Karlheinz Schlüter schlägt eine finanzielle Beteiligung der Kommunen vor Tafel nimmt Sozialämter in die Pflicht

Lübbecke (WB). Die Tafel ist mit der Versorgung der Flüchtlinge stark gefordert. 2000 Personen werden derzeit im Lübbecker Land von der Tafel unterstützt. Die Ehrenamtlichen arbeiten am absoluten Limit. Vorsitzender Karlheinz Schlüter schlägt nun eine finanzielle Beteiligung der Kommunen vor.

Von Christian Busse
Sehen im Herbst Probleme auf die Lübbecker Land Tafel zukommen: (von links) Vorsitzender Karlheinz Schlüter und die Geschäftsführerinnen Sabine Linz-Struckmeier und Magdalena König.
Sehen im Herbst Probleme auf die Lübbecker Land Tafel zukommen: (von links) Vorsitzender Karlheinz Schlüter und die Geschäftsführerinnen Sabine Linz-Struckmeier und Magdalena König.

Die Zahlen sind explodiert: Hat die Tafel im Jahr 2014 bereits 1300 Menschen pro Woche versorgt, sind es derzeit knapp 2000. »Und schon damals haben wir am Anschlag gearbeitet«, sagt Karlheinz Schlüter, Vorsitzender des Fördervereins der Lübbecker Land Tafel.

Tafel sucht Mitarbeiter

Die Tafel Lübbecker Land sucht händeringend weitere Mitarbeiter. Besonders Fahrer werden gebraucht. Mitmachen kann im Prinzip jeder. Allerdings wird absolute Verlässlichkeit vorausgesetzt. Der zeitliche Einsatz variiert von Mitarbeiter zu Mitarbeiter. Einige arbeiten nur einmal im Monat, andere helfen zwei oder drei Tage in der Woche. Die Fahrer starten ihre Tour zumeist um 7.30 Uhr morgens. Bis zum frühen Mittag haben sie die Supermärkte abgefahren. Sechs Fahrer sind täglich im Einsatz. Die meisten Helfer sind Rentner. »Viele wollen nach ihrem Berufsausstieg etwas Sinnvolles machen. Wir bieten dazu die Gelegenheit«, sagt Schlüter. Aber auch einige Berufstätige engagieren sich bei der Tafel.

Wer helfen will, kann sich im Büro der Lübbecker Land Tafel zu den Bürozeiten unter der Rufnummer 5772/9360102 melden.

Dass die Versorgung funktioniert, ist dem unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer, der hauptamtlichen Mitarbeiter und der Teilnehmer verschiedener Maßnahmen des Arbeitsamtes zu verdanken. Zwei Tonnen Lebensmittel werden jeden Tag von den Supermärkten in der Region abgeholt, sortiert und wieder ausgegeben. Allein 25 Helfer arbeiten in der Sortierung und der Abholung.

Doch die Hilfe hat Grenzen. »Wir arbeiten am Limit. Wir können nicht noch mehr Menschen versorgen«, sagt Schlüter. Für die Ausgabestelle in Espelkamp gilt bereits ein Aufnahmestopp. Nur wenn einer der 234 derzeit registrierten hilfsbedürftigen Haushalte sich abmeldet, wird ein neuer Empfänger zugelassen. Auch in der Ausgabestelle in Lübbecke wird ein solcher Schritt diskutiert. »Das entscheiden aber die Mitarbeiter in den Ausgabestellen«, sagt Schlüter.

Vor allem die Flüchtlingskrise hat die Situation verschärft. Die meisten der neuen Kunden sind Flüchtlinge. »Die Sozialämter machen es sich sehr einfach. Sie erklären den Asylbewerbern den Weg zu uns, und dann ist das Problem für die Ämter erledigt. Das kann so nicht weiter gehen«, sagt Schlüter. Er will Vertreter aller Sozialämter zu einem Gespräch einladen. »Wir müssen die Zusammenarbeit besser koordinieren. Es kann nicht sein, dass man den Asylbewerbern sagt, ›Geh mal zur Tafel, die kümmern sich schon um euch‹. Wir sind keine staatliches Versorgungsamt. Wir machen das freiwillig«, so Schlüter. Es kommt nach Angaben des Vorsitzenden sogar vor, dass Flüchtlinge, deren Anträge auf Unterstützung von den Sozialämtern noch nicht bearbeitet wurden, zur Tafel zum Essen geschickt werden. »Dann stehen die vor der Tür, haben Hunger und kein Geld«, sagt Schlüter.

Gleichwohl stellt er klar, dass die Tafel allen Menschen helfen will – auch Flüchtlingen. »Aber wir müssen alle unsere Kunden im Blick haben und wir können nicht die Ärmsten der Armen gegen die Flüchtlinge ausspielen«, so Schlüter. »Wer das macht, produziert sozialen Sprengstoff.« Schlüter schlägt vor, dass sich die Kommunen an den Kosten der Tafel beteiligen. »Wir sollen ja offenbar öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Dann muss der Staat das aber auch bezahlen«, so Schlüter.

Genug Lebensmittel sind derzeit vorhanden. Allerdings machen sich die Tafelmitarbeiter bereits jetzt Sorgen um den Herbst. Sobald das heimische Obst von den Bäumen ist, gehen erfahrungsgemäß auch die Lebensmittelspenden der Supermärkte zurück. »Da wird es sicherlich kritisch werden«, sagt Tafel-Geschäftsführerin Magdalena König. Um die Versorgung zu gewährleisten, werden bereits heute haltbare Lebensmittel eingelagert. »Ein Bürger hat uns jetzt 100 Kilo Nudeln gestiftet. Auch Reis und Konserven nehmen wir gerne«, sagt Schlüter. Gelagert werden die Lebensmittel in der neuen, 400 Quadratmeter großen Sortierstelle in Espelkamp. »Ohne diesen neuen Standort könnten wir das nicht leisten. Der Umzug war die absolut richtige Entscheidung.«

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