»Color-Projekt« an der Hausstätte: Flüchtlinge greifen zu Pinsel und Farbeimer Maler aus fünf Nationen

Lübbecke (WB). Mit kritischem Blick inspiziert Leo Tasholli die Wände: »Das ist doch gut geworden.« Der 23-Jährige ist einer von sieben Flüchtlingen aus fünf Nationen, die am »Color-Projekt« von Farbdesignerin Christiane Brune-Wiemer im Wohnheim an der Hausstätte teilgenommen haben.

Von Kai Wessel
Sie haben dabei geholfen, die Flure in der Flüchtlingsunterkunft mit frischer Farbe aufzuwerten (von links): Fatjon Jaçellari (36, Albanien), Marie-Luise Bernotat, Benedikt Adenuga (32, Nigeria), Andi Vogli (20, Albanien), Projektleiterin Christiane Brune-Wiemer, Enton Naska (47, Albanien) und (im Vordergrund knieend) Leo Tasholli (23) aus dem Kosovo. Er fliegt heute zurück nach Priština.
Sie haben dabei geholfen, die Flure in der Flüchtlingsunterkunft mit frischer Farbe aufzuwerten (von links): Fatjon Jaçellari (36, Albanien), Marie-Luise Bernotat, Benedikt Adenuga (32, Nigeria), Andi Vogli (20, Albanien), Projektleiterin Christiane Brune-Wiemer, Enton Naska (47, Albanien) und (im Vordergrund knieend) Leo Tasholli (23) aus dem Kosovo. Er fliegt heute zurück nach Priština. Foto: Kai Wessel

Das Projekt der freischaffenden Künstlerin hatte im Januar mit ersten Workshops begonnen. Gemeinsam mit den Flüchtlingen wurde ein Farbkonzept für den Eingangsbereich, die Flure und das Treppenhaus entwickelt: »In der Unterkunft waren die Wände damals einheitlich in Altweiß gestrichen«, sagt Christiane Brune-Wiemer. Dieses triste Erscheinungsbild sollte verändert werden.

Mitte März wurden Farbeimer, Pinsel und Malerrollen an die Hausstätte gebracht. Die Helfer aus Albanien, Syrien, Eritrea, Nigeria und dem Kosovo begannen damit, das neue Konzept umzusetzen. »Alle haben Frau Brune-Wiemer bewundert, weil sie so viel über Farben weiß«, sagt Lehrerin Marie-Luise Bernotat, die das Projekt unterstützt hat.

Demnächst sind Küchen und Sanitärbereiche an der Reihe

Nach und nach leuchteten die Wände in hellem Blau oder in erdfarbenen Orangetönen. »Manche Stellen sind nicht ganz perfekt geworden, aber es waren ja auch keine Profis bei der Arbeit«, sagt Christiane Brune-Wiemer. Trotzdem ist sie mit dem vorläufigen Ergebnis von 160 Arbeitsstunden sehr zufrieden. Nach den Fluren sollen demnächst die Küchen, Sanitärbereiche und das Treppenhaus in Angriff genommen werden. Ob das Projekt vollständig abgeschlossen werden kann, hängt davon ab, ob sich genügend Helfer finden. »Die Flüchtlinge, die jetzt mitgemacht haben, verfügen über kein gesichertes Bleiberecht«, sagt Christiane Brune-Wiemer. Umso höher sei daher das Engagement der freiwilligen Maler zu bewerten, unterstreicht die Farbdesignerin.

Für Leo Tasholli, der ausgezeichnet gut Deutsch spricht, waren die Malerarbeiten der letzte, freiwillige Arbeitseinsatz. Er fliegt heute von Düsseldorf aus nach Priština, zurück in den Kosovo. Christiane Brune-Wiemer hat sich eine Meinung dazu gebildet: »Ich bedaure es sehr, dass ein Teil dieser so motivierten und engagierten Menschen unser Land wieder verlassen muss.« Sie würde das als einen »Verlust an menschlicher Begegnung« empfinden.

Die Stadt hatte im Vorfeld ihr Einverständnis zum »Color-Projekt« gegeben. Sie unterstützt die Teilsanierung mit 500 Euro. Die Gesamtkosten beziffert Christiane Brune-Wiemer auf 900 Euro. Sie hofft, dass der Differenzbetrag durch Spenden ausgeglichen werden kann. Ins Treppenhaus soll auch noch ein Kunstwerk: »Ich hab’ da schon eine Idee«, sagt sie.

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