Das Laientheater der Volkshochschule »Schatulle« spielt die Fabel »Der Hase und der Igel« im Neuen Theater  Grandioser Wettlauf auf der Bühne 

Espelkamp (WB). »Jede Zelle meines Körpers ist glücklich« – das Lied gibt den Gemütszustand wieder, den sowohl die Kinder im Neuen Theater wie auch die Darsteller des VHS-Laientheaters »Schatulle« gestern empfunden haben dürften.

Von Felix Quebbemann
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Harry Hase (Arndt Hoppe, Mitte) reizt Ingo Igel (Uwe Brettholle, links) so lange, bis der den Vorschlag eines Wettrennens macht. Im Hintergrund lauscht Cilly Ziege (Dina Heinze), um es sogleich im Dorf zu verkünden.
Das Unheil nimmt seinen Lauf. Harry Hase (Arndt Hoppe, Mitte) reizt Ingo Igel (Uwe Brettholle, links) so lange, bis der den Vorschlag eines Wettrennens macht. Im Hintergrund lauscht Cilly Ziege (Dina Heinze), um es sogleich im Dorf zu verkünden. Foto: Felix Quebbemann

 Denn die Premieren-Aufführung des Stückes »Der Hase und der Igel« hat für jede Menge gute Laune gesorgt. Die Darsteller der »Schatulle« wussten, die Geschichte um den ungleichen Wettkampf zwischen Hase und Igel mit rasantem Tempo und einem bestens aufgelegten Ensemble auf die Bühne zu bringen.

 Dabei wurde die Handlung rund um das Dorf »Kraut und Rüben« noch etwas aufgepeppt. Bunte Figuren wie Philomena von Pfau oder Sibylle Störchin sorgen für jede Menge Farbtupfer. Mittendrin stand natürlich der Wettlauf zwischen dem arroganten Hasen Harry und dem krummbeinigen Igel Ingo.

 Die beiden geraten aneinander weil Hase Harry, der Großunternehmer im Ort, die Igel-Kinder als krummbeinige Gören, als schmutzig und dumm bezeichnet. Der durchtriebene Harry Hase hat es ganz nebenbei auf das Rübenfeld der Familie Igel abgesehen.

 Er reizt Ingo Igel so sehr, bis der um sein Feld wettet, dass er schneller laufen kann als der Hase. Der Ausgang der Fabel ist bekannt. Der Hase läuft so schnell er kann. Doch mit Köpfchen schafft es der Igel, das Wettrennen zu gewinnen, weil er seine Frau, die ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, am anderen Ende der Strecke postiert.

 Pfiffig und mit viel Schwung wusste Regisseurin Edith Stöver diesen klassischen Stoff auf die Bühne zu bringen. Dabei ist es ihr gelungen, mit vielen kleinen Nebengeschichten, skurrilen Figuren und jeder Menge Charme das Märchen von dem ungleichen Wettkampf auch in der heutigen Zeit noch mit Spannung zu inszenieren.

 Vom ersten Moment an versprühte die Bühne die Atmosphäre eines charmanten Dorfes. Dort das Zuhause der Igel-Familie. Ein paar Meter weiter der herrschaftliche Sitz der Hasen. Beim Bühnenaufbau und der Bühnenmalerei hat die Schatulle-Mannschaft – Uwe Brettholle, Dieter Grube, Paul Mallison, Sebastian Spreen, Uli Thane, Ingrid Stenzel und Friedlind Thane – ganze Arbeit geleistet.

 Zudem konnten sich die Kinder der Grundschulen und Kindergärten aus dem gesamten Kreis Minden-Lübbecke mit dem Stück bestens identifizieren. Waren doch viele Kinder unter der Minischatulle-Regie von Friedlind Thane im Ensemble dabei. Die Darsteller animierten die Jungen und Mädchen im mit mehr als 600 besetzten Plätzen sehr gut besuchten Theater am Donnerstagmorgen zum Mitsingen.

 Die jungen Besucher sangen und klatschten mit, als das Ensemble in der Umbaupause zum großen Finale ein paar Minuten benötigte, um die Bühne für den »Showdown« herzurichten.

 Das Finale hatte dann auch seinen Namen mehr als verdient. Denn zum Wettrennen fanden alle Darsteller auf der Bühne Platz und stellten damit eine tolle Stadion-Kulisse dar. Als der Startschuss fiel gab es auch für die jungen Theater-Besucher kein Halten mehr. Sie schrien und feuerten den Igel und auch den Hasen an. Die »Schatulle« hatte ihr Ziel erreicht. Sie sorgte für beste Unterhaltung zum Mitmachen und Mitfiebern bei den Kindern.

 Und als letztlich nach dem Rennen der Hase erschöpft zusammenbrach, um sich nur Augenblicke später mit dem Igel zu versöhnen riefen die jungen Zuschauer bereits »Zugabe, Zugabe!«. Dabei wäre beinahe noch die moralische Botschaft der Geschichte untergegangen. Denn am Ende sagte der Hase, dass er nie mehr andere beleidigen werde, nur weil sie anders seien. Und der Igel verzichtete auf sein gewonnenes Rübenfeld, weil er nicht ganz fair diesen Wettkampf gewonnen hatte.

 Eineinviertel Stunden Genuss-Theater für Kinder wie für Erwachsene waren vorbei. Furiose Auftritte – zum Beispiel der beiden sich immer streitenden Gänse – die toll dargestellte, arrogant und bisweilen herablassend gespielte Figur des Harry Hase oder die perfekte Familien-Idylle der Igel-Familie zeigten, dass die »Schatulle« wieder ganze Arbeit geleistet hat. Und sie hat keine Mühen gescheut, weder bei den Kostümen noch bei den falschen Hasenzähnen, die extra von einem Zahntechniker angefertigt wurden. Der Aufwand hat sich gelohnt.

 Mehr als 2400 Kinder aus Kindergärten und Grundschulen haben gestern und heute das Stück gesehen. Am Samstag, 6. Dezember, um 15 Uhr hat die Öffentlichkeit Gelegenheit, sich die Fabel vom »Hasen und Igel« im Neuen Theater anzuschauen. Ein Kommen lohnt sich in jedem Fall. Wetten!!!

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