Feuerwehren im Dauereinsatz – Schüler haben früher frei – Telefonausfälle in Rahden - mit Video Sturm fegt über den Altkreis

Lübbecke/Rahden/Hüllhorst/Preußisch Oldendorf(WB). Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und umherfliegende Mülltonnen:  Sturmtief »Friederike« ist gestern mit Orkanböen über den Kreis Minden-Lübbecke hinweggezogen. Der erste Einsatz wurde der Polizei gegen 11.10 Uhr von der Hedemer Straße in Alswede gemeldet. Danach klingelte das Telefon teilweise in Minutenabständen.

Von Kai Wessel, Michael Nichau und Mareile Mattlage
Wind und Regen: Dieses Paar sucht unter einem Regenschirm Schutz, dessen Metallstreben den Böen gerade noch standhalten.
Wind und Regen: Dieses Paar sucht unter einem Regenschirm Schutz, dessen Metallstreben den Böen gerade noch standhalten.

Bis zum Nachmittag registrierte die Leitstelle der Polizei kreisweit mehr als 80 witterungsbedingte Einsätze. Bei der Mehrzahl der Sturmeinsätze handelte es sich um umgestürzte Bäume. Aber auch Schilder, Mülltonnen, Warnbaken sowie ein Trampolin wirbelten durch die Luft. In Oberlübbe wehte ein Dixi-Klo umher. Erst gegen 16 Uhr ging »Friederike« die Puste aus. »Bisher haben wir keine Meldungen erhalten, dass jemand verletzt worden ist«, sagte Polizeisprecher Ralf Steinmeyer.

Lübbecke

In Lübbecke zählte die Feuerwehr 21 Sturmeinsätze. Einer der ersten betraf die Bundesstraße 239. In Höhe der Firma Smurfit Kappa blockierte um kurz vor 12 Uhr ein umgestürzter Baum die Fahrbahn. Die Kahle-Wart-Straße (K60), die Schnathorster Straße und die Bergstraße in Preußisch Oldendorf waren bereits vor Ankunft des Sturmtiefs vorsichtshalber gesperrt worden.

Für viele Lübbecker Schüler war der Unterricht gestern früher als geplant beendet. Am Wittekind-Gymnasium und an der Stadtschule war nach der sechsten Stunde »sturmfrei«. Allen Eltern war zudem freigestellt, ihre Kinder vorzeitig aus dem Unterricht abzuholen. Die Schulen wurden angewiesen, keine Kinder alleine nach Hause gehen zu lassen. Für ständige Gefahr sorgten in der Innenstadt herunterfallende Dachpfannen. In Lübbecke wurde laut Meteorologe Friedrich Föst eine Orkanböe mit 120 km/h gemessen.

Hüllhorst und Oldendorf

Während die Feuerwehr Preußisch Oldendorf laut Feuerwehrchef Edgar Hensel 17 Einsätze zählte – ein Baum war in Börninghausen auf die Hansastraße gestürzt – musste sein Hüllhorster Kollege Michael Möller in den Ortsteil Holsen ausrücken. Hier hatte der Sturm einen Baum auf ein Wohnhaus befördert. »Es gab nur leichte Schäden am Dach«, berichtete Möller. Er verzeichnete 28 Einsätze, die von Feuerwehr und Bauhof gemeinsam abgearbeitet wurden. »Sehr gute Zusammenarbeit«, sagte der Wehrchef.

Rahden

In Rahden zählte die Feuerwehr etwa 40 Einsätze. In Tonnenheide an der Brandheide und in Wehe, aber auch im gesamten Stadtgebiet waren durch umstürzende Bäume Strom- und Telefonleitungen betroffen. Es kam zu Störungen und Ausfällen im Telefonnetz. »Wir melden diese Fälle der Leitstelle. Nur die kommt überhaupt nicht zur Telekom durch«, erläuterte Wehrführer Mark Ruhnau. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass die Störungen zeitnah behoben werden könnten. »Wir schicken das gesammelt am Freitag per Fax an die Störungsstelle«, sicherte Ruhnau zu. Abgesehen von den umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen bekamen die Wehrleute noch zusätzliche Arbeit durch zwei Schornsteinbrände in Preußisch Ströhen.

Stemwede

In Stemwede hatte Wehrführer Joachim Lübke bis zum späten Nachmittag 15 Einsätze gezählt. Auf der Twiehauser und Hollweder Straße stürzten mehrere Bäume um. Die Twiehauser Straße war zeitweise unpassierbar. Die Löschgruppe Sundern eilte zur L 770 aus. Auch dort lag ein Baum quer über der Fahrbahn. Auch an der Straße »Auf der Filge« in Levern stürzte ein Baum um. In Oppenwehe und Twiehausen wurden Telefonleitungen durch den Sturm beschädigt. In Destel hatte eine umstürzende Pappel eine Straßenlaterne mitgerissen. Mitarbeiter des Stemweder Bauhofs sicherten die offen liegenden Stromleitungen. Etwa um 15 Uhr wurde in Stemwede-Twiehausen die örtliche Einsatzleitung eingerichtet, um die Vielzahl der Aufträge zu koordinieren.

Auch in Stemwede entschloss sich die Stemweder-Berg-Schule (Sekundarschule), den regulären Ganztags-Unterricht nach der fünften beziehungsweise sechsten Stunde zu beenden und die Schüler nach Hause zu entlassen. Von der Gemeindeverwaltung hatte es keine Empfehlung gegeben, sagte Schulamtsleiter Jörg Bartel. Es sei schwierig, für Ganztagsschulen eine solche Empfehlung zum vorzeitigen Schluss auszusprechen: »Kein Schüler kann nach Hause geschickt werden, wenn dort keine Betreuung gewährleistet ist. Auch müssen die Bus-Kapazitäten zur Verfügung stehen. Das ist bei der Stemweder-Berg-Schule erst nach der fünften und sechsten Stunde gewährleistet«, erläuterte Bartel.

Lembruch/Wagenfeld

Auf der B 51 zwischen Diepholz und Lembruch wurde der Anhänger eines Lastwagens umgeweht. Die Folge war eine Vollsperrung. Und in Wagenfeld wurde ein Gewächshaus auf die Sulinger Straße gewirbelt. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

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