FDP-Politiker tritt nicht zur Wiederwahl an – Nachfolge offen – Sorge um Nachwuchs Kai Abruszat verzichtet auf Kreisvorsitz

Lübbecke/Stemwede (WB). Kai Abruszat kandidiert nicht wieder für den Kreisvorsitz der FDP. Das hat der Stemweder Bürgermeister auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. Zehn Jahre lang führte der 48-Jährige die Liberalen im Mühlenkreis.

Von Friederike Niemeyer
Kai Abruszat kandidiert nicht erneut für den FDP-Kreisvorsitz.
Kai Abruszat kandidiert nicht erneut für den FDP-Kreisvorsitz. Foto: Wessel

Am 13. März tagt der ordentliche Kreisparteitag der FDP. Wie diese Zeitung erfahren hat, müssen die Funktionsträger der Liberalen derzeit nach einem geeigneten Kandidaten für die anstehende Wahl des Vorsitzenden suchen. Denn Amtsinhaber Kai Abruszat steht nicht mehr zur Verfügung. »Ich trete nicht wieder an«, bestätigte er dem WESTFALEN-BLATT. Nach mehr als 26 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Kreisvorstand falle ihm dies nicht leicht. »Aber ich finde, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um das Amt in andere Hände zu legen.«

Genügend Vorlauf bis 2020

Denn mutmaßlich stehe 2017 keine Wahl an, und bis zur Kommunalwahl 2020 sei noch genügend Vorlauf. »Ich bin weder auf der Flucht vor der Aufgabe noch auf der Suche nach etwas Neuem«, sagte Abruszat. Er sprach von einer »eigenständigen Entscheidung«, der »keine taktischen Winkelzüge zugrunde liegen« würden. Seine ehrenamtlichen Tätigkeiten auf Bezirks- und Landesebene wolle er weiterführen, um seine Vernetzung zu Entscheidungsebenen aufrecht zu erhalten.

Wer auf Abruszat folgen soll, ist noch nicht klar. Er selbst sagt: »Ich kann mir gut vorstellen, dass man das Amt des Kreisvorsitzenden mit dem Bundestagsmandat wieder verbindet und halte Frank Schäffler für einen geeigneten Kandidaten.« Kai Abruszat war 2008 Kreisvorsitzender geworden, nachdem der langjährige Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Günter Nolting plötzlich gestorben war. Bis 2015 bekleidete er selbst ein Mandat im Landtag.

Nichts für schwache Nerven

Kai Abruszat bedankte sich bei allen Mitstreitern. In der Kreis-FDP habe er ein hohes Maß an Kollegialität und Geschlossenheit erlebt, was ein wichtiger Grund für Erfolge gewesen und nicht eben häufig im »Politzirkus« sei. Der Kreisvorsitz sei immer eine spannende Herausforderung mit hohem Gestaltungspotenzial. Allerdings, so Abruszat, auch nichts für Menschen mit einem schwachen Nervenkostüm. »Ich habe auch Zeiten miterlebt, in denen die FDP bei jeder Wahl um die eigene Existenz bangen musste«, sagte Abruszat mit Blick auf den »Genickschlag« bei der Bundestagswahl 2013 und die 90er Jahre nach der Ära Kohl. Inzwischen habe er aber auch Grund zur Freude gehabt: Die FDP sei in allen elf Kommunalparlamenten des Kreises vertreten und habe 2017 einen 20-prozentigen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen gehabt.

Viel von Vorgänger Nolting profitiert

Unheimlich profitiert habe Abruszat von seinem Vorgänger als Kreisvorsitzendem Günter Nolting, dessen Stellvertreter er einige Jahre war. Und auch von dem kommunalpolitisch erfahrenen Wilhelm Krömer habe er viel lernen können: Als gerademal 30-Jähriger wurde Abruszat 1999 zum Stellvertreter des CDU-Landrats gewählt. »Wilhelm Krömer hat es immer vermocht, uns Liberale als eigenständige Kraft wahrzunehmen.« Auch mit Vertretern der SPD habe man vieles umsetzen können. Auf kommunaler Ebene seien eben Parteizugehörigkeiten zweitrangig, wenn es um konkrete Entscheidungen vor Ort gehe. Abruszat erinnert auch an die Entscheidung 1999 für den Bau des neuen Klinikums – damals hoch umstritten, später als großer Erfolg für die Region gefeiert.

»Ich spüre keine Politikverdrossenheit«

Mit Blick auf die nächsten Kommunalwahlen 2020 hofft Kai Abruszat, dass sich wieder genügend Menschen zum Mitmachen motivieren lassen. »Ich spüre keine Politikverdrossenheit, aber es ist häufig schwer, aus einem Interesse für Politik auch ein dauerhaftes Engagement zu machen.« Die Parteien müssten sich überlegen, wie sich Beruf und Ehrenamt besser miteinander vereinbaren lassen können, damit ein breites Spektrum aus der Bevölkerung in den Räten vertreten sei. Als Beispiel nannte Abruszat die neuen Medien, die stärker zur Willensbildung in den Parteien genutzt werden sollten. Und er warb für beiderseitigen Respekt zwischen Bürgern und Mandatsträgern. Dies seien schließlich Menschen, die sich in ihrer Freizeit einbringen, um den Ort voranzubringen.

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