Johnson Controls: IG Metall kritisiert Sozialplan – Verhandlungen mit Firma Heyform »Angebot ist eine Unverschämtheit«

Espelkamp (WB). »Das ist eigentlich eine Frechheit.« Lutz Schäffer, Geschäftsführer der IG Metall Minden, hat deutliche Worte für das erste Angebot zum Sozialplan von Johnson Controls an die verbliebenen Mitarbeiter gefunden.

Von Felix Quebbemann
Bei dem Espelkamper Automobilzulieferer Johnson Controls arbeiten derzeit noch 296 Beschäftigte. Nach der ersten Verhandlungsrunde zum Sozialplan sind sowohl die Belegschaft wie auch die Gewerkschaft von dem Angebot des Unternehmens verärgert.
Bei dem Espelkamper Automobilzulieferer Johnson Controls arbeiten derzeit noch 296 Beschäftigte. Nach der ersten Verhandlungsrunde zum Sozialplan sind sowohl die Belegschaft wie auch die Gewerkschaft von dem Angebot des Unternehmens verärgert. Foto: Arndt Hoppe

Der Automobil-Zulieferer hat im Juli bekannt gegeben, dass er den Standort in Espelkamp teilweise aufgeben werde. Die Faser-Tec-Produktion (Naturfaser basierte Sitzkomponenten für Automobile) soll komplett nach Slowenien verlagert werden. Betroffen davon sind 200 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze »voraussichtlich wegfallen werden«, erklärte Lars Boelke, Unternehmenssprecher von Johnson Controls, vor anderthalb Monaten. Seitens des Unternehmens wurde damals kommuniziert, dass man »die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern sehr ernst nehmen«.

»Völlig unzureichendes Angebot«

Dies jedoch konnte Schäffer nach der ersten Verhandlungsrunde so nicht bestätigten. »Die Verhandler der Firma Johnson Controls haben in dieser Woche dem Betriebsrat ein völlig unzureichendes Angebot in Sachen Interessenausgleich und Sozialplan vorgelegt«, ärgerte sich Schäffer. Die vom Unternehmen angesprochene soziale Verantwortung könne er nach der ersten Verhandlungsrunde, vor allem mit Blick auf die langjährigen Beschäftigten, »nicht ansatzweise erkennen«.

Die Betriebsratsvorsitzende bei Johnson Controls, Ursula Beckschebe-Strefling, brachte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT die Gemütslage der Beschäftigten auf den Punkt. »Die Kollegen haben Fragen über Fragen. Es herrscht eine große Unsicherheit.«

Schäffer kritisierte des Weiteren das so genannte Freiwilligen-Programm. Demnach sollen Mitarbeiter, die vorab den Betrieb verlassen hätten, eine höhere Abfindung erhalten, als die jetzt noch Beschäftigten. »Darauf jedenfalls läuft die Vorstellung des Unternehmens hinaus«, sagte er. Schäffer betonte, dass es bei den jetzt noch in Espelkamp Beschäftigten schließlich möglich sei, dass sie arbeitslos würden.

Unverständnis rief bei ihm und der Belegschaft zudem die Vorstellung des Unternehmens hervor, »zusätzliche Schichten zu leisten, um eine reibungslose Produktionsverlagerung nach Slowenien sicher zu stellen«.

Empörung bei der Belegschaft

Die Belegschaft sei empört gewesen, nachdem der Betriebsrat sie über die Pläne des Unternehmens unterrichtet habe. Schäffer sagte zu dem ersten Angebot, dass es »eine Unverschämtheit« sei.

Beckschebe-Strefling erklärte, dass die Arbeitnehmerseite nun erstmal einen Gegenvorschlag einreichen werde. Hierzu werde man sich mit den Anwälten, den Wirtschaftsberatern und der IG Metall zusammensetzen. Sie gehe davon aus, dass von Johnson Controls ansonsten kein neues Angebot kommen werde.

Die Betriebsratsvorsitzende kritisierte die Informationspolitik des Unternehmens. »Die kommen mit immer neuen Überraschungen.« Den vorgelegten Sozialplan bezeichnete sie schlicht und einfach als »Frechheit«. Dieser sehe zum Beispiel vor, dass alle Arbeitnehmer über 60 Jahre keine Abfindung bekommen sollen. So etwas sei ihr in ihrer langjährigen Tätigkeit in dem Unternehmen überhaupt noch nie untergekommen, sagte Beckschebe-Strefling.

Ein Teil der Produktion von Johnson Controls, die unter dem Namen »Backpanel« zusammengefasst wird (naturfaserverstärkten Lehnenabdeckungen), soll künftig in Espelkamp bleiben – allerdings geleitet von einem anderen Unternehmen, das auch seine Verwaltung in Espelkamp eröffnen will (das WESTFALEN-BLATT berichtete am 21. Juli). Dazu laufen Übernahmegespräche.

Heyform

Bei dem Unternehmen handele es sich nach Aussagen Schäffers um den Bramscher Automobilzulieferer Heyform. Jedoch erklärte Schäffer, dass er den Interessenten als »unsicheren Kantonist« einschätze.

Heyform, so wurde im Juni bekannt, schließt nämlich seinen Standort in Bramsche (Kreis Osnabrück) und verlegt die Produktion nach Rumänien. 200 Beschäftigte werden dadurch arbeitslos. Und Schäffer übte in diesem Zusammenhang Kritik an den dortigen Verhandlungen zum Sozialplan

Durch die Heyform-Übernahme in Espelkamp könnten aber etwa 60 Arbeitsplätze gesichert werden. Beckschebe-Strefling erklärte jedoch, dass »noch nichts in trockenen Tüchern ist«.

Neue Verhandlungsrunde

Derzeit, so die Betriebsratsvorsitzende, arbeiteten noch 296 Beschäftigte bei Johnson Controls – darunter auch einige befristete Arbeitskräfte. Die seien noch bis Mitte Oktober, bis zum Auslaufen des Auftrages eines großen Autokonzerns, im Unternehmen.

Die nächste Verhandlungsrunde zwischen dem Unternehmen und den Arbeitnehmern ist für den 13. September angesetzt. Ursula Beckschebe-Strefling weiß, dass dies noch eine schwere Zeit für die Beschäftigten werden wird. »Ich bin 42 Jahre hier im Unternehmen.« Diese Entwicklung jedoch hat sie schwer getroffen. »Es tut einem in der Seele weh.«

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