Mordfall Hille weitet sich aus – Verdächtiger gesteht eine Tat – Motiv Streit um Geld? Polizisten finden zwei weitere Leichen

Hille (WB). Polizisten haben am Mittwoch in Hille, wie berichtet, auf dem Bauernhof des Mordverdächtigen Jörg W. (51) zwei weitere Tote entdeckt. Bereits am Freitag hatten sie auf dem Nachbarhof die Leiche eines Libanesen gefunden, der von Jörg W. erschlagen worden war.

Von Christian Althoff
Spurensuche: THW-Mitarbeiter aus Bünde reißen mit ihrem Bagger auf dem Hof von Gerhard F. die Erde auf, die dann von Polizisten umgeschichtet wird.
Spurensuche: THW-Mitarbeiter aus Bünde reißen mit ihrem Bagger auf dem Hof von Gerhard F. die Erde auf, die dann von Polizisten umgeschichtet wird. Foto: Christian Althoff

Die Hintergründe sind noch nicht geklärt. Zumindest den Mord an dem Libanesen Fadi S. (30) hat Jörg W. aber inzwischen gestanden. Er gab an, den Mann aus Stadthagen, mit dem er in geschäftlicher Verbindung stand, mit einem Hammer erschlagen zu haben. Jörg W. war nach der Tat nach Bayern geflohen, wo er nach einer Woche gefasst wurde.

Nach Angaben von Hinterbliebenen sollen der Maurer Fadi S. und Jörg W. vorgehabt haben, eine Firma für Bausanierungen zu gründen. Fadi S. soll dem Deutschen etwa 5000 Euro gegeben haben, damit Jörg W. Aufträge an Land zieht. Das soll der aber nicht getan haben. Die libanesische Familie schließt nicht aus, dass es deshalb zwischen den beiden Männern am vorvergangenen Sonntag in Hille zu einem tödlichen Streit kam.

Die Mordkommission hat sich noch nicht zum Motiv geäußert.

Boden großflächig ausgehoben

Bei den Ermittlungen zum Mordfall Fadi S. fand die Kripo heraus, dass der Besitzer des Hofes, auf dem die Leiche gefunden wurde, seit Monaten verschwunden ist, dass sich aber Nachbar Jörg W. um den Hof kümmerte. Die Polizei fürchtete deshalb, auch Hofbesitzer Gerhard W. (71) könne tot sein. Außerdem hatten sich in den letzten Tagen Zeugen bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass auf dem Hof von Gerhard F. noch ein 65-jähriger Mann gelebt habe, der dem älteren Mann zur Hand gegangen sei. »Er soll seit Herbst 2017 verschwunden sein«, sagte Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Deshalb begann die Mordkommission gestern mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks aus Bünde und Minden sowie den Einsatzhundertschaften aus Bielefeld und Bochum, beide Grundstücke umzukrempeln.

Hinter dem Hof des Vermissten Gerhard F. hoben THW-Mitarbeiter mit einem Bagger großflächig Boden aus, der dann von Polizisten mit Schaufeln umgeschichtet wurde. So sollten Überreste des Vermissten und mögliche Spuren gefunden werden. Neben dem Bauernhaus trugen Polizisten außerdem einen Haufen aus Steinen und Erde mit der Hand ab und schaufelten die Erde schließlich durch ein Sieb.

Durchsuchung wird fortgesetzt

Zur selben Zeit durchsuchten andere Beamte den etwa 100 Meter entfernten Pferdehof von Jörg W. Dann der Durchbruch: Am Nachmittag schlugen Leichenspürhunde in einem Wäldchen an, das von der Straße aus gesehen links neben dem Bauernhaus auf dem Grundstück liegt. Polizisten gruben in einer Senke und fanden in etwa einem Meter Tiefe die Leiche eines Menschen – kurz darauf auch eine zweite Leiche.

»Zur Todesursache können wir noch keine Angaben machen«, sagte Landwehrmeyer gestern Abend. Die Mordkommission will die Durchsuchung der beiden landwirtschaftlichen Grundstücke fortsetzen, um Beweismaterial zu suchen und weitere Spuren zu sichern. Die Mordkommission war Mittwoch bis zum späten Abend im Einsatz, um das Grab der beiden Männer zu dokumentieren. Die Leichen wurden zur Obduktion nach Bielefeld gebracht.

In Hille wird gemutmaßt, vielleicht sei Gerhard F. eines natürlichen Todes gestorben und Jörg W. habe die Leiche versteckt, um sich die Rente anzueignen.

Über den Mordverdächtigen Jörg W. ist wenig bekannt. Er soll aus Duisburg stammen und war vor einigen Jahren nach Hille gezogen, wo er mit seiner Frau – sie soll Krankenschwester sein – und seiner Stieftochter auf dem eigenen Hof lebte. Der 51-Jährige ist nach Angaben der Polizei nicht vorbestraft.

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