Sandra Buse rettet der Preußisch Oldendorferin Ursula Ireland mit einer Stammzellenspende das Leben Geteilte Gesundheit 

Preußisch Oldendorf (WB). Es war ein ergreifender Moment als sich Ursula Ireland und Sandra Buse zum ersten Mal in die Augen blickten. Vor sechs Jahren rettet Sandra Buse der Preußisch Oldendorferin mit einer Stammzellenspende das Leben. Jetzt haben sich die beiden das erste Mal gesehen. »Ich würde es sofort wieder tun«, sagt die Lebensretterin.

Von Ilka Gülker
Sie haben sich noch nie gesehen. Und trotzdem sind sich Sandra Buse (links) und Ursula Ireland bei ihrem Treffen ganz nahe. Sandra Buse hat Ursula Ireland vor sechs Jahren mit einer Stammzellenspende vor dem sicheren Tod bewahrt. Jetzt bedankt sich die Empfängerin.
Sie haben sich noch nie gesehen. Und trotzdem sind sich Sandra Buse (links) und Ursula Ireland bei ihrem Treffen ganz nahe. Sandra Buse hat Ursula Ireland vor sechs Jahren mit einer Stammzellenspende vor dem sicheren Tod bewahrt. Jetzt bedankt sich die Empfängerin.

Im September des Jahres 2008 fielen Ursula Ireland vermehrt blaue Flecken an ihrem Körper auf. Verwundert über die Herkunft der Hämatome suchte sie ihren Hausarzt auf. Schon dieser erkannte Auffälligkeiten in ihrem Blutbild. Schließlich die niederschmetternde Diagnose: akute myeloische Leukämie, eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. Unbehandelt ist die Krankheit nach sechs Wochen tödlich. Schon zwei Tage später befand sie sich im Klinikum Osnabrück, wo sie eine zermürbende Chemotherapie erhielt. Über vier Monate erstreckte sich ihr Aufenthalt in der Klinik. Schnell war klar: ohne eine Stammzellenspende wird sie nicht überleben. Doch weder das Knochenmark ihrer vier Brüder noch das ihrer Kinder stimmte überein. So wurde ihr Fall über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS weltweit ausgeschrieben.

 Tatsächlich hatte die Mutter zweier erwachsener Kinder das große Glück, dass gleich zwei in Frage kommende Spender gefunden wurden. Die behandelnden Ärzte entschieden sich für den Spender mit den größten Übereinstimmungen. Im April 2009 wurde die Transplantation in der Uni-Klinik Münster durchgeführt. Da sich nach der Chemotherapie immer noch ein Restbestand bösartiger Zellen in ihrem Blut befand und sie schnellstmöglich auf die bevorstehende Transplantation vorbereitet werden musste, unterzog sie sich eine Woche lang einer hoch dosierten Chemotherapie sowie einer Ganzkörperbestrahlung. Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr lag sie über Wochen isoliert in einem Einzelzimmer. Luft und Wasser gelangten nur gefiltert in den Raum. Ihre Familie musste sich steril kleiden, um sie besuchen zu können.

Die Transplantation ging gut

Die Transplantation ging gut. Geholfen haben ihr in der schweren Zeit besonders ihre Familie und ihr Ehemann Stephen. Doch auch ihr Überlebenswille war gefordert

Etwa sechs Wochen nach der Transplantation bekam Spenderin Sandra Buse aus Petershagen darüber Bescheid, dass die Empfängerin ihrer Stammzellen die Transplantation gut überstanden hat. Die Namen und weitere Daten blieben noch zwei Jahre lang anonym.

Dass sich Spenderin und Empfängerin auch örtlich so nah sind, ahnten beide nicht. Einige Zeit nach der Entlassung aus dem Klinikum Münster schrieb Ursula Ireland den ersten Dankesbrief. »Ich glaube, ich habe geschrieben, dass es mir gut geht und meine Familie und ich ihr ewig dankbar sein werden«, erinnert sich Ursula Ireland. Der Brief wurde über die Klinik und die DKMS an Sandra Buse weitergeleitet. Im Laufe der Zeit entstand so ein herzlicher Briefkontakt. Nach zwei Jahren durften die beiden Frauen auch ihre Adressen austauschen. Es folgten viele Telefongespräche und Briefwechsel. Auch ein persönliches Treffen war schon lange geplant, fand letztlich aber erst jetzt statt. »Wir sind überglücklich uns endlich persönlich zu treffen«, sagt Spenderin Sandra Buse.

Eine bewegende Begegnung

Auch für die Ehemänner war es eine bewegende Begegnung. Martin Buse unterstützte seine Frau von Beginn an in ihrer Entscheidung, sich als Stammzellenspenderin typisieren zu lassen. Seine Ehefrau hat ihre Entscheidung nie bereut. Sie empfiehlt jedem, es ihr gleichzutun. »Die körperliche Belastung war minimal«, sagt sie. Die Stammzellenentnahme in Hameln dauerte lediglich vier Stunden. Außerdem, so berichtet sie, ist es ein bereicherndes Gefühl, ein Leben gerettet zu haben. Sie ist für ihre Gesundheit sehr dankbar und glücklich, etwas davon teilen zu können: »Ich würde es sofort wieder tun«, sagt sie.

 In einem sind sich die Ehepaare einig: Viel mehr Menschen sollten sich typisieren lassen, um anderen Menschen auf so einfache Weise das Leben retten zu können. Stephen Ireland, der lange um das Leben seiner Frau bangen musste, richtet aus diesem Grund einen flammenden Appell an die Bevölkerung: »Jeder kann so einfach zum Lebensretter werden. Alles was nötig ist, ist ein Piks bei der Typisierung«. Ursula Ireland will mit ihrem Beispiel allen Betroffenen Mut machen: »Nach der schweren Zeit kehrt man in sein Leben zurück und kann vieles bewusster erleben und genießen.« Dank ihrer Lebensretterin kann Ursula Ireland heute ein ganz normales Leben führen: »Dafür bin ich unendlich dankbar«.

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