Barbara und Erhart Hollmann aus Espelkamp von Obdachlosigkeit bedroht Ehepaar steht vor dem Nichts

Espelkamp (WB). Barbara Hollmann und ihr Mann Erhart starren fassungslos auf das Schreiben des Notars. Das Ehepaar soll seine Wohnung in der Gabelhorst räumen.

Von Felix Quebbemann
Barbara und Erhart Hollmann betrachten sich die zahlreichen Schreiben, die bei ihnen eingegangen sind. Das Ehepaar muss bis zum 15. Januar seine Wohnung räumen. Sie wollen nun mit einer Räumungsschutzklage antworten.
Barbara und Erhart Hollmann betrachten sich die zahlreichen Schreiben, die bei ihnen eingegangen sind. Das Ehepaar muss bis zum 15. Januar seine Wohnung räumen. Sie wollen nun mit einer Räumungsschutzklage antworten. Foto: Felix Quebbemann

Verzweiflung

Die 62-Jährige und ihr 59-jähriger Ehemann sind eigentlich davon ausgegangen, dass sie die Wohnung bald als Mieter übernehmen können. Doch daraus wird wohl nichts.

Der Blick zurück ist für die beiden ein schmerzhafter. Im Jahr 2015 wurde ihr Haus in Minden zwangsversteigert. In ihrer Verzweiflung haben sie sich Rat bei der Fachstelle »Wohin«, die unter Trägerschaft des Hexenhauses steht, gesucht. Darüber kamen die beiden in »Wohnenplus«, einem Modellprojekt mit einem sozialen Träger und zwei Wohnungsunternehmen im Kreis Minden-Lübbecke – neben der Aufbaugemeinschaft in Espelkamp auch die Wohnhaus Minden.

Ziel des Modells

Die Idee dahinter ist einfach: Die Wohnungsunternehmen stellen entsprechenden Wohnraum zur Verfügung. Dieser wird vom Hexenhaus angemietet und letztlich an die künftigen Mieter – wie das Ehepaar Hollmann – untervermietet. »Dafür haben wir auch einen Nutzungsvertrag unterschrieben«, sagt Barbara Hollmann. Nach einem Jahr schließlich soll die Wohnung dann direkt an die Nutzer vermietet werden. So sieht es das Ziel des Modells vor.

Doch soweit kommt es bei den Hollmanns nicht. Vertreter der Aufbaugemeinschaft waren in der Wohnung und haben sich umgeschaut. »Es würden hier zu viele Sachen drin stehen«, nennt Barbara Hollmann eine Begründung, warum die beiden keinen Mietvertrag bekommen, obwohl ihnen das zuvor versichert worden war.

Gerichts-Entscheid

»Wir haben doch auch immer die Miete gezahlt«, versteht Barbara Hollmann die Entwicklung der vergangenen Monate nicht. Mitte des vergangenen Monats war gar der Gerichtsvollzieher da. Der habe mitgeteilt. »Zum 15. Januar müssen Sie hier raus sein.« Dies basiert auf einem Entscheid des Amtsgerichts Rahden vom 24. November.

In der Vergangenheit haben Barbara Hollmann und ihr Mann häufiger versucht, mit der Aufbaugemeinschaft Kontakt aufzunehmen. Dort sind sie aber bislang nicht weiter gekommen. Zudem seien die Gespräche mit dem Kundenberater nicht so verlaufen, wie erhofft.

Gespräche mit der Beratungsstelle »Wohin« habe es in der jüngeren Vergangenheit hingegen nicht mehr gegeben. Ihr Mann sei zwar in den vergangenen Gesprächen laut geworden, sagt Barbara Hollmann. Aber sie verstehe trotzdem nicht, warum die Stelle so »giftig ist«.

Datenschutz

Elke Büchsenschütz von der Beratungsstelle »Wohin« bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass das Ehepaar Hollmann »umfassendste Hilfestellung« bekommen hat. »Wir haben zum Beispiel versucht, sehr stark den Umzug zu gestalten.« Weitere Angaben wollte sie mit Blick auf den Datenschutz nicht machen. Sie machte aber deutlich, dass die Stelle »Wohin« jederzeit offen sei für die Beratung von Menschen, die in eine Wohnungsnotlage geraten seien – auch für das Ehepaar Hollmann. Die Beratungsstelle »Wohin« erreichten jährlich etwa 500 Wohnungsnotgesuche. Ziel sei es, die Mietverhältnisse zu retten, macht Büchsenschütz deutlich.

Hans-Jörg Schmidt, Geschäftsführer der Aufbaugemeinschaft, wird konkreter bei der Nachfrage, warum es mit der Übernahme des Mietverhältnisses bei den Hollmanns nicht klappt. »Es ist der einzige Fall beim Modellprojekt Wohnenplus, der aus schwerwiegenden Gründen nicht geklappt hat.« Die Wohnung sei zwar zugestellt, so Schmidt. Dies sei aber nur »ein Punkt von vielen«, warum das Ehepaar keinen Mietvertrag bekomme. Schmidt bestätigt, dass das Hexenhaus das Mietverhältnis mit dem Ehepaar beendet habe. Er erklärt, dass diese Entscheidung eine einvernehmliche der beteiligten Stellen gewesen sei.

Fehlende Bereitschaft

»Mietschulden spielen keine Rolle«, sagt Schmidt. Es fehle bei dem Ehepaar vielmehr die Bereitschaft, die eigenen Probleme zu erkennen. Sie hätten »jegliche Unterstützungsangebote abgelehnt. Sie haben umfängliche Hilfsangebote bekommen und nicht angenommen«, so Schmidt. »Es ist nicht so, dass wir uns das einfach machen.« Es sei schließlich schon viel Geld in die Betreuung des Ehepaares geflossen. Und selbst die Sozialarbeiter kämen nicht weiter, schließt Schmidt seine Ausführungen.

Er macht deutlich, dass das Projekt »Wohnenplus« ein echtes Erfolgsmodell sei, dessen Pilotphase nun nach dreieinhalb Jahren abgeschlossen sei. Insgesamt 25 Haushalte mit 40 Personen seien mit Wohnungen versorgt worden. Die Menschen bekämen ein Dach über den Kopf und sie »erhalten eine neue Perspektive«, sagt Schmidt.

Schwer erkrankt

Dies aber löst derzeit nicht das Problem der Hollmanns, denen die Obdachlosigkeit droht. Dies ist für das Ehepaar doppelt schlimm, denn sowohl Barbara wie auch ihr Ehemann Erhart sind schwer erkrankt und müssen täglich Medikamente einnehmen.

Unentwegt sind sie am suchen, ob es nicht in Espelkamp oder Rahden eine geeignete Unterkunft für sie gibt. Aber entweder seien die Angebote zu teuer oder zu groß.

»Wir reichen erstmal eine Räumungsschutzklage ein«, sagt Erhart Hollmann, um die Zwangsräumung am 15. Januar zu verhindern. Wie es aber danach weitergehen soll, wissen Barbara und Erhart Hollmann auch noch nicht genau.

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