Neuer Direktor Dr. Tom van de Loo schildert Ideen für Bad Oeynhausener Gymnasium Im Geiste Immanuel Kants

Bad Oeynhausen (WB). Für die nächsten Wochen und Monate hat sich Dr. Tom van de Loo (51) einiges vorgenommen. Seine Ideen und Pläne schildert der neue Direktor des Immanuel-Kant-Gymnasiums im Gespräch mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

Laut Schulleiter Dr. Tom van de Loo hat der Namensgeber des Immanuel-Kant-Gymnasiums viele interessante Facetten. Während der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen sollen diese genauer in den Blick genommen werden.
Laut Schulleiter Dr. Tom van de Loo hat der Namensgeber des Immanuel-Kant-Gymnasiums viele interessante Facetten. Während der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen sollen diese genauer in den Blick genommen werden. Foto: Malte Samtenschnieder

Wie haben Sie die erste Woche als Direktor des Immanuel-Kant-Gymnasiums erlebt?

Tom van de Loo: Die ersten Tage haben mir viel Spaß gemacht. Ich habe in dieser Zeit schon einige Unterschiede zu meiner vorherigen Tätigkeit als stellvertretender Schulleiter festgestellt. So bin ich jetzt mit noch mehr Gesprächswünschen zu ganz unterschiedlichen Themen konfrontiert. Das ist sehr spannend. Mein Vorgänger Klaus Keßler hatte sicherlich recht, als er mir mit auf den Weg gegeben hat, dass gerade diese Vielfalt an unterschiedlichen Gesprächsthemen die Tätigkeit als Schulleiter reizvoll macht.

Welche Themen haben Sie sich für die Anfangsphase – sagen wir für die ersten 100 Tage als Direktor – vorgenommen?

Van de Loo: Ich möchte zuerst einmal vernünftig in meinem Amt ankommen. Dazu gehört es, verschiedene Bereiche kennenzulernen, mit denen ich in der Vergangenheit nicht so viel zu tun hatte. Als nächstes werde ich mir dann Strategien zu verschiedenen wichtigen Themen überlegen.

Ihr Vorgänger Klaus Keßler hat das Immanuel-Kant-Gymnasium zehneinhalb Jahre geleitet. Wo sehen Sie Ihre Schule im Jahr 2028?

Van de Loo: Ich sehe das Immanuel-Kant-Gymnasium als ein voll ausgebautes G9-Gymnasium vor mir. Als ein Gymnasium, das in der Lage ist, die Bildungsbedürfnisse, die sich aus dem gesellschaftlichen Leben ergeben, zu erfüllen. Dabei spielen Bildungsgerechtigkeit und auch Chancengleichheit eine zentrale Rolle.

Sie gehen also davon aus, dass das Immanuel-Kant-Gymnasium keinen Sonderweg geht und am Abitur nach acht Jahren festhält?

Van de Loo: Nach Diskussionen mit Eltern, Lehrern und der Schülerschaft erkenne ich als einhellige Position, dass der Wechsel zu G9 begrüßt wird. Endgültig muss die Schulkonferenz darüber im ersten Halbjahr des nächsten Schuljahres einmalig entscheiden. Spätestens bis zum 31. Januar 2019 muss es einen Beschluss geben. Wir können aber praktisch sicher davon ausgehen, dass das Immanuel-Kant-Gymnasium wieder ein neunjähriges Gymnasium wird.

In den vergangenen Jahren hat das Thema »Inklusion« am Immanuel-Kant-Gymnasium eine wichtige Rolle gespielt. Haben Sie es weiterhin auf Ihrer Agenda weit oben?

Van de Loo: Das Thema »Inklusion« wird aktuell in den Jahrgangsstufen fünf und sechs mit großem Engagement angepackt. In diesem Zusammenhang wurde eine volle Stelle für eine Sonderpädagogin geschaffen. Zudem hat sich eine große Anzahl an Kollegen zum Thema »Inklusion« fitmachen lassen. Räumlich sind wir für die bisherige Arbeit in diesem Bereich gut aufgestellt. So hat der Schulträger vor zwei Jahren durch das Umwandeln eines normalen Klassenraums in zwei Differenzierungsräume die nötigen Voraussetzungen getroffen. Ob es im nächsten Schuljahr wieder eine Inklusionsklasse im fünften Jahrgang geben wird, kann ich noch nicht sagen. Die Anmeldewoche steht noch aus. Der Bedarf lässt sich somit noch nicht abschätzen.

Wie ist der Status quo zum Thema »Integration«?

Van de Loo: Wir haben derzeit eine altersgemischte Lerngruppe mit 15 Flüchtlingen beziehungsweise Migranten am Immanuel-Kant-Gymnasium, bei denen es darum geht, die sprachliche Anschlussfähigkeit herzustellen. Die Schüler lernen zwölf Stunden pro Woche Deutsch. In der restlichen Zeit verfolgen sie den Regelunterricht der Klassen, denen sie zugeordnet sind. Wie lange dieses Modell Bestand hat, weiß ich derzeit nicht. Ein von der neuen Landesregierung zu diesem Thema angekündigter Erlass steht noch aus.

Und wie ist es um die Digitalisierung am Immanuel-Kant-Gymnasium bestellt?

Van de Loo: Um dieses Thema habe ich mich selbst in den vergangenen viereinhalb Jahren als stellvertretender Schulleiter intensiv gekümmert. Ich denke, wir sind insgesamt gut aufgestellt. So gibt es in jeder Klasse mindestens einen PC nebst Beamer. Weitere Computer stehen in der Informatik, in den Naturwissenschaften und in der Fremdsprachenwerkstatt zur Verfügung. Zusätzliche Computer für die Fächer Kunst und Musik kommen bald hinzu.

Haben die Schüler auch die Möglichkeit, mit Ihren eigenen Smartphones ein schuleigenes WLAN zu nutzen?

Van de Loo: Ein schulweites WLAN gibt es derzeit noch nicht. Und selbst wenn es eines Tages vorhanden sein sollte, müssen wir zunächst abwägen, welche Chancen und Risiken es hätte, wenn die Schüler mit ihren eigenen Geräten das Schulnetz nutzen. Unabhängig davon würde ich mir das Anschaffen weiterer White Boards oder Touchscreens wünschen, um so zusätzliche Präsentationsmöglichkeiten für digitale Unterrichtsinhalte zu bekommen.

Wie ist es um das Raumangebot am Immanuel-Kant-Gymnasium bestellt?

Van de Loo: Ich denke, dass jedem klar ist, dass wir uns räumlich neu aufstellen müssen. Dabei müssen wir neben unseren eigenen Bedürfnissen auch die Wünsche der Realschule Süd in den Blick nehmen. Viele Räume im ältesten Bauabschnitt von 1953/1954 sind heute zu klein. Außer Klassenräumen fehlen auch Funktionsräume. Und wir sollten uns sicherlich auch noch einmal über das Thema »Mensa« unterhalten.

Gibt es weitere Themen die Sie mittelfristig am Immanuel-Kant-Gymnasium umsetzen wollen?

Van de Loo: Sehr wichtig ist mir das Thema »Sprachsensibilität«. Ich denke, dass wir künftig noch mehr darauf achten müssen, Kindern und Jugendlichen eine solide Sprachkompetenz mitzugeben. Sie ist aus meiner Sicht der Schlüssel für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Und derzeit können wir noch nicht abschätzen, wie sich der frühe Griff zum Smartphone auf die Sozialisation – und hier insbesondere auf die Sprachkompetenz – der Heranwachsenden auswirkt.

Sie feiern in diesem Jahr das 125-jährige Jubiläum des Immanuel-Kant-Gymnasiums. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Van de Loo: Der erste Korrekturabzug für die Festschrift liegt inzwischen vor. Wenn die noch erforderlichen Änderungen abgeschlossen sind, kann die Festschrift Ende Februar gedruckt werden und liegt pünktlich zu unserem Festakt am 21. März vor.

Was haben Sie für den Festakt geplant?

Van de Loo: Wir wollen Immanuel Kant, den Namensgeber unserer Schule, genauer in den Blick nehmen. Die Theatergruppe wird zu diesem Zweck eine Komödie von Thomas Bernard aufführen. Als Festredner konnte ich Axel Schmidt gewinnen. Er wird Kants Werk im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Philosophie einordnen. Außerdem werden natürlich verschiedene Musikgruppen unserer Schule an der Veranstaltung mitwirken.

Welche Beziehung haben Sie selbst zu Immanuel Kant?

Van de Loo: Ich habe mich schon in meinem Studium mit Kant beschäftigt. Aus meiner Sicht hat er viele interessante Facetten. Als Schulleiter teile ich seine These, dass jeder die Verantwortung für sein eigenes Leben trägt und dass er in die Lage versetzt werden muss, sein Leben selbstbestimmt führen zu können. Auch soziale Verantwortung und die Grundhaltung, anderen Menschen mit Respekt und Achtung zu begegnen, war Kant wichtig. Ich denke, er ist ein hervorragender Namensgeber für unserer Schule.

Ihr Vorgänger Klaus Keßler hat in unterschiedlichen Zusammenhängen angedeutet, er habe sie zur Schulleitung »überreden« müssen. Können Sie das erklären?

Van de Loo: Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich für die Schulleitertätigkeit zu begeistern. Ich unterrichte nämlich unglaublich gerne und hänge an meinen beiden Fächern. So unterrichte ich derzeit meinen zehnten Leistungskurs Latein. Ich hoffe, dass ich diese Tradition fortsetzen kann. Gleichzeitig habe ich aber erkannt, dass jetzt für mich in meiner Biografie der richtige Zeitpunkt ist, etwas Neues zu wagen.

Sie können sich drei Dinge für das Immanuel-Kant-Gymnasium wünschen. Worauf fällt Ihre Wahl?

Van de Loo: Ich wünsche mir eine solide personelle Ausstattung, die es ermöglicht, dass bei Erkrankungen von Kollegen keine Schulstunden ausfallen. Ich wünsche mir ein Gebäude, das modernen Gesichtspunkten des Schulbaus entspricht. Ich wünsche mir eine finanzielle Ausstattung, die es uns ermöglicht, die erforderlichen investiven Entscheidungen auch umzusetzen. Und ich habe noch einen vierten Wunsch: Dass es uns gelingt, unseren Auftrag den Schülern und ihren Eltern gegenüber bestmöglich umzusetzen.

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