CDU-Politiker analysiert die Situation der Polizei vor Ort – Espelkamper Wachleiter informiert im Ausschuss  Oliver Vogt wird »Angst und Bange« 

Espelkamp (WB). »Es ist eine undankbare Aufgabe, die Mangelwirtschaft zu verwalten.« CDU-Politiker Dr. Oliver Vogt analysierte im Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Feuerschutz die Situation der Polizei vor Ort.

Von Felix Quebbemann
Die Polizei im Einsatz bei dem Unfall in der vergangenen Woche auf der B 239. Wachleiter Andreas Jürgensmeyer versicherte im Ausschuss, dass trotz dünner Personaldecke der Streifenwagen für Espelkamp und Rahden nicht abgezogen werde.
Die Polizei im Einsatz bei dem Unfall in der vergangenen Woche auf der B 239. Wachleiter Andreas Jürgensmeyer versicherte im Ausschuss, dass trotz dünner Personaldecke der Streifenwagen für Espelkamp und Rahden nicht abgezogen werde. Foto: Arndt Hoppe

 Und er machte auch nach den Ausführungen von Espelkamps Wachleiter Andreas Jürgensmeyer keinen Hehl daraus, wie ihm zumute ist beim Blick auf die künftige Personalsituation der Polizei. »Da wird mir Angst und Bange, wenn ich mir anschaue, was da auf uns zukommt.«

 Zuvor hatte Jürgensmeyer ausgeführt, dass die Polizeiwache ihren Service bei der Anzeigenaufnahme zurückgefahren hat (die ESPELKAMPER ZEITUNG berichtete gestern). Eine Anzeige kann seit Beginn des Jahres nur noch in der Zeit von 7.30 bis 15.30 Uhr in der Espelkamper Polizeiwache erstattet werden.

 Dies erläuterte Jürgensmeyer damit, dass die Dienstpläne aufgrund der dünnen Personaldecke im vergangenen Jahr in 68 Fällen nicht eingehalten werden konnten.

 Die Polizei sei bei diesem Thema aber kein Einzelfall. Jürgensmeyer wagte einen Blick in die Zukunft. »Bis 2023 werden wir schon personelle Probleme bekommen. Wir haben auf einem hohen Niveau gelebt.« Es sei zwar nicht so, dass »wir bislang in Espelkamp zu wenig Personal gehabt haben«. Doch habe die Wache einen hohen Altersdurchschnitt. Daher sei es denkbar, dass Mitarbeiter mal länger ausfallen könnten.

 Zudem sei es möglich, dass Polizisten im Einsatz verletzt werden. Jürgensmeyer führte den Einsatz in der Silvesternacht an, bei dem zwei Polizisten in Minden auf dem Weg zum Einsatzort verunglückten. Einer der beiden liege immer noch im Krankenhaus und müsse noch einmal operiert werden.

 Langfristige Ausfälle seien mit Blick auf die Personaldecke ein »Schlag ins Kontor« und müssten dann aufgefangen werden. Der Espelkamper Wachleiter versicherte in diesem Zusammenhang aber, dass der permanente Streifenwagen für Espelkamp und Rahden bleiben werde.

 Bei den Einsatzreaktionszeiten liege die Wache im »grünen Bereich«, sagte Jürgensmeyer. Zwischen fünf bis 14 Minuten benötige die Polizei, um am Einsatzort zu sein.

 Andreas Nentwich, sachkundiger Bürger der Fraktion Die Unabhängigen, fragte, was die Polizei mache, wenn der eine Polizeiwagen im Einsatz sei und parallel ein weiterer Notruf hereinkäme. Zudem könne es doch sein, dass der Espelkamper Wagen auch einmal eine Person nach Minden in den dortigen Gewahrsam bringen müsse. »Dann sind die Beamten für drei Stunden weg«, sagte Nentwich.

 Jürgensmeyer entgegnete. »Wir können uns nicht für alle Eventualitäten wappnen.« Man müsse in solchen Situationen gegebenenfalls auf die Nachbarkommunen zurückgreifen und von dort Unterstützung anfordern.

 Dr. Oliver Vogt ergriff nach dem Vortrag das Wort und er zeigte sich besorgt. »Ich finde es erschreckend, welche Polizeiabdeckung wir hier im ländlichen Raum haben.« Der Schutz, den die Polizei eigentlich garantieren solle, sei nicht mehr gegeben. »So wie es jetzt schon ist und noch werden wird, ist es nicht mehr tragbar«, sagte Vogt.

 Auch Marius Schumacher (CDU) machte sich Sorgen um die Besetzung der Polizei. Mit Blick auf die Polizeiwache Lübbecke, die ebenfalls von Kürzungen betroffen sei, stellte er die Frage, woher denn die Verstärkung bei einem Paralleleinsatz kommen solle.

 Jürgensmeyer erläuterte, dass dies nach den Gegebenheiten der Situation entschieden werden müsse. Es funktioniere aber. Der Hauptkommissar führt zudem aus, dass unter anderem auch die Hundeführer etwas anders strukturiert worden seien, um zu gewährleisten, dass bei Notwendigkeit auch ein Hundeführer immer bereit stünde.

 Die Ausschuss-Mitglieder machten bei ihren Fragen deutlich, dass der Espelkamper Wachleiter lediglich der »Überbringer der schlechten Nachricht« sei. Die Politiker brachten aber auch Vorschläge, um die Situation zu verbessern.

 So wurde unter anderem vorgeschlagen, eine Schreibkraft statt zwei Polizeibeamte für die Anzeigenaufnahme in der Wache abzustellen. Dies sei kostengünstiger. Zudem seien dann nicht zwei Beamte in zwei Schichten für diese Aufgaben gebunden. Jürgensmeyer entgegnete, dass eine Schreibkraft nicht kostengünstiger sei.

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