Sinfonieorchester überzeugt mit »blühender« Spielfreude Von innig bis schmissig

Lübbecke (WB). »Für mich soll’s rote Rosen regnen« – unter dieser Überschrift hat das Lübbecker Sinfonieorchester seinen Zuhörern beim Neujahrskonzert musikalische »Blumengrüße« überreicht. Auch wenn die Rahmenbedingungen dieses Mal ungünstig waren.

Von Cornelia Müller
Mergita Xhemajli (von Beruf Fremdsprachenkorrespondentin aber »im Herzen Sängerin«) begeisterte mit großer Stimme.
Mergita Xhemajli (von Beruf Fremdsprachenkorrespondentin aber »im Herzen Sängerin«) begeisterte mit großer Stimme. Foto: Cornelia Müller

Denn statt roter Rosen fiel am Samstag ganz gewöhnlicher Nieselregen vom Himmel und verwandelte die Straßen in Eisbahnen. Deshalb mussten viele Musikfreunde und selbst einzelne Orchestermitglieder, die eine längere Anreise hatten, zu Hause bleiben.

Kein schöner Start ins Musikjahr 2017, aber Heinz-Hermann Grube und sein Orchester ließen sich davon nicht aus dem Takt bringen. »Wir spielen für zwei und Sie applaudieren für drei«, schlug der Dirigent den Zuhörern vor. Abgemacht.

Das Orchester hielt sich an sein Versprechen und die Zuhörer konnten gar nicht anders, als diese ganz besondere Leistung mit dreifach-kräftigem Beifall zu honorieren.

Blumen als Konzert-Inspiration

Das Sinfonieorchester überzeugte nicht nur mit schwerelosen, hingetupften Walzern von Tschaikowsky (Blumenwalzer) und Johann Strauß (Rosen aus dem Süden).

Dirigent Heinz-Hermann Grube. Foto: Cornelia Müller

Das Thema Blumen bot fast unerschöpfliche Möglichkeiten, vom nostalgischen Schlager (»Mein kleiner grüner Kaktus«) über Ausflüge in den Jazz (»Petite Fleur«) und in die Popmusik (»The Rose«) bis zum klassischen sinfonischen Repertoire (Jean Sibelius: »Pelleas und Melisande«).

Das gesamte Programm war eine riesengroße Wundertüte, über deren Schätze sich das Publikum immer wieder neu freuen durfte. Heitere Gedichte und eine umwerfend komische Operetten-Nacherzählung als »Drama in 6 Hüten« gehörten ebenso dazu wie herausragende solistische Beiträge von Doris Winkelhaus (Englischhorn) und Anja Vehling (Klarinette).

Gesang setzt besondere Akzente

Besondere Akzente setzten zwei Gesangsbeiträge. Die junge Sängerin Mergita Xhemajli, eine Stipendiatin der Sparkassenstiftung, begeisterte mit faszinierender Stimme und trug unter anderem Carrie Underwoods »Church Bells« vor – einen Country- und Western-Song über eine Ehe, die ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß beginnt aber nicht sehr erfreulich endet.

Für den zweiten Gesangsbeitrag zeichnete das Sinfonieorchester selbst verantwortlich: mit einem so innig gesungenen »Lied vom Rosen brechenden Knaben« (= Heidenröslein), dass es den Zuhörern ganz warm ums Herz wurde und Heinz-Hermann Grube in den tosenden Applaus hinein fragte: »Sollen wir demnächst Chorkonzerte geben?«

Nein, sollen sie nicht. Wer könnte sonst so schmissig, amüsant, virtuos, abwechslungsreich, kurz: rundum gut unterhaltend aufs neue Jahr einstimmen? Aber was den Titel fürs nächste Jahr angeht – da sollte das Sinfonieorchester dann ganz genau überlegen...

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