Diskussion im Moorhus: Viele Beteiligte suchen Lösungen Lebensräume der Insekten schwinden

Lübbecke (WB). Feld- und Wegraine sind wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Doch sie verschwinden zusehends und mit ihnen die Nahrungsgrundlage für Insekten. Der Naturschutzbund Minden-Lübbecke hatte für Montag zu einer Diskussionsveranstaltung im Moorhus eingeladen.

Von Silke Birkemeyer
Das Insektensterben nimmt dramatische Ausmaße an, warnen Naturschützer. Neben Bienen und Wespen ist auch die Erdhummel gefährdet. Für sie gibt es immer weniger Lebensraum.
Das Insektensterben nimmt dramatische Ausmaße an, warnen Naturschützer. Neben Bienen und Wespen ist auch die Erdhummel gefährdet. Für sie gibt es immer weniger Lebensraum. Foto: Stefanie Mösch/naturimdetail.de

Vertreter der Landwirtschaft, Jäger und Imker, der Heimatvereine und Naturschutzverbände, des Kreises und der umliegenden Kommunen kamen zusammen. Die Frage: Was lässt sich tun, um die Artenvielfalt in unserer Landschaft durch einen anderen Umgang mit den Wegerändern zu erhöhen? Die Relevanz des Themas ließ sich anhand der Besucher ermessen, die den Versammlungsraum im Besucherzentraum schnell bis zum letzten Platz füllten. »Das Thema scheint von Interesse zu sein«, sagte Lothar Meckling, Vorsitzender des Vereins, und verwies zeitgleich auf die Themenkomplexität. Wegränder seien Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sind von Überackerung und falscher Pflege bedroht, befinden sich im Privatbesitz oder sind Bestandteil öffentlicher Flächen. Aus dieser Melange ergebe sich die Schwierigkeit, machbare und finanzierbare Lösungswege zu finden.

Seit 1989 ist die Insektenmasse drastisch geschrumpft

Die alarmierenden Zahlen, die der Entomologische Verein Krefeld über 27 Jahre in 63 verschiedenen Naturschutzgebieten erhoben hat, geben allen Grund zur Sorge. Seit 1989, so belegt die Studie, ist die Insektenmasse drastisch geschrumpft – im Durchschnitt um 76 Prozent. Durch die Veröffentlichung und die anschließende mediale Diskussion ist aus dem vagen, unguten Gefühl eine wissenschaftlich erwiesene Realität geworden, die Verbände und Organisationen auf den Plan gerufen hat.

In seinem Vortrag referierte Gastredner Thomas Schiffgens vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUF) über Hintergründe und Ursachen, Arten von Wegrändern, rechtliche Aspekte sowie Optimierungs- und Aktionsmöglichkeiten und verwies auf die schon existierenden Initiativen und den aktuellen Praxisleitfaden für artenreiche Weg- und Feldraine. Sein Rückblick machte deutlich, dass dem Thema auf Landes- und Bundesebene schon seit längerer Zeit Bedeutung geschenkt wird. »Aber die Ziele, die wir uns 2010 gesetzt haben, werden wir nicht erreichen«, sagte der Experte.

Von dem Experten wurden vielfache Gründe benannt

Vielfach ungeachtet, sind die blühenden Bänder wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für tausende Pflanzenarten, hunderte Arten von Spinnen und Insekten, Vögel, kleine Säugetiere, Heuschrecken und Amphibien. Wenn die eigentlichen Kernlebensräume im Umland verschwinden, wächst die Bedeutung von Rainen, Weg- und Feldränder, berichtete Schiffgens, unterscheiden sich in ihrer Bodenbeschaffenheit und sorgen so für die richtige Vielfalt an Pflanzen.

Für die düstere Zukunft der Wegränder wurden vielfache Gründe von dem Experten benannt: unverträgliche Grünpflege durch die Kommune oder andere Eigentümer, Stickstoff- und Biozideintrag von benachbarten Flächen und das Überackern von Banketten, Wegrändern und auch ungenutzten Wegen. Die gute Diskussionskultur im Moorhus und die spürbare Bereitschaft, vor Ort Verbesserungen zu forcieren, unterstrich Landrat Ralf Niermann mit seinem Kommentar: »Lobbyarbeit ist hier nicht gefragt, sondern Basisarbeit von unten.« Er sieht, ebenso wie viele der Mitstreiter an diesem Abend, die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die der ländliche Raum bewältigen muss. »Und da muss man nicht nur Richtung Minden schauen.« Ähnlich sah es auch Rainer Meyer, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden- Lübbecke, der im Handeln vor Ort, der Vernetzung und dem Informationsaustausch einen wichtigen ersten Schritt erkannte. Wieder mehr Wildbienen und Hummeln wünscht sich Meckling. Er will weiter für das Thema werben. »Das war keine einmalige Veranstaltung. Das ist ein Prozess«, sagte er und begrüßte, dass der Termin mehr war als nur Bauernschelte.

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