Im Goldenen Buch haben sich viele Persönlichkeiten verewigt – Eintrag auch im Bierzelt Schröder friedlich neben Merkel

Lübbecke (WB). In Lübbecke ist es braun, das Goldene Buch. Hellbraunes Leder umfasst die pergamentartigen Bögen, auf denen sich die Ehrengäste der Stadt verewigen. Über dem alten Stadtwappen in Gold ziert der Schriftzug »Gästebuch« den Einband und zeigt an: Die Lübbecker sind zwar eher bodenständig, legen aber doch Wert auf Repräsentation.

Von Friederike Niemeyer
Als Gästebuch angeschafft, ist der Einband des Goldenen Buches der Stadt Lübbecke eher schlicht gehalten. Nach dem Einsatz auf dem Blasheimer Markt 2009 sah der Einband nicht mehr ganz so schön aus, berichtet Roland Kelle. Lederpolitur hat geholfen.
Als Gästebuch angeschafft, ist der Einband des Goldenen Buches der Stadt Lübbecke eher schlicht gehalten. Nach dem Einsatz auf dem Blasheimer Markt 2009 sah der Einband nicht mehr ganz so schön aus, berichtet Roland Kelle. Lederpolitur hat geholfen. Foto: Friederike Niemeyer

Sei es bei besonderen Veranstaltungen oder im Rahmen einer Stippvisite: Lübbecke-Besucher von Rang und Namen tragen sich in das Goldene Buch ein. Den Anfang machten 1962 die Striegauer, zu deren ersten Bundestreffen in Lübbecke das Gästebuch angeschafft wurde. Die bislang letzte Unterschrift stammt von »unserem« Handball-Europameister Niclas Pieczkowski. Er ist in guter Gesellschaft.

Von Rau bis Merkel

Angela Merkel, damals »nur« CDU-Vorsitzende, hat sich 2001 in der Stadthalle eingetragen. Foto: Niemeyer

Bekannte Söhne und Töchter der Stadt wie die Grünen-Politikerin und ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer oder der international renommierte Künstler Otto Piene haben sich schon in dem Buch verewigt. Dazu alle, die in Politik und Gesellschaft ganz vorne mitmischen: Johannes Rau, Angela Merkel oder Dr. Thomas Bach, dazu unzählige Ministerpräsidenten und Minister des Landes. Einmal tagte sogar ein ganzes Landeskabinett in Lübbecke, am 30. April 1996 im kleinen Clubraum der Stadthalle. Anlass war der NRW-Tag. Roland Kelle von der Hauptverwaltung erinnert sich: »Sehr viele Minister kamen mit gehöriger Verspätung in der Stadthalle an, weil sie den Verkehr auf der B 239 unterschätzt hatten. Nur einer berichtete: ›Mein Fahrer wusste um die Verkehrssituation und hat sich für den Weg über Holzhausen entschieden.‹«

Seit 1994 kümmert sich Roland Kelle um das Goldene Buch, das im Vorzimmerschrank des Bürgermeisterbüros lagert. Er hat sich bemüht, etliche Anlässe für ältere Einträge zu rekonstruieren, weil auf den einzelnen Bögen häufig nur das Datum und der Anlass, aber kein lesbarer Name zu der Unterschrift verzeichnet ist. Inzwischen werden auch Fotos vom Eintrag dazu geklebt. So auch beim Besuch von Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Eine ganz besondere Geschichte.

Schröder im Bierzelt

Im Festzelt von Meiers Deele trägt sich Altkanzler Gerhard Schröder ins Goldene Buch ein. Mit dabei (links) Marktausschussvorsitzender Manfred Muth, Bürgermeisterin Susanne Lindemann und (im Hintergrund) das Mickie-Krause-Veranstaltungsplakat. Foto: Niemeyer

Auf Einladung von Zeltwirt Karlheinz Meier besuchte Schröder am 5. September 2009 den Blasheimer Markt. Klar, dass Roland Kelle extra für den Ehrengast das Goldene Buch aus dem Rathaus ins Festzelt brachte. Ein Tisch wurde hergerichtet, wo Gerhard Schröder im Beisein lokaler Prominenz unterschreiben konnte. Doch als Roland Kelle das Foto sah, das diesen Moment dokumentierte, wusste er nicht, ob er lachen oder weinen sollte: Im Hintergrund war das Ankündigungsplakat für den Zelt-Donnerstag mit Mickie Krause zu sehen, und direkt neben dem Kopf des Altkanzlers waren seine beiden größten Hits zu lesen: »Zehn nackte Friseusen« und »Finger im Po, Mexiko«. Wie gut, dass es schon Photoshop gab. . . Die retuschierte Version des Fotos fand dann Eingang in das Goldene Buch.

Sommers Botschaft

Lübbeckes Ehrengäste sind übrigens überwiegend kurz angebunden: Widmungen oder Sinnsprüche sind selten. Eine Ausnahme war die NRW-Schulministerin Barbara Sommer. 2010 notierte sie: »Ich danke herzlich für die Einladung in eine innovative Stadt, der Bildung besonders am Herzen liegt. Das Maß aller Dinge ist das Wohl der Kinder.«

Wenn Roland Kelle durch die Seiten blättert, hält er dieser Tage auch gerne bei einem Bogen vom Mai 1980 inne. Damals weilte eine Delegation der syrisch-orthodoxen Kirche in Lübbecke und es unterzeichneten die Erzbischöfe von Aleppo, Mossul und Beirut – Städtenamen, an die man derzeit mit traurigen Gefühlen denkt. Max Lazarus war der letzte jüdische Kantor von Lübbecke. Zum 100. Geburtstag seines Sohnes Dr. Lothar Lazarus gaben sein Enkel und Urenkel 2005 ein Konzert im Bürgerhaus – und trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Ganz schön sportlich

Neben Kultur und Politik nimmt der Sport breiten Raum im Goldenen Buch ein. Vor allem in den ersten Jahren wurde es bei sportlichen Großereignissen ausgelegt, die damit der Vergessenheit entrissen wurden. Oder wer würde sich sonst daran erinnern, dass in Obernfelde im Juni 1965 das Wasserball-Länderspiel Deutschland gegen Belgien ausgetragen wurde oder der Länderwettstreit zwischen Deutschland und der UdSSR im Kunst- und Turmspringen? Auch die ersten Besuche der Partnerstädte wurden im Gästebuch erfasst sowie die Ehrengäste beim 1200-jährigen Stadtjubiläum 1975.

Natürlich dürfen auch die Handballer nicht fehlen. So gibt es Einträge der Aufstiegshelden des TuS N-Lübbecke in den Jahren 2002 und 2009. Wohl verständlich, dass die jeweils nach einigen Jahren folgenden Abstiege nicht dokumentiert wurden. Die Hoffnung lebt. Roland Kelle schmunzelnd: »Wir haben noch Seiten frei.«

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