Doris Pick und ihr Team erklären das neue Stärkungsgesetz  Zentrum für Pflegeberatung informiert Ratsuchende

Espelkamp/Altkreis Lübbecke (WB). Doris Pick klappt das Informationsblatt auf. Vor der Leiterin des Zentrums für Pflegeberatung im Bürgerhaus in Espelkamp sitzt eine Frau, die um Rat sucht.

Von Felix Quebbemann
Die Leiterin des Zentrums für Pflegeberatung, Doris Pick, im Gespräch. Eine Beratung dauert im Durchschnitt 51 Minuten, sagt Pick. Das Zentrum für Pflegeberatung ist für den gesamten Altkreis Lübbecke (außer Hüllhorst) zuständig.
Die Leiterin des Zentrums für Pflegeberatung, Doris Pick, im Gespräch. Eine Beratung dauert im Durchschnitt 51 Minuten, sagt Pick. Das Zentrum für Pflegeberatung ist für den gesamten Altkreis Lübbecke (außer Hüllhorst) zuständig.

 Sie ist eine Angehörige, die ihren seit einigen Jahren schwer erkrankten Ehemann zu Hause pflegt. Der Beratungsbedarf ist bei Menschen, die entweder selbst pflegebedürftig oder pflegende Angehörige sind, häufig sehr groß, da die meisten sich mit der Materie im Vorfeld nicht auseinandergesetzt haben.

 »Wir hatten im Jahr 2013 etwa 700 dokumentierte Beratungen«, sagt Doris Pick. Diese Zahl könnte in diesem Jahr noch deutlich steigen, denn zum 1. Januar ist das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten.

Verbesserte Leistungen

Mit den damit verbundenen leicht angehobenen Beiträgen zur Pflegeversicherung haben sich auch die Leistungen verbessert. Genau darüber berät Doris Pick im Gespräch die 42-jährige Ehefrau aus dem Altkreis Lübbecke.

 Zunächst einmal will Pick wissen, wie die Frau auf die Pflegeberatung in Espelkamp aufmerksam geworden ist. »Der Hinweis kam vom Arbeitgeber.« Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements werde viel Wert auf Mitarbeiterförderung und auch Mitarbeiterunterstützung gelegt, sagt die Ratsuchende.

 Die 42-jährige Ehefrau erläutert weiter, dass sie das erste Gespräch mit dem Pflegeberater Thomas Macher zuhause gehabt habe. »Das war wirklich sehr gut«, sagt sie. Zumal Macher innerhalb der aufsuchenden Beratung sofort ein paar Tipps geben konnte, um das Leben im Haus für den erkrankten Ehemann zu erleichtern. Er schlug zum Beispiel Handläufe in der Wohnung, Stützen im Badezimmer und auch einen Treppenlift vor.

 Hierbei kommt das neue Pflegegesetz zum Tragen. Ein Treppenlift koste insgesamt etwa 10.000 Euro. Wurden hierfür bis zum vergangenen Jahr maximal 2557 Euro pro Maßnahme als Zuschuss gezahlt sind dies mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz nun maximal 4000 Euro. »Bei späteren Schwierigkeiten der Hilfsmittelbeantragung hat uns Macher in den Gesprächen mit der Krankenkasse ebenfalls unterstützt«, sagt die 42-jährige Ehefrau.

Finanzierung über Stiftungen

 Zudem wurden weitere Möglichkeiten der Finanzierung, zum Beispiel über Stiftungen, erörtert, und hatten am Ende auch Erfolg. Die 42-Jährige sagt im Rückblick auf die Beratung, dass diese sehr angenehm gewesen sei. »Ich wusste, ich stehe nicht alleine da.« Dieses Gefühl sei ganz wichtig. Im Zentrum für Pflegeberatung gebe es auch immer den gleichen Ansprechpartner, betont sie. Dies sei ebenfalls sehr hilfreich, da der Berater die persönliche Situation kenne und dadurch individuell beraten könne.

 »Vor dem Beratungsgespräch war mir das Pflegestärkungsgesetz nicht einleuchtend. Tritt die Pflegesituation ein, ist man erstmal hilflos und überfordert. Das Gespräch mit der Beratungsstelle klärt auf und gibt Sicherheit«, sagt die 42-Jährige.

Hilfe zur Selbsthilfe

Doris Pick ergänzt, dass sie in der Pflegeberatung ein Netzwerk für sehr wichtig halte. Dabei aber seien drei Grundsätze für die Beratungsstelle zentral. »Die Beratung ist vertraulich, neutral und kostenfrei«, sagt Pick, die sich bei jedem Fall mit anderen Gegebenheiten konfrontiert sieht und so die Ratsuchenden im so genannten »Fallmanagement« ganz speziell begleiten kann. So sei es bei der 42-jährigen Ehefrau so, dass »sie noch berufstätig ist«. Daher führten die Hilfsmaßnahmen nicht nur zur einer Erleichterung im Alltag des erkrankten Ehemannes. Auch die 42-Jährige kann beruhigter das Haus verlassen. Doris Pick erklärt dazu. »Wir geben ihr vom Zentrum für Pflegeberatung so viel Unterstützung, dass sie es schafft und auch merkt, dass sie nicht alleine ist.« Es sei Hilfe zur Selbsthilfe.

 Wer sich über die neuen Pflegegesetze informieren möchte hat dazu am Mittwoch, 11. März, Gelegenheit. Dann nämlich gibt es ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung im Bürgerhaus – organisiert unter anderem vom Espelkamper Zentrum für Pflegeberatung. Eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich und die Veranstaltung ist kostenfrei.

 Die 42-jährige Ehefrau jedenfalls weiß, was sie der Beratung im Pflegezentrum zu verdanken hat. »Das Angebot sollte jeder in Anspruch nehmen, ob als Betroffener oder Angehöriger. Man bekommt Informationen, Unterstützung und Entlastung.«

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