Behindertensportgruppen wie aus Bad Oeynhausen und Herford sollen mehr zahlen Reha-Sportler streiten mit Bali-Therme

Bad Oeynhausen (WB). Der Vorstand des Vereins »Bewegung-Sport-Gesundheit« (BSG) Bad Oeynhausen ist im Streit mit der Geschäftsführung der Bali-Therme. Der Grund ist eine Erhöhung der Nutzergebühr und eine Reduzierung der Übungszeiten für Reha-Sport.

Von Rajkumar Mukherjee
Seit 2014 nehmen Norma und Klaus-Dieter Schulte aus Herford in der Bali Therme am Reha-Sport teil. Sie ärgern sich darüber, dass sich die Eintrittspreise im Reha-Sport erhöhen werden – und sich die Besucherzeiten verkürzen.
Seit 2014 nehmen Norma und Klaus-Dieter Schulte aus Herford in der Bali Therme am Reha-Sport teil. Sie ärgern sich darüber, dass sich die Eintrittspreise im Reha-Sport erhöhen werden – und sich die Besucherzeiten verkürzen. Foto: Rajkumar Mukherjee

Konkret geht es um eine Erhöhung der Nutzergebühr von bisher sechs Euro pro Person auf sieben Euro zum 1. März sowie eine weitere Erhöhung auf acht Euro zum 1. Januar 2019. Diese Gebühren zahlen die Behindertensportgemeinschaften (BSG) zunächst für ihre Mitglieder monatlich an die Bali-Therme, nach einer Abrechnung zahlen dann die Mitglieder ihren Anteil an den Verein.

Zugleich soll die Nutzungsdauer pro Besuch von drei auf zwei Stunden reduziert werden. Wer sich um 15 Minuten verspätet, zahlt derzeit an der Kasse weitere 7,50 Euro. Die Nutzungsdauer bezieht sich auf den gesamten Aufenthalt, ohne Trocken- und Wassertraining (Dauer etwa 45 Minuten).

Vereine müssen auch für Kursleiter voll zahlen

Auch Sondereintritte außerhalb der Trainingszeiten – zu den besonderen Konditionen für Reha-Sportler – sind nicht mehr möglich. Zudem sollen die Vereine für den Eintritt der Kursleiter zahlen.

Aus Sicht von Holger Diekmann, Vorsitzender des Vereins BSG Bad Oeynhausen, liegt das Thema der Nutzungsänderung seit September auf dem Tisch. Damals habe es ein Treffen mit ihm, dem damaligen zweiten BSG-Vorsitzenden, und Cornelius Nolte, Geschäftsführer der Bali-Therme, gegeben. »Zunächst hieß es, dass es eine Erhöhung von sechs auf acht Euro geben sollte – zum 1. Februar. Diese Steigerung von 33 Prozent war ohne Übergangszeit aber nicht hinnehmbar«, sagt Holger Diekmann. Dagegen habe der Verein BSG – statt einer Erhöhung – eine Reduzierung der Übungszeiten sowie die Übernahme der Kursleiter-Gebühr vorgeschlagen. »Am Ende kam dabei heraus, dass die Bali-Therme nicht nur die Gebühren anhebt, sondern auch die Zeiten reduziert und das Geld für die Kursleiter haben will«, sagt Holger Diekmann.

Um seiner Kritik Nachdruck zu verleihen, nennt er die – aus seiner Sicht – große Bedeutung des Reha-Sports für die Bali-Therme: So hätten die BSG-Gruppen aus Bad Oeynhausen, Löhne, Herford und Ennigloh alleine zusammen etwa 350.000 Euro im vergangenen Jahr an die Bali-Therme gezahlt. Davon trage die BSG Bad Oeynhausen 80 Prozent. Insgesamt seien es 2017 etwa 58.000 Besuche zum Reha-Sport gewesen. »Ich denke, damit trägt der Reha-Sport einen bedeutenden Anteil zu den Einnahmen der Bali-Therme bei«, sagt Holger Diekmann.

Preise jahrelang stabil

Silke Wedler vom Marketing der Bali-Therme erklärt dazu auf Anfrage: »Der Reha-Sport ist uns sehr wichtig. Man darf aber nicht vergessen, dass die BSG schon seit der Eröffnung 1970 und nach der Privatisierung 2005 über Jahrzehnte hinweg Kooperationspartner ist. Jahrelang sind die Preise für die BSG stabil gewesen. Und wir haben uns nun zum ersten Mal seit Langem erlaubt, die Preise an unsere Kostenstruktur anzupassen.« Für alle anderen Nutzer seien die Preise dagegen immer wieder angepasst worden, zuletzt zum 1. Dezember.

Von der Änderung im Reha-Bereich sind beispielsweise Norma und Klaus-Dieter Schulte (71 und 69) von der Gesundheits- und Behinderten-Sportgemeinschaft (GBSG) Herford betroffen. Das Ehepaar trainiert mit Unterbrechung seit 2014 in der Bali-Therme. »Die Wassergymnastik hat uns der Arzt verschrieben, und sie tut uns gut«, sagt Norma Schulte.

Aufgrund einer anderen Abrechnung mit der GBSG, wie Holger Diekmann erklärt, ergibt sich für das Ehepaar folgende Änderung: Bisher zahlten Norma und Klaus-Dieter Schulte jeweils 3,25 Euro für drei Stunden Aufenthalt, ab 1. Juli sind es 5,50 Euro für zwei Stunden. »Gegen eine Preissteigerung sind wir grundsätzlich nicht. Dass aber auch noch die Zeit um eine Stunde verkürzt wird, ärgert mich sehr. Unter dem Strich macht das für uns eine Kostensteigerung um etwa 250 Prozent«, sagt Klaus-Dieter Schulte.

Bezüglich der Zeitreduzierung sei aus Sicht von Norma Schulte eines zu bedenken: »Wir haben viele Teilnehmer, die älter sind als wir. Ein Herr ist beispielsweise 86 Jahre alt. Wir und sie können beim Umziehen nicht so hetzen.«

Mitglieder diskutieren über Gebührenanhebung

Um das Thema der Kostensteigerung geht es in einer Versammlung des Vereins »Bewegung-Sport-Gesundheit« (BSG) Bad Oeynhausen heute Abend, teilt Vorsitzender Holger Diekmann mit. Von 18 Uhr an sind Mitglieder in die Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica, Portastraße 8 bis 14, eingeladen. Auch die Vorstände aus Löhne und Herford nehmen an dem Treffen teil.

Sieben Behindertensportgemeinschaften nutzen die Bali-Therme: aus Bad Oeynhausen, Löhne, Herford, Ennigloh, Rahden, Lübbecke und Levern, erklärt die Therme.

Kommentar

Seit vielen Jahren kooperieren die Behindertensportgemeinschaften, darunter der Verein »Bewegung-Sport-Gesundheit« (BSG) Bad Oeynhausen, mit der Bali-Therme – wie sie es mit der vorherigen Einrichtung gemacht haben. Damals wie heute gilt: Mit dem besonderen, die Gesundheit unterstützenden Heilwasser aus der Tiefe, sollen Übungen im warmem Nass besser gelingen.

Dass die Bali-Therme darüber nachdenkt, die Preise zu erhöhen, ist nicht verwerflich. Schließlich agiert hier ein Unternehmen, das gewinnorientiert denken muss. Das bestreitet auch der Vorsitzende des Vereins BSG nicht. Dass der Verein auf einen gewichtigen Anteil seinerseits bei den Einnahmen der Bali-Therme verweist, ist ebenso nicht verwerflich.

Was nachdenklich stimmt ist die Art und Weise, wie beide Seiten über das Thema diskutieren. Wer hat was wann wo und wie gesagt – und möchte die jeweils andere Seite das missverstehen? Hilft es den vielen, oftmals älteren Reha-Sportlern, die von der Wirkung des Solewassers profitieren wollen? Ein Kompromiss sollte immer das Ziel sein.                                                                                                                      Rajkumar Mukherjee

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