wir müssen da Termine einhalten. Solange das Dach nicht auf dem Haus ist, können auch Elektriker und Maler nichts machen.«

Grotefeld: »Niemand wird vergessen«

Trotz des Termindrucks hat der Dachdeckerbetrieb inzwischen ein gutes Drittel der Sturmschäden abgearbeitet. Heinrich Grotefeld garantiert allen, die noch auf einen Bautrupp warten: »Wir vergessen niemanden.«

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