Diskussion um den Lärmschutzwall in Espelkamp: Bau wird sehr viel teurer »Der Wall bringt Unwillen«

Espelkamp (WB). Der geplante Bau des Lärmschutzwalls entlang der Straße Zur Ratzenburg wird erheblich teurer als zunächst gedacht. Die Verwaltung stellte erneut die Pläne im Rat vor und dort war von Gesamtkosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro die Rede.

Von Felix Quebbemann
An der Straße Zur Ratzenburg stehen einige Wohnhäuser. Zwischen diesen und dem Logistikzentrum Harting (im Hintergrund) soll der 300 Meter lange Lärmschutzwall gebaut werden. Die Kosten dafür sollen 1,5 Millionen Euro betragen.
An der Straße Zur Ratzenburg stehen einige Wohnhäuser. Zwischen diesen und dem Logistikzentrum Harting (im Hintergrund) soll der 300 Meter lange Lärmschutzwall gebaut werden. Die Kosten dafür sollen 1,5 Millionen Euro betragen. Foto: Felix Quebbemann

Experten-Prüfung

Das sind eine halbe Million Euro mehr als noch vor etwa einem Jahr. Klaus Hagemeier, Vorstand der Stadtwerke AöR, erklärte diese Steigerung damit, dass die bereits vorhandene und auf einem nahegelegenen Feld gelagerte Erde durch die Regenfälle der vergangenen Monate sehr nass geworden sei. Ein Experte habe nach eingehender Prüfung empfohlen, das gesamte Bodenmaterial mit einem Kalkgemisch anzureichern.

Insgesamt betrage der Bedarf an Bodenmaterial für den 300 Meter langen und maximal 8,50 Meter hohen Lärmschutzwall 20.000 Kubikmeter Erde. Diese müsse mit etwa 1700 Tonnen Weißkalk »in hoher Qualitätsstufe« angereichert werden. Dass der Wall notwendig ist, betonte Hagemeier. »Ohne die Lärmschutzanlage ist eine industrielle Nutzung nicht möglich.« Sie sei eine der wichtigsten Anlagen. Um diese auch umsetzen zu können müsse der Rat eine erhebliche außerplanmäßige Ausgabe von mehr als 430.000 Euro genehmigen.

Keine Verzögerung

Wilfried Windhorst (CDU) zeigte sich nicht erfreut über die neue Entwicklung. »Die Herstellung des Walls ist Aufgabe der Stadt.« Es dürfe bei dem Bau zu keinerlei Verzögerungen kommen, die die Betriebsabläufe bei Harting stören. »Daher werden wir zustimmen.« Mit Blick auf die erhebliche Kostensteigerung sagte er aber: »Wir müssen auch forschen, wie so etwas passieren kann.«

Reinhard Bösch (SPD) sagte, dass die technischen Dingen nicht neu gewesen wären und so »annähernd« die Kosten hätten abgeschätzt werden können. »Mir fehlt ein bisschen der Glaube daran, dass es plötzlich aus heiterem Himmel gekommen ist.« Bösch wollte eine »klare Aussage« dazu haben, ob es dabei bleibe, dass die 3,50 Meter hohe Stahlmauer, die den fünf Meter hohen Erdwall abschließt, »sofort eingesetzt werden könne. Und er forderte eine Aufarbeitung der Kostenexplosion. »Wir reden nicht über 3,50 Euro. Es geht um anderthalb Millionen Euro. So geht es nicht.« Er machte den Vorschlag für eine externe Prüfung.

Dschungelcamp

»Das ganze macht mich doch ein bisschen wütend«, sagte Andreas Sültrup, Bündnis 90/Die Grüne. »Letztlich hat uns dieser Wall einiges an Unwillen gebracht.« Man hätte doch den »Erdhaufen im Winter abdecken können« – zum Beispiel mit Folie. »Jetzt müssen wir es mit Kalk wieder trocken bekommen. Das ist nicht nachzuvollziehen. Das ist wie im Dschungelcamp.« Denn, so Sültrup weiter, dort bekomme man auch erst eine Kröte zu schlucken um im Nachhinein noch eine weitere, größere schlucken zu müssen. Die Grünen würden sich bei der Abstimmung enthalten.

Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) kritisierte, dass bereits bei der Aufstellung des Bebauungsplanes vor Jahren »deutliche Fehler gemacht worden sind«. Die Stadt komme nun nicht mehr am Bau des Walls vorbei. Mit einer süffisanten Bemerkung in Richtung Verwaltung schloss er: »Dass man aber auch nicht damit rechne, dass es regnet, überrascht mich schon sehr.«

Mehrkosten

Noch vor zwei Wochen im Ältestenrat habe Hagemeier von Mehrkosten in Höhe von 250.000 Euro gesprochen. Wie aber könne es nun innerhalb von 14 Tagen zu einer solchen Summe kommen?

Hagemeier entgegnete sehr bestimmt, dass diese Zahl nicht die letzte Entscheidung gewesen sei. Es sei der damals aktuelle Stand gewesen. Windhorst, der auch Ortsvorsteher in Alt-Espelkamp ist und somit die Interessen der Anlieger des künftigen Walls vertritt, sagte, es sei schwer nachzuvollziehen, dass die »Kostenexplosion fast ausschließlich an der nassen Witterung liegt. Mir ist nicht ersichtlich, dass man das nicht hätte verhindern können.«

Externes Büro

André Stargardt (SPD) forderte ebenfalls die Prüfung der Vorgänge durch ein externes Büro. Den Vorschlag des Bürgermeisters, das Rechnungsprüfungsamt zunächst einzuschalten, lehnte er ab. »Das ist nicht die richtige Stelle.«

Bürgermeister Heinrich Vieker entgegnete den Vorwürfen. »Die Schätzungen sind von Experten gemacht worden.« Er widersprach aber den Behauptungen, dass die Verwaltung die Entwicklung gelassen hinnehme. »Die Zahlen haben uns auch alle erschrocken.«

Drei Enthaltungen

Er betonte, dass »die Zeit nicht für uns arbeitet.« Denn im Herbst wolle die Firma Harting den Probebetrieb im Logistikzentrum aufnehmen. »Das geht nur, wenn der Wall da ist.« Auf die Frage von Seidel, wie der zeitliche Ablauf des Baus aussehe, erläuterte Hagemeier, dass dies von den Witterungsbedingungen abhänge. Geplant sei aber, dass der Erdwall bis Ende Mai errichtet wird. Dann benötige er eine Konsolidierungszeit. »Im zweiten Abschnitt wird die Wand errichtet. Das Zeitfenster beträgt vier Wochen. Zum Abschluss der Sommerferien steht die Anlage.«

Mit dem Zusatz, dass externe Experten zur Klärung der Vorgänge beauftragt werden, wurde die unplanmäßige Ausgabe bei drei Enthaltungen verabschiedet.

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