Polizei hilft Gerichtsvollzieherin in der Wohnung von Barbara und Erhard Hollmann Zwangsgeräumt: Ehepaar muss raus

Espelkamp (WB/fq). Der Blick von Barbara Hollmann fällt auf ihre wenigen Habseligkeiten, die die 62-Jährige am Montagmorgen noch aus ihrer Wohnung in der Gabelhorst 25 herausgeholt hat.

Nachbar Peter Frommelt im Gespräch mit Barbara Hollmann. Ihr Ehemann Erhard wurde während der Zwangsräumung aus der Wohnung gebracht.
Nachbar Peter Frommelt im Gespräch mit Barbara Hollmann. Ihr Ehemann Erhard wurde während der Zwangsräumung aus der Wohnung gebracht. Foto: Felix Quebbemann

Rechtsstreit

»Wir haben nichts mehr«, entfährt es ihr und sie blickt besorgt zum Eingangsbereich. Unten im Hof steht ein Polizeiwagen, in dem ihr Mann Erhard sitzt. Der wurde von der Polizei aus der gemeinsamen Wohnung gebracht, während diese zwangsgeräumt wurde. Das Ehepaar Hollmann hat am Montagvormittag ihr Heim verlassen müssen, nachdem es im Rechtsstreit mit dem Hexenhaus und der angeschlossenen Fachberatung »Wohin« vor Gericht verloren hat (wir berichteten) .

»Wo sollen wir denn jetzt hin?«, stellt Babara Hollmann die Frage, während die Gerichtsvollzieherin die Schlösser in der Wohnung im dritten Stock der Gabelhorst 25 austauscht. Neben einem Vertreter der Aufbaugemeinschaft, die Eigentümerin der Wohnung ist, und einer Vertreterin der Fachberatung »Wohin«, die die Hollmanns einige Zeit betreut hat, waren auch mehrere Polizeibeamte vor Ort. Mit einem Kleinbus und einem Streifenwagen hat die Polizei die Zwangsräumung begleitet.

Wenig kooperativ

»Wir wurden als Vollzugshilfe angefordert«, erklärt Thomas Bensch, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, auf Anfrage dieser Zeitung. Denn: Bei der Räumung des Hollmann-Hauses in Minden im Jahr 2015 habe es mit Erhard Hollmann bereits Vorerfahrungen gegeben, sagte Bensch dieser Zeitung. »Dementsprechend haben wir der Gerichtsvollzieherin geholfen.«

Weil der 59-jährige Ehemann gestern »wenig kooperativ war«, wurde er von einigen Polizeibeamten aus der Wohnung gebracht. »Man hat ihn nach unten in einen Wagen der Polizei mitgenommen«, erklärt Bensch weiter.

Nachdem die Räumung abgeschlossen war, konnte Erhard Hollmann wieder nach oben zu seiner Ehefrau gehen. Auch Minuten nach den Ereignissen standen beide noch unter den Eindrücken der Geschehnisse. Alle Bemühungen – auch von Nachbar Peter Frommelt, der die Zwangsräumung mit verfolgte – blieben erfolglos.

Zwangsräumung

Bereits am Montagmorgen hatten sich die Hollmanns auf die Zwangsräumung eingestellt, nachdem kurz vor dem vergangenen Wochenende ein Einspruch abgewiesen worden war. Daher warteten sie an der Haustür auf die Zwangsvollzieherin.

Sah es am Sonntag kurzfristig noch so aus, dass das Ehepaar Hollmann doch noch eine neue Wohnung bekommt, zerschlug sich die Hoffnung jedoch wieder. Wie es weitergehen soll, wissen sie auch noch nicht. Beim Ordnungsamt seien sie gewesen. Dort habe man ihnen aber nicht geholfen, sagte Barbara Hollmann. Sie könnten sich erstmal ein Hotelzimmer nehmen, wurde ihnen geraten. Aber dafür, so Barbara Hollmann, reiche das Geld nicht aus. Sie bekämen zwar ein regelmäßiges wenn auch nicht hohes Einkommen – unter anderem durch ihre Rente, so die 62-jährige Barbara Hollmann, die eine 60-prozentige Schwerbehinderung hat. Doch habe ihnen der Rechtsstreit auch einiges an Geld gekostet, so dass sie jetzt »etwa 5000 Euro Schulden haben«, sagt das Ehepaar. Und ihrer geringfügigen Beschäftigung könne Barbara Hollmann momentan aus gesundheitlichen Gründen auch nicht nachgehen.

Kommentare

Große Sauerei ist das!

Eine Baugesellschaft, die sich rühmt Menschlichkeit vornan zu stellen, schmeißt Mieter im Winter aus der Wohnung und die Behörden verweisen auf ein Hotel statt eine Notunterbringung anzubieten. Espelkamp, wohin bist Du gekommen? Der Gründungsgedanke dieser Stadt war mal ein sehr Sozialer?!

Selber Schuld

»Mietschulden spielen keine Rolle«, sagt Schmidt. Es fehle bei dem Ehepaar vielmehr die Bereitschaft, die eigenen Probleme zu erkennen. Sie hätten »jegliche Unterstützungsangebote abgelehnt. Sie haben umfängliche Hilfsangebote bekommen und nicht angenommen«, so Schmidt. »Es ist nicht so, dass wir uns das einfach machen.« Es sei schließlich schon viel Geld in die Betreuung des Ehepaares geflossen. Und selbst die Sozialarbeiter kämen nicht weiter, schließt Schmidt seine Ausführungen.

Hilfe gibt

Wie es dazu kam wird leider nicht berichtet.
Aber es gibt eine Lösung.
Asylantrag stellen.
Dann gibt es ALLES, Wohnung Taschengeld und die Klagen gegen Ablehnung werden auch bezahlt.

Menschlichkeit

Natürlich haben die beiden bestimmt Fehler gemacht aber kein Mensch hat es verdient im Winter vor die Tür gesetzt zu werden.Wo bitte bleibt hier die Menschlichkeit.Aber soweit sind wir mitlerweile gekommen.

Traurig

Es ist traurig, dass so etwas in einem der reichsten Ländern der Erde passiert. Jeder, der in Deutschland legal lebt sollte ein Grundrecht auf einen angemessenen Wohnraum, Strom und Wasser haben.

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