Nach Versetzung einer Lehrerin: Kritik an Schulleiterin – Sondersitzung am Donnerstag Gesprächsbedarf in Blasheim

Lübbecke (WB). Die Eltern der Grundschule Blasheim wollen in einer außerordentlichen Schulpflegschaftssitzung eine Lösung im Streit um den erzwungenen Weggang einer beliebten Lehrerin suchen. Eingeladen wurden unter anderem die Schulleiterin Anke Breuer und ein Vertreter des Kreisschulamtes.

Von Christian Busse

Die Eltern sind weiterhin entsetzt über den Weggang der beliebten Lehrerin. Seit 25 Jahren unterrichtet sie an der Grundschule Blasheim.
Eltern berichten, dass ihre Kinder von der Nachricht vollkommen paralysiert sind. »Viele sind völlig von der Rolle. Sie reagieren sehr emotional und wollen etwas tun, um für ihre Lehrerin zu kämpfen«, sagt ein Vater eines Schülers, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er berichtet, dass viele Kinder den Wunsch geäußert haben, zusammen mit ihrer Lehrerin die Schule zu wechseln.

Bianca Rollmann, Mutter eines Sohnes, ist ebenfalls entsetzt über die Entscheidung des Kreisschulamtes. »Es war diese Lehrerin, die meinem Sohn die Lust an der Schule zurückgegeben hat. Sie hat ihn emotional gestärkt. Ohne sie will mein Sohn nicht mehr zur Schule gehen«, sagt sie.
Wie gestern berichtet, muss jede Grundschule einen Pädagogen mit einer Lehrerlaubnis für das Fach Religion haben. Das ist in der Grundschule Blasheim seit längerer Zeit nicht der Fall. Zwar hat die Lehrerin, die seit 25 Jahren das Fach unterrichtet, angeboten, die Lehrerlaubnis nachzuholen, aber das ging dem Schulamt offensichtlich nicht schnell genug.

Für Donnerstag, 18 Uhr, hat der Schulpflegschaftsvorsitzende An­dreas Schröder kurzfristig eine außerordentliche Schulpflegschaftssitzung anberaumt. Eingeladen ist auch die Schulleiterin. Hier sollen Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. Die Sitzung ist nicht-öffentlich.

Unterdessen verstärkt die Schulpflegschaft auch die Kritik an der Schulleiterin Anke Breuer. An­dreas Schröder wirft ihr in einem dreiseitigen Brief an den Schulträger vor, die enge Bindung zwischen Schule und dörflicher Gemeinschaft in Frage zu stellen. So soll die Schulleiterin die Lehrer mehrfach davor gewarnt haben, sich zu eng an die dörflichen Strukturen zu binden. »Wir haben diese Bindung als positives Zeichen für das Schulklima gewertet. Unter anderem ist dies ein Grund, warum sich Eltern mit ihren Kindern für unsere Schule entscheiden«, schreibt der Schulpflegschaftsvorsitzende Andreas Schröder an Bürgermeister Eckhard Witte. So habe es sogar vor einigen Wochen ein Krisengespräch zwischen Schulleitung und Vertretern von Vereinen, den Ortsvorstehern, der Leitung des Kindergartens und den Vertretern der Kirche gegeben. Anlass für das Gespräch waren Unstimmigkeiten in der Zusammenarbeit mit der Schule und geplante Veränderungen sowie Einschnitte bei Veranstaltungen und Auftritten.

Dass genau die Pädagogin, die wie keine zweite für die Verbindung der Schule zu Vereinen und Kirche steht, plötzlich aufgrund einer fehlenden Lehrerlaubnis im Fach Religion die Schule wechseln muss, kann die Schulpflegschaft nicht nachvollziehen.

Blasheims Pfarrer Friedrich Stork betonte gegenüber dieser Zeitung, dass er die fehlende kirchliche Lehrerlaubnis, die so genannte Vokation, nicht als Problem ansieht: »Wir würden es als Kirchengemeinde sehr begrüßen, wenn die Lehrerin auch weiterhin an der Grundschule Blasheim unterrichten könnte. Sie hat sich vor allem in der Verbindung von Grundschule und Kirchengemeinde sehr engagiert gezeigt und ausgesprochen positiv gewirkt. Sollte sie in dieser Weise nicht mehr tätig sein können, würden wir ihr Wirken schmerzlich vermissen. Von daher besteht auch nicht das geringste Interesse, sie in ihrem Tun zu behindern – ganz im Gegenteil.«

Die Lehrerin wollte sich gegenüber der LÜBBECKER KREISZEITUNG nicht äußern und bat, ihren Namen nicht zu nennen.

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