»Ingeborg und Ingeborg« bringen Schwung ins ausverkaufte Alte Amtsgericht Mit Hermann und Humor

Lübbecke (WB). Ein seltsames Duo hat sich da am Sonntag im Alten Amtsgericht vorgestellt. Die eine redet ohne Unterlass, die andere sitzt in sich gekehrt am Akkordeon. Dass »Ingeborg und Ingeborg« auf der Bühne tatsächlich prima funktionieren, daran bestand nach zwei Stunden voller Pointen kein Zweifel mehr.

Von Silke Birkemeyer
Die eine (Karin Zimny, rechts) redet viel, die andere (Ruthilde Holzenkamp) sitzt beinahe stoisch am Akkordeon
Die eine (Karin Zimny, rechts) redet viel, die andere (Ruthilde Holzenkamp) sitzt beinahe stoisch am Akkordeon Foto: Silke Birkemeyer

Die Divanetten, gespielt von Karin Zimny und Ruthilde Holzenkamp, bescherten dem Kulturring Lübbecke ein ausverkauftes Haus – und sie glänzten mit einem fein abgestimmten Programm, das vom rheinischen Mundwerk der einen Ingeborg (Zimny) bestimmt wurde. Ihre Mitstreiterin am Akkordeon, die hin und wieder einen trockenen Halbsatz beisteuerte, stellte sie so vor: »Die ist ein Orchester und ein Vulkan.«

Gatte Hermann im Kontrollwahn

Doch auch bei der dauerredenden Ingeborg brodelte es heftig. Und das lag vornehmlich an Hermann, ihrem anhänglichen Gatten mit Kontrollwahn, der die Damen auf ihrer als »Inseltournee« betitelten Konzertreise angeblich vehement verfolgt. Mit dem Stück »Du bist mein Stern« ließen die Ingeborgs keinen Zweifel daran, dass Männer zwar schön anzuschauen seien und auch sonst einige Vorzüge mitbringen würden, doch schlussendlich nur Austauschmodelle seien.

Das Programm der Künstlerinnen, sozusagen die Reisememoiren, war mit launigen Liedtexten angereichert, die zu bekannten Melodien präsentiert wurden. Schlager wie »Ohne dich schlaf ich heut’ Nacht nicht ein« fanden ebenso ihren Platz wie Melodien von Queen und Abba. Lieder wie »Halt mich nicht auf« in Anlehnung an »Don’t stop me now« oder »SOS« begleiteten das Duo auf der Fahrt mit dem Cabrio und auf die Wattwanderung. Und irgendwie war es immer die Mischung aus Humor und Musik, die die beiden aus den kuriosesten Krisen rettete. Als nämlich Ingeborg aufgrund ihrer Seekrankheit übellaunig wurde, rettete der Schiffskapitän die Lage mit einem kleinen Ständchen über die »Brecher von links und die Brecher von rechts«. Und wenn das einzige Showlicht in »Downtown«, also dem Stadtzentrum, die Ampelanlage ist, war ebenfalls klar, dass auf dieser Tour nicht alles wie am Schnürchen lief.

Bei »Der Hahn ist tot« singen alle mit

»Der Hahn ist tot« beschrieb die missliche Resonanz eines Bühnenabends mit nur acht Zuschauern. »Da war nur eine Familie und noch zwei andere da. Was sollten wir machen? Da haben wir alle auf einen halben Hahn eingeladen«, beschreibt die andere Ingeborg gestenreich die Situation und lädt das Publikum zum Mitsingen ein. Das war zu dem Zeitpunkt schon »an Bord« und nahm die Einladung zum Kanon dankend an. Ob Havixbeck, Schweinfurt, Bünde oder sonst wo: Die Geschichte mit Hermann blieb präsent und kaum holte Ingeborg Luft, um zu berichten, was Unglaubliches geschehen war, half das Publikum und rief »Hermann«.

»Oh, wann kommst du?«, fragte der seine Angebetete über ein Flugzeugbanner oder fand via Flaschenpost und den Titel »Seine Spuren im Sand« wieder seinen Weg in die Geschichte. So konnten die beiden Damen mit ihrem maritim bissig-süßen Programm das Publikum bis zur letzten Minute begeistern und holten mit bekannten Titeln und Melodien, Chansons, Schlagern und Rock- und Popnummern die Welt ins beschauliche Lübbecke. Anhaltender Applaus und eine wunderbare Zugabe waren die beste Empfehlung für ein »Comeback« der beiden Süßwasser-Starlets.

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