Zwei Männer sollen 1998 ihre sechsjährige Nichte vergewaltigt haben Vor 17 Jahren missbraucht?

Lübbecke (WB). 1998 soll in Porta-Westfalica ein sechsjähriges Mädchen vergewaltigt worden sein. 17 Jahre danach versucht das Landgericht Bielefeld seit gestern, das Geschehen aufzuklären.

Von Christian Althoff

Das mutmaßliche Opfer aus Lübbecke ist heute 23 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Als Kind wurde die Frau etwa 100 Mal von ihrem Vater missbraucht. Der wurde dafür 2013 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. In jenem Prozess kam heraus: Nicht nur der Vater, auch zwei seiner Brüder sollen sich bei einer Gelegenheit an dem Mädchen vergangen haben.

Verjährungsfristen

Je nach Schwere verjährt Kindesmissbrauch frühestens nach fünf, spätestens nach 30 Jahren. Bisher war es so, dass diese Verjährungsfristen erst mit dem 21. Geburtstag des Opfers begannen. So sollte sichergestellt werden, dass Opfer nicht mehr von ihrer Familie abhängig sind, wenn sie einen Verwandten anzeigen. Im Januar dieses Jahres wurde die Vorschrift noch einmal im Sinne der Opfer ausgeweitet: Jetzt beginnen die Verjährungsfristen erst mit dem 30. Geburtstag des Opfers.

Seit gestern stehen die beiden vor Gericht und streiten alles ab. »Ich werde Freispruch fordern!«, kündigt Anwältin Nicole Friedrich an, die einen der mutmaßlichen Kinderschänder vertritt. Der Hinweis des Vorsitzenden Richters Carsten Glashörster, ein Geständnis im Anschluss an die Aussage des mutmaßlichen Opfers bringe keine Pluspunkte mehr, verhallt.

Was denn damals gewesen sei, möchte der Vorsitzende Richter von der 23-Jährigen wissen. Sie hält einen Moment inne. »Die Bilder kommen wieder hoch.« Dann schildert sie mit fester Stimme den fraglichen Tag im Jahr 1998 aus ihrer Sicht. Sie sei alleine zu Hause gewesen, als drei ihrer Onkel mit einem Lkw auf den Bauernhof der Familie gefahren seien. »Sie brachten Brennholz.« Zwei Onkel, die beiden Angeklagten, hätten sie aufgefordert, in die Garage zu gehen, was sie auch getan habe. Die beiden seien mitgekommen, der dritte habe draußen gewartet.

Einer habe ihre Brust angefasst, dann habe sie sich ausziehen müssen. Zweimal sei sie auf einer Art Werkbank missbraucht worden. Sie könne sich noch an den blauen Pullover eines Onkels erinnern, sagt die Zeugin. Sie habe Schmerzen gehabt und geschrien, aber die beiden hätten sie nur ausgelacht. »Du stehst da als sechsjähriges Mädchen und weißt ja gar nicht, was passiert, weil du so etwas ja noch nicht kennst«, sagt die Zeugin. »Als es vorbei war, stand ich da nackt, und wusste nicht, ob ich gehen oder mich anziehen sollte.« Etwa zehn Jahre später, da sei ihre Mutter bereits tot gewesen, habe sie ihrem Vater von dem Missbrauch erzählt. Aber das sei ohne Folgen geblieben.

Später erklärt der Vorsitzende, die Kammer habe einen positiven Eindruck von der jungen Frau und wenig Zweifel an ihrer Aussage. »Aber das, was die Zeugin gesagt hat, reicht nicht für eine Verurteilung.« Die Frau erinnere sich nicht, wer von den Angeklagten was getan haben soll. Möglicherweise sei ja auch nur einer der Männer der Täter gewesen. »Die einzige gemeinschaftliche Handlung der beiden ist nach Erinnerung der Zeugin die Aufforderung, sie solle in die Garage gehen.«

Der Prozess wird fortgesetzt. Doch eine Verurteilung scheint seit gestern fraglich.

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