Auftakt zu Themenwochen im Nabu-Moorerlebniszentrum – Aufklärung und spielerische Annäherung Dem wahren Wolf auf der Spur 

Gehlenbeck (WB/cm). »Rotkäppchen lügt!« So steht es knapp und provokant auf einem knallroten Nabu-Aufkleber. Für die Naturschützer ist klar: Das Märchen vom bösen Wolf ist genau das – ein Märchen. Wie der Wolf tatsächlich ist, wie er lebt und wie man mit ihm leben kann, darüber informieren jetzt die »Wolfswochen« im Moorhus.

Janine Taake und ihre Kinder Linus und Emily versuchen herauszufinden, was der Wolf gefressen hat.
Janine Taake und ihre Kinder Linus und Emily versuchen herauszufinden, was der Wolf gefressen hat.

 Zwei Wochen lang, vom 12. bis zum 26. April dreht sich hier alles um den zur Zeit meistdiskutierten Neubürger Nordrhein-Westfalens. Rund 100 Jahre, nachdem in der Lausitz der offiziell letzte Wolf Deutschlands erschossen wurde, ist der Räuber mit den Bernsteinaugen wieder zurück: Im Dezember 2014 wurde in Oppenwehe ein Schaf gerissen, im Januar 2015 tappte ein Wolf im Siegener Land in eine Fotofalle.

 »Das Thema Wolf ist dadurch topaktuell geworden«, sagt Umweltpädagogin Carola Bartelheimer, die mit Mirjam Voss die Wolfswochen im Moorhus vorbereitet hat. Sie weiß, dass die Rückkehr des Wolfes unterschiedliche Reaktionen auslöst: »Wir freuen uns über darüber, weil der Wolf einfach zur biologischen Vielfalt dazugehört. Uns ist aber bewusst, dass das auch zu Problemen führt, vor allem bei den Viehhaltern. Unsere Veranstaltung soll deshalb auch ein Forum sein, wo man über das Thema diskutieren kann und wo Fachleute zusätzliche Informationen liefern.«

 Darüber hinaus wolle man vor allem Familien und Kinder ansprechen und sie dazu einladen, das scheue Wildtier besser kennenzulernen – auch auf ganz spielerische Art, mit Hilfe von Puzzles, Masken und selbst hergestellten Wolfs-Trittsiegeln.

 Zur Eröffnung der Wolfswochen standen Dirk Rösener, Schäfer im Großen Torfmoor, und Wolfs-Expertin Katharina Stenglein den Besuchern für Gespräche zur Verfügung. Thomas Pusch (Nabu- Fachausschuss Wolf NRW), Jan Preller (Wald und Holz NRW) und Ulf Helming (Schafzuchtverband NRW) hielten kurze Fachvorträge, in denen die Rückkehr des Wolfes aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wurde.

 Ihr Fazit lautete: Die Menschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass der Wolf nicht mehr das »scheue Waldgespenst« sei, sondern auch in der Kulturlandschaft auftauche. Für den Menschen sei er zwar nicht gefährlicher als andere Wildtiere, Wildschweine zum Beispiel. Ein echtes Risiko bedeute er allerdings für ungeschützte Nutztiere, denn »ein Wolf ist kein Vegetarier: Er nimmt das, was er kriegen kann« (Jan Preller). Weidetierhalter müssten sich deshalb auf eine angemessene Entschädigung im Fall eines Wolfsübergriffes verlassen können.

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