Mann aus Espelkamp mit neunstündiger Operation gerettet Ärzte nähen sich Transplantat

Bad Oeynhausen (WB/ca). Der Eingriff dauerte neun Stunden: Mit einer äußert seltenen Operation haben Gefäßchirurgen des Krankenhauses Bad Oeynhausen einem Patienten das Leben gerettet.

Hermann Josef Knobl, Leiter der Gewebebank, (von links) Gefäß­chirurg Dr. Stefan Heisel, Patient Volker Löhr und Ernest Danch, Leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie.
Hermann Josef Knobl, Leiter der Gewebebank, (von links) Gefäß­chirurg Dr. Stefan Heisel, Patient Volker Löhr und Ernest Danch, Leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie. Foto: Kühn

Volker Löhr (61) aus Espelkamp wurde kurz nach Weihnachten in die Notaufnahme des Krankenhauses Lübbecke-Rahden gebracht. Vor zehn Jahren hatten ihm Ärzte nach einem lebensgefährlichen Verschluss der Beckenschlagader eine Kunststoffprothese eingesetzt, und die hatte nun eine schwere Entzündung ausgelöst – Lebensgefahr.

Der Patient wurde in die Klinik für Gefäßchirurgie nach Bad Oeynhausen verlegt. Die Y-förmige Prothese, die von der Bauchschlagader auf die beiden Beinschlagadern verzweigte, musste sofort ersetzt werden. Aber womit? Oberarzt und Gefäßchirurg Dr. Stefan Heisel: »Eine Kunststoffprothese kam nicht in Frage, denn dann wäre das Risiko sehr hoch gewesen, dass auch sie von Bakterien besiedelt wird.« Ein menschliches Transplantat war aber nicht verfügbar. Und die Chance, innerhalb kürzester Zeit einen menschlichen Ersatz-Bypass in der individuellen Größe zu finden, ging gegen Null.

Gewebebank mit Haut, Adern und Hornhaut

Volker Löhr: »Als ich das hörte, habe ich mit dem Leben abgeschlossen. Aber dann hatten die Ärzte eine Idee.« Oberarzt Dr. Stefan Heisel plante, das Transplantat selbst herzustellen.

Ihm kam entgegen, dass es im benachbarten NRW-Herz- und Diabeteszentrum eine Gewebebank gibt. Die Bereitschaft zu einer Gewebespende kann auf einem Organspendeausweis dokumentiert werden. Im Gegensatz zu klassischen Organen ist menschliches Gewebe wie Haut, Adern und Hornhaut nahezu unbegrenzt haltbar. Es wird aufbereitet, keimfrei gemacht und bei minus 180 Grad gelagert.

Während Dr. Heinrich Walter, der Direktor der Gefäßchirurgie, mit seinem Team den komplexen Eingriff an Volker Löhr begannen, nähten Stefan Heisel und Oberarzt Mohssen Amiri auf einem zweiten OP-Tisch das 30 Zentimeter lange Y-Stück aus sechs Gewebestücken zusammen. Die Stücke, Brustaorta, Hals- und Schlüsselbeinarterie sowie Oberschenkelarterie von zwei Verstorbenen, waren erst kürzlich in der Gewebebank eingelagert worden.

»Sehr dankbar dafür«

Das selbstgenähte Y-Stück wurde Volker Löhr eingesetzt. »Wir sind mit der Operation sehr zufrieden«, sagt Dr. Heinrich Walter. »Der Patient hat sich gut erholt, und seine Entzündungswerte sind erheblich gesunken.« Dr. Heisel: »Mit dem Implantat aus menschlichem Gewebe besteht künftig ein viel geringeres Infektionsrisiko.«

Volker Löhr: »Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, Teile anderer Menschen in sich zu haben. Aber ich bin natürlich sehr dankbar dafür.«

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