Podiumsdiskussion in der Stadthalle: Lübbecke bereitet sich auf neue Flüchtlinge vor – Neubauten geplant Notunterkunft wird Übergangsheim

Lübbecke (WB). Es war voll: 700 Zuhörer kämpften in der Stadthalle um die besten Plätze, wollten Antworten zur Flüchtlingslage. Das war im September des vergangenen Jahres. Damals schwappte die große Flüchtlingswelle über Lübbecke hinweg. Jetzt hatte die Stadt erneut zu einer Informationsveranstaltung in die Stadthalle eingeladen – und viele Sitze blieben leer.

Von Friederike Grube
Etwa 150 Bürger haben die Informationsveranstaltung der Stadt besucht, Fragen gestellt und Informationen erhalten.
Etwa 150 Bürger haben die Informationsveranstaltung der Stadt besucht, Fragen gestellt und Informationen erhalten. Foto: Jan Eric Wiemann

Etwa 100 bis 150 Bürger hatten sich am Dienstagabend in die Stadthalle begeben, um sich über die aktuelle Flüchtlingssituation in Lübbecke zu informieren. Wie im September 2015 war es auch diesmal Pfarrer Eckhard Struckmeier, der die Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Frank Haberbosch und Gästen moderierte. Den Anlass hatte die Notunterkunft in der Jahn-Realschule geliefert. Sie wird wegen sinkender Flüchtlingszahlen in wenigen Tagen geschlossen. Die offenen Fragen: Wie viele neue Flüchtlinge kommen und wo können sie untergebracht werden?

Frank Haberbosch geht davon aus, dass wegen der Schließung der Notunterkunft im Laufe des Jahres 250 neue Flüchtlinge nach Lübbecke geschickt werden. Zusätzlich könnten 150 »reguläre« Zuweisungen folgen. Auf diesen Fall hat sich die Verwaltung vorbereitet. Haberbosch erklärte, dass die Flüchtlinge dezentral untergebracht werden. Man wolle neue Wohnungen bauen, Wohnungen anmieten und auch kaufen. Der Bürgermeister unterstrich, dass man die Flüchtlinge nicht in Sporthallen unterbringen werde.

Keine Unterbringung in Sporthallen

160 Menschen könnten schon jetzt problemlos ein Dach über dem Kopf erhalten, unter anderem im Heim an der Hausstätte. Weitere 70 sollen in Neubauten einziehen. Neue Wohnhäuser sollen binnen sechs Monaten an der Hermannstraße und an der Husener Straße entstehen – sobald der Rat sein Einverständnis gegeben hat. Dann würden noch 170 Plätze fehlen. Die Lösung heißt Jahnstraße. Aus der Notunterkunft soll eine Übergangseinrichtung werden, die von der Stadt betrieben wird.

Wie Stefanie Brandt, Personalchefin der Stiftung Diakonie Salem ausführte, soll die einstige Jahn-Realschule dann auch »wohnlicher gestaltet« werden. Die Bewohner dürften Besuch empfangen und der Bauzaun komme weg. »Die Unterkunft soll offener werden und keine isolierte Einrichtung mehr sein«, sagte Stefanie Brandt. Die Stiftung betreut das Heim weiter.

Es gab Fragen: »Ist der Wohnungsmarkt in Lübbecke schon so weit ausgeschöpft?«, »Sind weitere Anmietungen nicht möglich?« Der Bürgermeister sagte, falls der Platz nicht ausreiche, habe die Stadt Reserven: Einfachbauten an der Roten Mühle, ein Neubau auf einem Grundstück in Alswede, frei werdende Kapazitäten in vorhandenen Wohnungen, weitere Mietangebote und sechs geplante Wohneinheiten der GBSL an der Ecke Wiehenweg/Martinstraße. Ziel sei es, die Übergangslösung an der Jahn-straße so schnell wie möglich wieder abzuwickeln.

Neubauten geplant

Das Gehörte stieß auf Lob und Kritik. Robin Mitko, der bereits eine ähnliche Veranstaltung in Espelkamp verfolgt hatte, war überrascht: »Das ist hier eine viel positivere und entspanntere Stimmung als in Espelkamp.« Timo Straube fand, das Konzept sei offenbar gut »durchdacht«. Andere sorgten sich um den Wohnungsmarkt. Anerkannte Flüchtlinge und Hartz-IV-Empfänger würden sich um den gleichen, viel zu knappen Wohnraum bemühen. Frank Haberbosch räumte Probleme ein. Genau deshalb wolle man ja auch neue Wohnungen für Bürger und Flüchtlinge bauen. Nach Einschätzung von Achim Grube, Leiter der GBSL, werde sich aber an der angespannten Situation auch im nächsten Jahr wohl nichts ändern.

Diskutiert wurde auch noch über die Frage »W-LAN für Flüchtlinge«. Die Noch-Notunterkunft kann den Menschen dieses derzeit nicht bieten, was auf Kritik stieß. Eine gute und günstige Internetverbindung sei für viele Menschen die einzige Verbindung in ihre Heimat.

Rolf Kleffmann von der Stadt und Stefanie Brand hatten zuvor noch von einigen Ereignissen in der Notunterkunft berichtet. So hätten sich Menschen verliebt und geheiratet. Andere hätten sich getrennt. Kinder wurden geboren und lernten das Laufen. Insgesamt wurden in sieben Monaten 1028 Flüchtlinge versorgt. Viele Befürchtungen, die im September geäußert wurden, hätten sich nicht bewahrheitet: »Es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber man muss sich auch mal in die Lage der Leute versetzen«, sagte Stefanie Brandt.

Pastor Eckhard Struckmeier dankte Elke Entgelmeier für ihren Einsatz. Sie hatte die Notunterkunft geleitet. Zum Abschluss der dreistündigen Veranstaltung warb Marie-Luise Bernotat um weitere Unterstützung bei der ehrenamtlichen Hilfe. So würden weiterhin Paten für die Betreuung von Flüchtlingen gesucht.

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