Espelkamper Ingolf Steinkamp feiert heute seinen 75. Geburtstag Unternehmer mit dem richtigen Gespür

Espelkamp (WB). Ingolf Steinkamp blättert seine Aufzeichnungen durch. Der Gründer des Espelkamper Traditions-Unternehmens Steinkamp Werkzeug- und Formenbau erinnert sich dabei an so manch kuriose aber auch sehr bemerkenswerte Begebenheit.

Von Felix Quebbemann
Ingolf Steinkamp hat im Flur vor seinem Büro die verschiedenen Entwicklungen seiner Firma – von den Kinderschuhen an – fotografisch festgehalten. Mit einem Dreher startete Steinkamp damals sein Unternehmen.
Ingolf Steinkamp hat im Flur vor seinem Büro die verschiedenen Entwicklungen seiner Firma – von den Kinderschuhen an – fotografisch festgehalten. Mit einem Dreher startete Steinkamp damals sein Unternehmen. Foto: Felix Quebbemann

Werkzeugmacher

Heute wird Ingolf Steinkamp 75 Jahre alt. Und der gebürtige Herforder erzählt gerne davon, wie er mit seinem Vater von Löhne nach Espelkamp kam. »Mit der Firma Aumann ist mein Vater damals mitgegangen – nach Espelkamp.«

In der »Stadt im Grünen« fand er zunächst in einem Siedlungshaus in der Greifswalder Straße sein neues Zuhause – im November 1950. Ingolf Steinkamp erlernte den Beruf des Werkzeugmachers bei der Firma Liebold und startete mit der Ausbildung im Jahr 1958. Kurz vor dem Ende seiner Lehrzeit wurde die Berliner Mauer fertig gebaut. Er erinnert sich noch gut an diese Zeit.

Back to the roots

Dann aber rief ihn die große Welt. Weg aus Espelkamp wollte Steinkamp. Und er verpflichtete sich für drei Jahre bei der Bundeswehr – in der Artillerie. Doch sein Weg sollte ihn schon bald wieder nach Espelkamp führen. Dort nämlich war zwischenzeitlich aus der Firma Liebold die Firma Krause geworden, und die suchte händeringend Handwerker. »Back to the roots« dachte sich Ingolf Steinkamp.

Die Zeit bei Krause nutzte er, um unter anderem seinen Industriemeister Metall in Bielefeld zu machen. Darüber hinaus wuchs in ihm der Wunsch, sich mit seinen Fähigkeiten selbstständig zu machen. Mit einem weiteren Mitarbeiter verwirklichte er sich im Jahr 1970 seinen Traum von der eigenen Werkzeugbau-Firma. Es sollte eine Espelkamper Erfolgsgeschichte folgen, die ihren Sitz in der Tütenbeke hatte und bis heute hat.

Kontinuierliches Wachstum

»Wir sind kontinuierlich gewachsen«, sagt Steinkamp, der auch heute noch regelmäßig in seinem Büro sitzt. Allerdings habe er mit dem operativen Geschäft nichts mehr zu tun. Die Leitung der Firma hat er vor Jahren in die Hände seines Sohnes Lars gelegt. Aber in seinem Büro kann er neben dem Lesen zur Entspannung auch das Treiben auf dem Firmengelände beobachten.

Das Unternehmen Steinkamp wuchs immer weiter. Und letztlich habe ihn sein größter Kunde gefragt, ob er nicht in den USA eine Filiale errichten wolle. Ab 1. September 1999 wurde das Werk in den USA eröffnet – mit zwei Angestellten. »Wir sind aber verhältnismäßig schnell gewachsen, so dass wir am Ende 30 Mann waren.«

Wall-Street-Journal

Viel Zeit hat er damals in den USA verbracht. Und dies merkt man, wenn Ingolf Steinkamp in seine Aufzeichnungen schaut. Dort wurde seine Firma unter anderem in einer Liste erfolgreicher Unternehmen im Wall-Street-Journal aufgeführt. Und gar der damalige Präsident George W. Bush hat dem Espelkamper damals eine Einladung zum Präsidenten-Dinner geschickt. Für sein unternehmerisches Engagement in Kentucky hat Steinkamp zudem den Titel »Kentucky Colonel« verliehen bekommen – die höchste Auszeichnung in Kentucky.

Mit 140 Mitarbeitern gehört die Werkzeug- und Formbau-Firma Steinkamp zu einem der größten Arbeitgeber in Espelkamp. Und wenn Ingolf Steinkamp sich gerade nicht das Treiben auf dem Firmengelände anschaut, genießt er das Klima auf der Insel Mallorca, wo er mit seiner Frau Sabine sieben Monate im Jahr verbringt. Er bezeichnet sie Insel als »die schönste Insel der Welt«.

Vier Mal Gold

Wenn man Ingolf Steinkamp auf die verrückteste Sache anspricht, die er jemals gemacht hat, kommt die Antwort schnell. »Das war, als ich mit der Brauerei gestartet bin.« Sein Steinpils und das Rezept haben jedenfalls Geschichte geschrieben. Vier Mal wurde das Steinpils aufgrund seines Geschmacks und dem dabei relativ geringen Alkoholgehalt mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. 2009 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Wer aber Steinpils trinken will, kann dies noch tun. Steinkamp verkaufte sein Rezept an die Woodburn Brewery in den USA, wo es bis heute gebraut wird.

Der 75-Jährige wird seinen Geburtstag heute im kleinen Kreis feiern. Und bei allem Erfolg hat er die Liebe zu den kleinen Dingen nicht vergessen. So unternahm er mit seiner Ehefrau im vergangenen Jahr eine Weltreise. »Sydney ist wunderschön, Panama auch und Neuseeland ebenfalls.« Aber nach der Weltreise habe er sich auf ein Krustenbrot mit Leberwurst gefreut.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.