Bal Krishna Orgyan neu am HDZ NRW – Aufbau einer Klinik in Nepal ist sein Ziel Ein Herz für die Heimat

Bad Oeynhausen (WB). Als seine Oma Kushmi Devi 2008 an den Folgen einer Lungenentzündung starb, war für Bal Krishna Orgyan klar, dass er Arzt werden will. »Ein einfaches Antibiotikum hätte sie gerettet. Ich wusste, dass ich etwas für mein Land tun muss«, sagt der Nepalese, der sich am Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) zum Herzchirurgen ausbilden lässt. Orgyan arbeitet zudem an einem großen Vorhaben.

Von Philipp Bülter
Ehrgeizig, emsig, einfallsreich: Der angehende Herzchirurg Bal Krishna Orgyan nutzt jede freie Minute zur Weiterbildung.    
Ehrgeizig, emsig, einfallsreich: Der angehende Herzchirurg Bal Krishna Orgyan nutzt jede freie Minute zur Weiterbildung.     Foto: Philipp Bülter

Der 29-Jährige will in Nepal ein Herzzentrum aufbauen. Ein erster Entwurf eines Architekturbüros und eine Kostenschätzung (15,5 Millionen Euro) existieren bereits. Die Klinik wäre das erst zweite Spezialkrankenhaus dieser Art – und das in einem Land mit etwa 30 Millionen Einwohnern. Ein Grundstück mit einem Hektar Fläche stehe ebenso wie erste Investoren schon bereit, sagt Bal Krishna Orgyan. Er suche derzeit nach weiteren Unterstützern für sein Herzensprojekt: »2019 soll der Bau des Zentrums beginnen. Wir wollen so vielen Menschen wie möglich helfen und auch Mediziner vor Ort besser ausbilden.«

Vor neun Jahren kam er mit Anfang 20 nach Deutschland, um zunächst an einem Studienkolleg in Halle (Saale) seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Anschließend nahm Orgyan ebendort ein Medizinstudium auf, das er im November erfolgreich abschloss. »Ich habe in Halle viele Freunde gefunden und eine wirklich tolle Zeit gehabt«, sagt der Nepalese.

Aus der Armut herausgearbeitet

In Bad Oeynhausen hat Bal Krishna Orgyan nun zum 1. Februar am HDZ seine Facharzt-Ausbildung zum Herzchirurgen begonnen und eine Wohnung in der Innenstadt bezogen. Er gehört künftig dem Team des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Jan Gummert an. Seine ersten Eindrücke von der Stadt und den Kollegen seien positiv, sagt Orgyan: »Die Menschen in Bad Oeynhausen sind sehr nett. Die Stadt hat wirklich schöne Ecken, die ich auch schon meiner Familie gezeigt habe.«

Apropos Familie: Orgyans Vater Shyamu, Mutter Pramila und Schwester Jyoti haben ihn zuletzt eineinhalb Monate lang in Deutschland besucht. Gemeinsam ging es nach Köln, Hamburg und Berlin. »Wir sind sehr stolz darauf, was unser Sohn alles erreicht hat, auch für unser Dorf«, sagt Shyamu Orgyan. Bei mehr als 8000 Kilometern Entfernung vermisse sie ihren Sohn, gibt Mutter Pramila zu. »Er ist schließlich mein einziger Sohn. Bal Krishna hat immer alles geschafft, was er sich vorgenommen hat, das freut mich.«

In den ersten Jahren in Deutschland sei es für ihn indes nicht einfach gewesen, sagt Bal Krishna Orgyan. Er habe damals »fast jeden Job« angenommen, um sich sein Medizinstudium zu finanzieren: »Ich habe unter anderem Teller gespült und Straßen gefegt.«

So nutzt der Nachwuchsarzt seine Freizeit

Später erleichterte ihm ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung den Alltag. Er sei dankbar über die Chance in Deutschland. »Ich komme aus einer sehr armen Familie, die sich einen Studienplatz in Nepal nicht hätte leisten können. Nun bin ich der Einzige aus unserem Dorf, der Akademiker geworden ist«, sagt Orgyan.

Disziplin, Fleiß, Wissbegierde: In seiner Freizeit nutze er jede freie Minute, um sich in der Herzchirurgie weiterzubilden, betont der 29-Jährige. Orgyan besucht Kongresse, absolviert Praktika in Herzzentren und ließ sich zuletzt im Rahmen seines Praktischen Jahres in Neuseeland, Kanada, den USA oder in Australien – hier am renommierten St Vincent’s Hospital in Sydney – weiterbilden. Er habe bereits bei mehr als 100 Operationen assistiert. Orgyan ist zudem engagiert in der Erdbebenhilfe für Nepal, das erst 2015 zuletzt von dieser Naturkatastrophe erschüttert wurde. Ebenso unterstützt er gemeinsam mit Mitstreitern des gemeinnützigen Vereins »Raising Nepal«, dem er vorsitzt, den Kampf gegen Hochwasser und hilft derzeit etwa 500 Kindern in seiner Heimat.

Das Familienleben leidet

Bei so viel Engagement bleibt für Hobbies kaum Zeit. »Mein Beruf ist mein Hobby«, sagt Orgyan. Dass er seine Familie aufgrund der hohen Reisekosten nur etwa alle vier Jahre sieht, bedauert der Mediziner. Nach dem Ende seiner Ausbildung, voraussichtlich 2025, will er nach Nepal zurückkehren und das von ihm initiierte Herzzentrum leiten. »Ich mache mein Ding weiter, auch für meine Familie und meine verstorbene Oma«, sagt Bal Krishna Orgyan.

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