Kindermusical »Aschenputtel« unterhält 550 Zuschauer – moderne Version Keine Lust auf Prinzen

Lübbecke (WB). Mit Prinzen kann Aschenputtel nicht viel anfangen – so zumindest in der modernen Version des Märchens. Etwa 550 Zuschauer haben am Dienstagnachmittag ein Musical verfolgt, das klassische Geschlechterrollen hinterfragt und nebenbei einige witzige Überraschungen bereithält.

Von Jessica Eberle
Märchenhaftes Musical: Die Taube (links) hat sich in eine gute Fee verwandelt. Aschenputtel (Lena Conzendorf) ist sie in der Not eine treue Helferin.
Märchenhaftes Musical: Die Taube (links) hat sich in eine gute Fee verwandelt. Aschenputtel (Lena Conzendorf) ist sie in der Not eine treue Helferin. Foto: Jessica Eberle

Die Bausteine der Aschenputtel-Geschichte sahen denen des Originals sehr ähnlich. Und trotzdem gelang es dem Theater Liberi aus Bochum, sie irgendwie neu zusammen zu setzen.

Und zwar so: Das Land regieren und die Untertanen beschützen? Für einen König (Dennis Fischer) ist das auf Dauer auch langweilig. Die Lösung: Sein Sohn, der Prinz (Markus Peters), soll seinen Job übernehmen. Und dafür organisiert er einen Ball. Währenddessen begibt sich der Königssohn, als Bote getarnt, in die Stadt, um zum Fest einzuladen. Dabei trifft er auf Aschenputtel (Lena Conzendorf). Die will von Prinz »Gurkennase« nichts wissen. Denn plötzlich hat es ihr der vermeintliche Bote mit seiner charmanten Art irgendwie mehr angetan…

Die Charaktere waren es, die dem Musical seinen unvergleichlichen Charakter verliehen. Da war Aschenputtels Stiefschwester Greta (Elisa Maria Matzer). Im Gegensatz zu den beiden gehässigen Stiefschwestern aus dem Original punktete Greta bei den jungen Zuschauern als Aschenputtels Verbündete. Gleichermaßen kalt ließ beide die Suche nach einem blaublütigen Traummann im Leben: »Ich will keinen Prinzen, ich will die Welt entdecken und studieren.« Im Zusammenspiel mit der aufbrausenden Stiefmutter (Carina Nopp) war das eine lustige Abwechslung. Die Mutter schimpfte und die Tochter konterte. Das schien insbesondere die Kinder zu amüsieren und gab viel Applaus.

»Welcher Ball? Hand- oder Fußball?«

Ähnlich beliebt war Taube, die gleichzeitig die gute Fee spielte (Elisabeth Kirch). Mit ihrer quirligen Art zauberte sich Aschenputtels Mentorin in die Herzen aller Kinder und diente Aschenputtel in der Not als treue Helferin. Und der König? Statt zu regieren übernahm er viel lieber den Posten seines Hofnarren und riss einen Witz nach dem anderen: »Der Ball? Welcher Ball? Handball oder Fußball?« war ein beliebtes Wortspiel. Der Prinz hingegen brauchte gar nicht viel zu sagen, dafür sorgten einige der jungen Zuschauer im Publikum. Auf seine Frage, warum man im Leben denn immer auf alles so lange warten müsse, folgte ein mitfühlendes »Das frag ich mich auch immer« aus dem Zuschauerraum. Spätestens jetzt war die Stimmung in der Stadthalle gelöst.

Trotzdem blieb noch genug Zeit für einige Botschaften, die das Ensemble gekonnt durch Tänze und Lieder unters Volk brachte. Anders als im Klassiker war nicht der Kampf um den Prinzen das zentrale Thema. Viel eher ging es um Freundschaft und darum Hilfe anzunehmen und sich selbst zu helfen.

Genügend Stoff für Romantiker

Auch wenn Aschenputtel nicht am Prinzen selbst, sondern an ihm als Bote interessiert war: Am klassischen Märchenkitsch wurde nicht gespart. So gab es zum Beispiel einige »Liebe auf den ersten Blick«-Momente oder auch innige Tanzeinlagen, die genügend Stoff für Romantiker boten.

Und egal, ob es um eine Dienstmagd geht, die Prinzessin wird oder um ein Mädchen, das sich der Stiefmutter widersetzen muss, um seinen eigenen Weg zu gehen: Die Botschaft von Aschenputtel ist und bleibt wohl gleich – Träume können in Erfüllung gehen, solange man an sie glaubt. Von den Zuschauern gab es für die andere Art der Aschenputtel-Aufführung kräftigen Beifall.

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