Polizist informiert Senioren über Betrüger und »Gaunerzinken« Im Zweifel die 110 wählen

Lübbecke(WB). Der Enkeltrick ist fast 20 Jahre alt. Noch immer führen Betrüger mit dieser Masche arglose Senioren hinters Licht. Inzwischen haben die Betrüger neue und perfide Methoden entwickelt, um mit wenigen Telefonanrufen hohe Geldbeträge zu ergaunern. Wie die Täter vorgehen, darüber wurde am Dienstagnachmittag im Begegnungszentrum »Die Brücke« informiert.

Von Kai Wessel
Kriminalhauptkommissar Hans-Joachim Dubbel hat am Dienstag Senioren wie Ortwin Kleine (86) über die Maschen von Betrügern aufgeklärt. Viele Tipps finden sich auch in der informativen Broschüre »Sicher leben«
Kriminalhauptkommissar Hans-Joachim Dubbel hat am Dienstag Senioren wie Ortwin Kleine (86) über die Maschen von Betrügern aufgeklärt. Viele Tipps finden sich auch in der informativen Broschüre »Sicher leben« Foto: Kai Wessel

Auf Einladung des Seniorenbeirates war die Polizei Minden mit einem Experten zu Gast. Kriminalhauptkommissar Hans-Joachim Dubbel, Leiter des Kommissariats Kriminalitätsprävention und Opferschutz, verfügt über einen großen Erfahrungsschatz. Er berichtete, was sich die Ganoven heutzutage so alles einfallen lassen. Und er hatte eine zentrale Botschaft: »Wenn Sie angerufen werden und unsicher sind oder Zweifel haben, dann rufen Sie die 110 an. Niemand wird Sie auslachen.«

Hohe Geldbeträge gefordert

Einen Fall aus der Praxis hatte Jochen Knoblich zu Beginn der Veranstaltung geschildert. Da hatte eine Seniorin gleich Anrufe von einer Person erhalten, die einen Geldbetrag von 3000 Euro einforderte und dabei in verschiedene Rollen schlüpfte. So gab er sich einmal als Verbraucherschützer aus, der die Geldforderung auf 2500 Euro senken konnte, später als Polizist, der mit Strafen bei nicht erfolgter Zahlung drohte.

Senioren ab 80 Jahren gelten als besonders gefährdet für Trickbetrug. Die Täter suchen in Telefonbüchern gezielt nach alt klingenden Vornamen, sagte Kommissar Dubbel. Sie gingen sehr strategisch vor. »Der Druck, den die Anrufer auf ihre Opfer ausüben, ist erheblich«, führte er aus. Die Täter, hinter denen meist osteuropäische Banden steckten, würden aus dem Ausland anrufen. Im Display des Telefons leuchten dennoch heimische Nummern auf, um den Anruf möglichst echt wirken zu lassen.

»Heimische Polizei ermittelt nicht telefonisch«

Tatsächlich würden sich die Täter immer öfter als Mitglied einer Behörde ausgeben. Wenn im Display beispielsweise die Nummer 0571/110 zu lesen sei, »dann ist das ein Fake«, sagte Dubbel. Die heimische Polizei würde bei ihren Ermittlungen nicht den telefonischen, sondern den persönlichen Kontakt suchen, erklärte der Kommissar. Wer dann noch Sorge vor falschen Polizisten an der Haustür habe, sollte sich nicht scheuen, die 110 zu wählen und sich den Namen des Polizisten von der Leitstelle in Minden bestätigen lassen.

Grundsätzlich warnte Dubbel davor, am Telefon (oder auch im Internet) sensible Informationen wie die Bankverbindung oder das Geburtsdatum mitzuteilen. »Damit lässt sich dann schon eine Menge anstellen.« Bei seltsamen oder verdächtigen Anrufen sollte vielmehr immer die Polizei informiert werden. Glücklicherweise seien Bankmitarbeiter inzwischen sensibilisiert, darauf zu achten, wenn ältere Kunden hohe Geldbeträge abheben wollen.

»Wo sind die Täter aktiv?«

»Wir benötigen ihre Informationen, um uns ein Bild darüber zu verschaffen, wo die Täter gerade aktiv sind. Wir sind auf sie angewiesen«, sagte der Kriminalkommissar. Wer eine Anzeige erstatten möchte, müsse dafür auch nicht nach Minden fahren: »Wir kommen zu ihnen.«

Dubbel ermunterte seine Zuhörer, den Kontakt mit der Polizei zu suchen, auch in Fällen von Internet-Kriminalität oder bei verdächtigen Spendensammlern an der Haustür. Die könnten nämlich ausbaldowern, wer in einem Wohngebiet tagsüber zu Hause ist und wer nicht. Gelegentlich seien auch Buchstaben oder andere Zeichen an Häusern zu sehen. »Wir sprechen da vom Gaunerzinken.« Dabei handele es sich um eine Art Geheimsprache der Täter. Spätestens dann, wenn auch noch ein Kleintransporter vor Ort herumfährt, gelte das was immer gilt: »Rufen Sie die 110 an!«

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