Landfrauen bieten neuen Hauswirtschafterinnen-Kurs Ende Januar an Viele Vorteile nach der Weiterbildung

Lübbecke (WB). Tiia Sudeck hat eine bewegte Vergangenheit. Die gebürtige Estländerin kam 1996 zum ersten Mal nach Deutschland und verliebte sich prompt in einen Ostwestfalen.

Von Eva Rahe
Der 45,2-Kurs zur Weiterbildung von Hauswirtschafterinnen hat eine lange Tradition. Tiia Sudeck (links) hat das Seminar im Jahr 2007 zusammen mit Annette Weitkamp (rechts) besucht. Heute arbeitet Tiia Sudeck als Ausbilderin. Anne Treseler (Mitte) hat das Angebot 2005 mitbegründet. Seit 2005 haben 143 Frauen und Männer den Lehrgang besucht und sich damit einen anerkannten Berufsabschluss erarbeitet. 46 davon waren Frauen mit Migrationshintergrund.
Der 45,2-Kurs zur Weiterbildung von Hauswirtschafterinnen hat eine lange Tradition. Tiia Sudeck (links) hat das Seminar im Jahr 2007 zusammen mit Annette Weitkamp (rechts) besucht. Heute arbeitet Tiia Sudeck als Ausbilderin. Anne Treseler (Mitte) hat das Angebot 2005 mitbegründet. Seit 2005 haben 143 Frauen und Männer den Lehrgang besucht und sich damit einen anerkannten Berufsabschluss erarbeitet. 46 davon waren Frauen mit Migrationshintergrund. Foto: Eva Rahe

Nach ihrer Heirat versuchte sie, ihre Ausbildung als Lehrerin für Hauswirtschaft anerkennen zu lassen – was ihr nicht gelang. Da sie trotz Familiengründung unbedingt weiter arbeiten wollte, suchte sie nach Alternativen zur Anerkennung ihres Berufes. Sie fand schließlich eine Lösung im 45,2-Kurs für Hauswirtschafterinnen, der beim Landfrauen-Service Minden-Lübbecke/Herford angeboten wird.

45,2, wie der Kurs kurz genannt wird, ist eigentlich ein Paragraf des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Hierin wird gesetzlich festgelegt, dass man eine berufliche Abschlussprüfung auch ohne eine klassische Berufsausbildung machen kann. Voraussetzung ist, man kann eine gewisse Praxiszeit nachweisen. Dies gilt auch für ausländische Bildungsabschlüsse. Mit diesem Gesetz öffnete sich für Tiia Sudeck eine neue Möglichkeit, die sie sofort ergriff.

Schnell Gleichgesinnte gefunden

Im Jahr 2007 startete sie mit der Weiterbildungsmaßnahme beim Familienbildungszentrum Fabian des Landfrauen-Services. Nun hieß es, in den Abendstunden oder am Wochenende eine Zusatzqualifikation zu erwerben. Die Schulung umfasst Themen wie wirtschaftliche Haushaltsführung, Ernährungslehre, Technik im Haushalt, Kommunikation, Wirtschaft und Soziales oder gesundes Kochen. Nach 210 Unterrichtsstunden konnte sie ihre Prüfung in der Landwirtschaftskammer ablegen und bestand.

In der Weiterbildungsmaßnahme stieß Tiia Sudeck schnell auf Gleichgesinnte. Sie lernte Frauen kennen, denen es ähnlich ergangen war. Ob mit Migrationshintergrund oder nicht, die meisten konnten ihren erlernten Beruf aus verschiedenen Gründen nicht mehr weitermachen. Oft war eine Familiengründung mit Kindererziehungszeiten der Hauptgrund.

So erging es auch Annette Weitkamp aus Herford. Sie heiratete auf einen Bauernhof und bekam zusammen mit ihrem Mann drei Kinder. Nachdem der Nachwuchs aus dem Gröbsten heraus war, wollte Annette Weitkamp wieder arbeiten gehen. In ihrem Ausbildungsberuf als Technische Zeichnerin hatte sie allerdings keine Möglichkeit weiterzuarbeiten, da zwischenzeitlich die Digitalisierung den Berufsalltag maßgeblich verändert hatte.

»Hauswirtschaft kann nicht jeder«

Auch sie nutzte die Weiterbildungsmaßnahme aus dem Fabian- Angebot. Nachdem die beiden Frauen ihre Ausbildung beendet hatten, schlossen sie die Zusatzausbildung zur Meisterin der Hauswirtschaft am Berufskolleg Lübbecke an. Beiden Frauen hat die Weiterqualifizierung enorme Vorteile verschafft.

Während Tiia Sudeck heute selbst die Schulung der Hauswirtschafterinnen im 45,2-Kurs übernommen hat, arbeitet sie zudem in einem Projekt für Flüchtlinge am Ludwig-Steil-Hof. Annette Weitkamp leitet den hauswirtschaftlichen Bereich der Artemed- Fachklinik in Bad Oeynhausen.

Auf die Frage, was denn die Ausbildung von der normalen Tätigkeit als Hausfrau oder Hausmann unterscheidet, antwortet Tiia Sudeck: »Man nimmt immer an, dass Hauswirtschaft jeder kann, wie ein natürliches Talent. Dem ist natürlich nicht so.« Deshalb ist der 45,2-Kurs auch nicht ausschließlich für eine berufliche Weiterqualifizierung gedacht. Auch Personen, die einfach nur lernen möchten, adäquat ihren Haushalt zu führen, können den Kurs besuchen. »Das schließt natürlich Männer nicht aus«, kommentiert Sudeck.

Nächster Kurs am 23. Januar

Und Anne Treseler, die den Kursus mit gegründet hat, ergänzt, dass es nicht selten vorkomme, dass Betriebe Leute schicken, die eine Weiterqualifizierung bräuchten, zum Beispiel um eine Schulküche zu leiten. »Heute gibt es ja in jeder Betreuungseinrichtung oft eine Küche, und die muss professionell betrieben werden. Deshalb begrüßen wir es, wenn wir Personal für Schulen und Kindergärten weiterbilden können. Schließlich wollen wir alle, dass unsere Kinder ein gesundes Essen bekommen.«

Für den nächsten Kurs, der am 23. Januar startet, gibt es noch freie Plätze. Anmeldungen werden von Brigitte Vogt im Landfrauen-Servicebüro unter Telefon 05741/8523 entgegen genommen. Weitere Informationen unter www.landfrauen.de.

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