Gastronomen machen bei der Initiative Tierwohl nicht mit – Plakat an der Bundesstraße Landwirte gegen McDonald’s

Lübbecke (WB). Die Landwirte fordern McDonald’s  mit einer großen Plakataktion auf, sich bei der Initiative Tierwohl zu engagieren. An der B239 gegenüber der Lübbecker Filiale haben die Landwirte  ein Plakat enthüllt. McDonald’s, Burger King und Ikea weigern sich bislang, sich an der Initiative  zu beteiligen.

Von Christian Busse
Hanno Winkelmann, Holger Topp, Hermann Seeker und Rainer Meyer laden McDonald’s zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl ein.
Hanno Winkelmann, Holger Topp, Hermann Seeker und Rainer Meyer laden McDonald’s zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl ein. Foto: Christian Busse

Vier Cent pro Kilogramm Schweinefleisch zahlt der Verbraucher seit einigen Monaten bei den meisten Einzelhändlern und Gas­tronomen für die Verbesserung des Tierschutzes. Das Geld füllt einen bundesweiten Fonds, aus dem Landwirte Geld für Maßnahmen für mehr Tierwohl beantragen können. Das Problem: der Fonds ist bereits leer, bevor er richtig gestartet ist.

85 Millionen Euro waren im ersten Jahr  eingeplant. Das Geld reicht, um 2150 Landwirte zu unterstützen. Beworben haben sich hingegen mehr als doppelt so viele. »Aus dem Kreis Minden-Lübbecke haben 51 Landwirte zum Teil fünfstellige Beträge in ihre Ställe gesteckt. Das Geld in dem Fonds reichte allerdings nur für 25 Landwirte. Der Rest steht auf der Warteliste«, sagt Hermann Seeker, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke.

Ein weiteres Problem ist, dass sich  die Initiative nur auf Schweinefleisch bezieht. Ab Juli soll auch Hühnerfleisch hinzukommen. Rindfleisch und alle Wurstwaren sind noch außen vor.  

Bislang beteiligen sich etwa drei Viertel der Einzelhändler und Gastronomen  bei der Initiative, darunter Kaufland, Edeka, Lidl,  Aldi, Real und Rewe. Ein Drittel der  Einzelhändler weigert sich bislang jedoch. Nach Angaben des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes sind das unter anderem K+K, die Bünting-Gruppe (Jibi) und Famila. »Famila hat in einem Gespräch explizit auf den Wettbewerbsvorteil von vier Cent gegenüber den Mitbewerbern hingewiesen. Den wolle  sich Famila nicht mehr nehmen lassen«, so Kreislandwirt Rainer Meyer. Auch Burger King, McDonald’s und Ikea machen bislang nicht mit.

Die Landwirte wollen mit der Plakataktion den öffentlichen Druck auf die Unternehmen erhöhen. »Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass sich diese Unternehmen nicht an der allgemein gewünschten Steigerung des  Tierwohls in der Fleischproduktion beteiligen«, sagt Meyer.  Verbraucherschutz- und Tierschutzverbände stehen der Initiative Tierwohl mit Skepsis gegenüber. Verbraucherschützer kritisieren, dass es im Laden nicht zu erkennen ist, ob ein Stück Fleisch von einem Tier stammt, das von den neuen Standards profitiert hat.

»In keinem Fall kann die Initiative die vorhandenen Tierschutzsiegel ersetzen«, sagt Sophie Herr,  Leiterin des Teams Lebensmittel beim Bundesverband der  Verbraucherzentrale.  Der Deutsche Tierschutzbund vermisst klare  Regelungen für alle Tiere. Derzeit entscheide das Losglück darüber, welche Tiere verbesserte Lebensbedingungen erhalten. 

Die für ihre kompromisslose Haltung bekannte Tierrechtsorganisation  Peta begrüßt grundsätzliche die  neue  Tierwohl-Initiative. »Dass sich der Einzelhandel bewegt, ist unserer   Undercover-Recherche zu verdanken«, sagt Dr.  Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschaftsabteilung. Gleichzeitig bemängelt Peta die aus ihrer Sicht unzureichenden Kriterien für eine Förderung.   Das Grundprinzip der Initiative findet die volle Zustimmung der Tierschützer: »Fleisch muss teurer werden, damit es den Tieren besser geht. Nur leider springt der Einzelhandel zu kurz. Vier Cent sind viel zu wenig«, sagt  Haferbeck. Reine Öko-Label wie Naturland oder Demeter seien  Nischenprodukte geblieben. »Um etwas im Massenmarkt zu ändern, wird es nur so gehen«, sagt Haferbeck.

McDonald’s zeigte sich verwundert über die Aktion: »Wir sind mit der Initiative  im offenen Dialog. Solche Aktionen auf lokaler Ebene tragen nicht  zu einer entspannten Atmosphäre bei«, teilte ein Sprecher  mit. Gleichzeitig verwies das Unternehmen auf ihr eigenes Tierwohlprogramm »Best«, das Haltungsbedingungen für Rinder definiert. Zudem beziehe sich die Initiative nur auf einen kleinen Teil des Fleischverkaufs bei dem Burgerhersteller: 4500 Tonnen Schweinefleisch stehen 40.500 Tonnen Rindfleisch im Jahr gegenüber.

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