Computerkursus soll Startchancen verbessern – Weitere Laptops fehlen Flüchtlinge unterrichten Flüchtlinge

Bad Oeynhausen (WB). Nicht nur die deutsche Sprache ist für eine Ausbildung oder einen Beruf wichtig, sondern auch der Umgang mit Computern. Ein Kursus für Flüchtlinge soll helfen. Doch es mangelt an Unterrichtsmaterial.

Von Jenny Karpe
Sabine Wiederrich (von links), Mazhar Alkanash und Dorothee Flötotto-Schräder haben den kostenlosen Kursus ins Leben gerufen. Sie haben schon weitere Ideen für die Zukunft. Auch die Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten soll dabei eine Rolle spielen.
Sabine Wiederrich (von links), Mazhar Alkanash und Dorothee Flötotto-Schräder haben den kostenlosen Kursus ins Leben gerufen. Sie haben schon weitere Ideen für die Zukunft. Auch die Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten soll dabei eine Rolle spielen. Foto: Jenny Karpe

»Hidden Talents – Unbekannte Talente« heißt das Projekt, das von vier Ehrenamtlichen ins Leben gerufen wurde und derzeit in der Testphase ist. Der syrische IT-Fachmann Mazhar Alkanash, seine Patin Sabine Wiederrich, der Eritreer Isayas Yacob und seine Patin Dorothee Flötotto-Schräder hatten die Idee zu dem Computerkursus, der sich an Anfänger richtet. Sieben Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien lernen derzeit die Grundlagen des Betriebssystems Windows und sollen dieses Wissen später nutzen, um ins Berufsleben einzusteigen.

Seit 38 Jahren macht sie sich für Ausländer stark

»Oft werden Flüchtlinge in einem negativen Kontext gesehen, dem wollen wir mit allen Kräften entgegenwirken«, sagte Dorothee Flötotto-Schräder. Seit 38 Jahren macht sie sich für Ausländer stark und ist als Patin beim Diakonischen Werk in Bad Oeynhausen gelistet. »Nichts baut Vorurteile leichter ab, als die Leute kennenzulernen.« Gerade das verborgene Potenzial sei oft unterschätzt und müsse gefördert werden. Darum auch die Bezeichnung »Hidden Talents« für das Projekt.

»Zu den › unbekannten Talenten‹ soll auch Handwerkliches gehören«, sagte Flötotto-Schräder, eine pensionierte Deutschlehrerin der Realschule Nord. »Wir wollen, dass sich die Flüchtlinge gegenseitig unterstützen und unterrichten, so dass alle, die etwas beherrschen, ihre Kenntnisse mit anderen teilen können.« Nach dem Umgang mit Computern könnte es in Zukunft also noch mehr gemeinsame Projekte geben.

Ausbildung zum Altenpfleger begonnen

Das wünscht sich auch ein 28-jähriger Mann aus Eritrea, der seit vier Jahren in Deutschland lebt. Er hat gerade seinen Deutschkursus an der Volkshochschule (VHS) beendet und eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen. »Ich würde mich freuen, wenn wir als Gemeinschaft nicht nur den Umgang mit Computern lernen, sondern uns auch danach austauschen«, sagte er. Im Kursus mit Mazhar Alkanash lernt er, wie er eine Tastatur benutzt, sich im Internet richtig verhält und Dateisysteme anlegt. Spezielle Programme stehen nicht auf dem Stundenplan, aber auch das schließt Alkanash in Zukunft nicht aus. Der 42-Jährige war in Damaskus ein IT-Manager, der dort schon Kurse gegeben hat. Derzeit ist er arbeitssuchend. »Ich würde gerne wieder in der Hardware-Entwicklung arbeiten, aber obwohl ich gut Deutsch und Englisch spreche, bekomme ich weder eine Anstellung noch ein Praktikum«, sagte er. Den Computerkursus gibt er kostenlos.

Sieben Flüchtlinge teilen sich zwei Laptops

»Viele Teilnehmer sind darauf angewiesen, weil ihnen Kurse an der VHS zu teuer sind. Die meisten unterstützen ihre Familien in der Heimat finanziell.« Die zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden werden oft länger als geplant, denn Mazhar Alkanash will keine Frage offen lassen. »Das Problem ist, dass wir zu wenige Laptops haben, damit wir im Unterricht und im Anschluss daran das Gelernte üben können«, sagte er. Sponsoren, die funktionstüchtige und internetfähige Laptops spenden, werden dringend gesucht. Momentan teilen sich die sieben Flüchtlinge zwei Windows-Laptops.

»In Kirchlengern startete parallel zu uns ein ähnlicher Kurs mit Flüchtlingen. Dort hat eine Bankfiliale ausrangierte Laptops gespendet«, sagte Flötotto-Schrader. »Wenn ein Unternehmen also derzeit neue Geräte anschafft: Wir würden uns sehr über die alten freuen.« Interessierte Sponsoren können sich bei ihr melden unter der Adresse floetotto.schraeder@googlemail.com.

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