Grünkohlessen der drei nördlichen CDU-Verbände in Espelkamp-Isenstedt Minderheitsregierung hat Fürsprecher

Espelkamp (WB/fhe). Wenn sich die CDU-Verbände Espelkamp, Rahden und Stemwede zu ihrem Grünkohlessen treffen, sind die Reden traditionell kurz gehalten.

Die CDU-Verbände aus Espelkamp, Rahden und Stemwede sind zum Grünkohlessen zusammen gekommen. Mit dabei: der Stemweder Gemeindeverbandsvorsitzende Andreas Weingärtner (von links), Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker, Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann, Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel und der Espelkamper Stadtverbandsvorsitzende Detlef Beckschewe.
Die CDU-Verbände aus Espelkamp, Rahden und Stemwede sind zum Grünkohlessen zusammen gekommen. Mit dabei: der Stemweder Gemeindeverbandsvorsitzende Andreas Weingärtner (von links), Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker, Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann, Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel und der Espelkamper Stadtverbandsvorsitzende Detlef Beckschewe. Foto: Florian Hemann

Regierungsbildung

Vielmehr liegt der Fokus auf dem Austausch und der hat sich in diesem Jahr besonders um zwei Themen gedreht: die Regierungsbildung in Berlin und die einst unantastbare Kanzlerin.

Mehr Basis geht nicht. Vom Bürgermeister über die Ortsvorsteherin bis hin zum ganz einfachen Mitglied kommen alle zusammen, wenn die »Nordkreis«-CDU zu ihrer Traditionsveranstaltung einlädt. Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann spricht inzwischen von einer »festen Institution« und freute sich mit dem Espelkamper CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Detlef Beckschewe über knapp 100 Gäste im Saal des Dorfkruges Kaiser in Isenstedt.

Appell

Während zeitgleich in Berlin SPD und Union unter der Leitung von Andrea Nahles und Karl-Josef Laumann den gemeinsamen Weg beim Thema Rente absteckten, fand Beckschewe in seiner Begrüßung appellierende Worte: »Bitte rauft euch endlich zusammen. Eine Regierung brauchen wir so dringend wie die Luft zum Atmen. Ganz Europa wartet auf uns.« Die SPD scheine traurigerweise auf einem »Selbstfindungstrip« zu sein. »Wenn ihr nicht regieren wollt, dann sagt uns das. Dann machen wir eine Minderheitsregierung«, meinte Beckschewe in Richtung der Sozialdemokraten.

Überhaupt: Ein großes Unverständnis über den bisherigen Koalitionspartner war zwischen Grünkohl und Pils an fast allen Tischen zu hören. »Die SPD sollte sich ihrer Verantwortung bewusst werden«, meint auch Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann. »Parteien sind in erster Linie da, um Regierungsverantwortung zu übernehmen. Immerhin hat ein Fünftel der Bürger die SPD gewählt, damit sie dieses Land gestalten.“

Kein Verständnis

Ähnlich sieht das auch der Frotheimer Jens Gürtler: »Gott sei Dank, dass die SPD von ihrer ursprünglichen Auffassung abgerückt ist. Sie sollten ihrer Verantwortung gerecht werden.« Und Max Grote aus Gestringen fügt hinzu: »Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Mehrheit der Leute es leid ist, dass wir nach Monaten immer noch keine Regierung haben.« Das deckt sich mit den Umfragen: Laut ARD-Deutschland-Trend haben 71 Prozent der Bürger kein Verständnis für die schleppende Regierungsbildung. Dass in Deutschland trotzdem alles funktioniert, beweise wiederum die Stärke des Landes und der Verfassung, sagt Grote.

Doch was ist, wenn die Große Koalition doch nicht zustande kommt. Während sich Angela Merkel am Tag des Jamaika-Aus skeptisch über eine Minderheitsregierung zeigte, stößt die Idee an der CDU-Basis auf viele Sympathien. Mancher favorisiert eine schwarz-grüne Minderheitsregierung, andere eine alleinige Unionsregierung. »Wenn sie keine Mehrheit kriegen, dann kann es die Union besser ganz alleine machen«, meint Karl-Heinz Hemann und erteilt damit schwarz-grünen oder schwarz-gelben Optionen eine Absage.

Minderheitsregierung

Selbst wenn nun eine Große Koalition zustande käme, bezweifelt der Fabbenstedter bei dem jetzigen Zustand der SPD, dass diese vier Jahre halten würde. »In Holland ging es ja auch«, sagt derweil Dieter Echmann aus Tonnenheide über eine etwaige Minderheitsregierung. »Bei den grundlegenden Dingen kann man sich ja zuvor ein Einverständnis der anderen einholen«, meint Max Grote. »Spannend« bewertet der Espelkamper JU-Vorsitzende Marius Schumacher dieses Regierungsmodell.

Eine Kanzlerinnen-Dämmerung ist an der heimischen CDU-Basis wenig zu spüren. Im Gegenteil: »Sie hat oft genug gezeigt, dass sie es schafft, Kompromisse zu schließen«, sagt Schumacher und sieht sie deshalb als geeignete Chefin einer Minderheitsregierung. »Wir haben keine bessere. Die weiß, was los ist«, meint derweil Dieter Echmann.

Potenzielle Nachfolger

Auch die Frage nach potenziellen Nachfolgern spielt eine große Rolle an den Tischen. Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn werden immer wieder genannt. Letzterer oftmals zähneknirschend. Und Detlef Beckschewe bringt noch den Ministerpräsidenten Daniel Günther ins Spiel. »Armin Laschet hat dazu kein Format«, gibt Schumacher zu. »Auf jeden Fall wäre es pfiffig, die Nachfolgefrage vorher zu regeln und nicht erst zur nächsten Wahl«, meint Meik Blase: »Die CDU sollte sich die Zeit nehmen, um einen Nachfolger aufzubauen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.