CDU-Bundestagsabgeordnete Zertik und Kampeter sprechen in der Beschriftungsagentur Töws über Integration  »Dürfen Ehrenamt nicht überfordern« 

Espelkamp (WB). Dietrich Töws steht vor der digitalen Druckmaschine. Fahnen und Banner kreieren, Farbdruck auf Autos – all dies sei damit möglich. Seine Besucher hören gespannt zu und stellen interessiert Fragen.

Von Felix Quebbemann
Die CDU-Bundestagsabgeordneten Heinrich Zertik (links) und Steffen Kampeter (2. von rechts) haben mit Bürgermeister Heinrich Vieker (2. von links) in der Agentur von Dietrich Töws über das Thema Integration als Wirtschaftsfaktor gesprochen.
Die CDU-Bundestagsabgeordneten Heinrich Zertik (links) und Steffen Kampeter (2. von rechts) haben mit Bürgermeister Heinrich Vieker (2. von links) in der Agentur von Dietrich Töws über das Thema Integration als Wirtschaftsfaktor gesprochen.

Bei den Gästen handelt es sich zum einen um Espelkamps Bürgermeister Heinrich Vieker. Die anderen beiden sind die CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Kampeter und Heinrich Zertik.

Sie haben sich in der Beschriftungsagentur Töws an der Friedrich-Ebert-Straße eingefunden, um sich einerseits über den Betrieb zu informieren. Andererseits aber wollen sie von Dietrich Töws wissen, wie er als Spätaussiedler in die Selbstständigkeit gekommen ist, wie er nach seiner Ausreise aus Russland in Deutschland aufgenommen wurde und was er anderen Spätaussiedlern für die Unternehmenspläne raten würde. Das Thema lautete: »Integration als Wirtschaftsfaktor«.

Zertik, der aus dem Kreis Lippe kommt und Mitglied der Aussiedlerbeauftragten-Konferenz der CDU Deutschlands ist, erklärte, dass es im Kreis Lippe etwa 1000 selbstständige Spätaussiedler gebe. In Minden-Lübbecke, so Zertik weiter, seien es mehr als 800. Zu ihnen gehört der Espelkamper Dietrich Töws, der 1994 aus Russland wegging. Anfang der 90-er Jahre sei es sehr turbulent in Russland gewesen, erinnerte sich Töws. So war zum Beispiel aufgrund der politischen Situation der Rubel sehr instabil. »Da konnte es sein, dass man abends Geld auf dem Konto hatte und morgens keines mehr«, sagte Töws. Er wollte Sicherheit für seine Familie, gab seinen Beruf als Polizist auf und ging in den Westen.

In einem Espelkamper Baumarkt habe er damals angefangen zu arbeiten. Nach seiner Weiterbildung zum Informatik-Kaufmann sei er als Existenzgründer in das Gründer- und Anwendungszentrum GAZ II gegangen. Und seit fünf Jahren betreibt er mit einer Hilfskraft die Beschriftungsagentur. Sprachkenntnisse seien bei der Integration sehr wichtig gewesen, erklärte Töws. Dabei habe ihm unter anderem die Arbeit im Baumarkt geholfen. Besonders aber hob er die Vereinsarbeit hervor. Er habe beim ATSV Volleyball gespielt und sei so in die Gesellschaft integriert worden und habe die Sprache gelernt.

Aufmerksam hörten die Bundestagspolitiker zu. Zertik, selbst Einwanderer aus der früheren Sowjetunion, erklärte, dass er das Wort Integration nicht gerne benutze. Das Wort stoße ihn ab. »Ich sage immer beheimatet.« Er jedenfalls sagte, dass der Schlüssel für die Zugezogen die Sprache sei. Zertik appellierte zudem. »Es ist sehr wichtig, sich in der Stadt zu beteiligen.«

Steffen Kampeter sagte, dass der Werdegang von Dietrich Töws ein »positives Beispiel ist. Wir müssen über Integration sprechen und nicht nur über Zuwanderung.«

Stadt auf Engagement von Vereinen angewiesen

Gerade mit Blick auf die derzeitige Flüchtlingswelle, sagte Bürgermeister Heinrich Vieker, dass die Stadt auf das Engagement der Vereine angewiesen sei. Insgesamt gebe es jetzt in Espelkamp 194 Flüchtlinge. »Im Februar haben wir jeden Tag einen bekommen – außer sonntags. Das wären 24. Das sprengt langsam den Rahmen.« Beim anzumietenden Wohnraum gelange die Stadt ebenfalls an ihre Grenzen. Daher sollen Wohn-Container am Hindenburgring aufgebaut werden (wir berichteten). Ein weiteres Problem der Stadt sei es aber, die Menschen zu integrieren und zu beschäftigen.

Daher habe der erste »Runde Tisch« zwischen Verantwortlichen der Stadt, Vereinsvertretern und Kirchen stattgefunden. »Der ›Runde Tisch‹ war gut besucht.« Dort sei deutlich geworden, dass die Stadt bei der Integration auf das Ehrenamt zurückgreifen müsse. »Wir dürfen aber das Ehrenamt nicht überfordern.« Von den kirchlichen Gemeinden gebe es viel Bereitschaft zur Unterstützung.

Vieker erklärte mit Blick auf das Mischgebiet an der Friedrich-Ebert-Straße weiter, dass dieses ideal für den Beginn eines selbstständigen Unternehmens sei. Es sei zwar erst schleppend angelaufen. Doch jetzt gebe es dort keine Grundstücke mehr. In der Umgebung, so Töws weiter, gebe es noch weitere Spätaussiedler, die ihre Selbstständigkeit aufgebaut hätten. Töws selbst wohnt ein Stockwerk über seinen Betrieb und sagt, dass die Lage für Neugründer zentral sei und er sich seit fünf Jahren dort sehr wohl fühle.

Seine Familie sei ebenfalls bestens integriert. Eine seiner Töchter hätte Maschinenbau studiert und die zweite studiere Wirtschaftswissenschaften. Einen Wunsch an die Bundestagsabgeordneten hatte Töws zum Abschluss noch. Es gebe in Deutschland vier Millionen Aussiedler. Diese Relation zur Gesamtbevölkerung spiegele sich aber im Bundestag mit seinen 630 Abgeordneten nicht wieder. Als positives Beispiel führte Töws den Espelkamper Rat an, in dem er selbst auch Mitglied ist. Dort gebe es bereits sechs Mitglieder mit Migrationshintergrund.

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