Kunststoffreste sind Problem in Weser und Werre – AG Natur plant Grundsanierung Jeder kann einen Beitrag leisten

Bad Oeynhausen (WB). Wolfgang Heper will nicht den Zeigefinger heben, wenn er über die Plastik- und Müllreste an den Ufern von Weser und Werre spricht. Der Kassierer der Arbeitsgemeinschaft (AG) Natur möchte die Bevölkerung zum Umdenken anregen.

Von Angelina Zander
Eine Insel, die aus Abfall besteht: Am Weserufer in Babbenhausen ist eine Schwerpunktstelle für die Ansammlung von Abfällen aller Art. Wolfgang Heper von der Arbeitsgruppe Natur plant mit anderen Mitgliedern erneut eine Aufräumaktion.
Eine Insel, die aus Abfall besteht: Am Weserufer in Babbenhausen ist eine Schwerpunktstelle für die Ansammlung von Abfällen aller Art. Wolfgang Heper von der Arbeitsgruppe Natur plant mit anderen Mitgliedern erneut eine Aufräumaktion. Foto: Angelina Zander

Gelbe Säcke, Holzlatten und Autoreifen

Ohne Geld gehe es nicht, ist sich Wolfgang Heper sicher. Denn Pfandflaschen finden er und seine Kollegen der AG Natur nur selten an den Ufern von Bächen und Flüssen. Stattdessen wimmelt es am Weserufer in Babbenhausen, in der Nähe von Gut Deesberg, von Plastikflaschen, Gelben Säcken, Holzlatten und Autoreifen. Dort habe sich bereits eine ganze Insel des Mülls gebildet. An der Oberfläche zeichnet sich nicht das ganze Ausmaß der Problematik ab, wie Heper weiß: »Darunter liegt noch viel mehr Müll.«

»Rettung der Weltmeere fängt in den Bächen und Flüssen an.«

Die AG Natur will einerseits auf das Problem aufmerksam machen. Andererseits sind es die Mitglieder, die sich dieses Pro­blems annehmen. »Die Rettung der Weltmeere fängt in den Bächen und Flüssen an«, betont Heper. Denn jede Plastikflasche, die an den Ufern Bad Oeynhausens in ein Fließgewässer geworfen werde, erreiche irgendwann die Nordsee oder die Weltmeere.

»Es wird natürlich nie eine ganze Flasche dort ankommen. Durch UV-Einstrahlung und Abnutzung zersetzt sie sich in kleinste Plastikpartikel.« Und die seien das Problem. Durchschnittlich drei von fünf Vögeln, die im Meer verenden und gefunden werden, seien durch Kunststoffreste gestorben, erklärt Wolfgang Heper, der sich auch im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) engagiert.

»Verantwortung wird gerne weitergegeben.«

Doch an Einsicht fehle es seiner Meinung nach bei den Menschen. Der Müll am Wegesrand, im Wald und an Ufergebieten werde hingenommen. »Die Verantwortung wird gerne weitergegeben.«

Die AG Natur will dagegen ein Zeichen setzen. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu einer Grundsanierung der Ufergebiete. Betroffen seien die Außenbereiche der jeweiligen Gewässer, an denen die Strömung am geringsten ist. Sichtbar werde das Ausmaß der Verschmutzung immer nach einem Hochwasser, wenn sich das Wasser zurückziehe. Doch auch während des Jahres ist Wolfgang Heper aufmerksam: »Wenn ich Müll sehe, nehme ich ihn mit und bringe ihn zum nächsten Mülleimer.« So verhielten sich nach seiner Einschätzung jedoch nur die Wenigsten.

Grundreinigung geplant

Wann die Grundsanierung beginnen kann, sei noch unklar. Momentan seien die Uferbereiche zu weich. »Wir müssen warten, bis die Weser wieder in ihrem normalen Bett liegt.« Doch auch, wenn die AG Natur einmal im Jahr zur Grundreinigung aufruft, reiche das noch lange nicht, wie er berichtet. »In einem Vierteljahr sieht es wieder so aus.« An der Rechtskurve der Weser an Gut Deesberg würden die Mitglieder voraussichtlich fünf bis sechs Gelbe Säcke Plastikmüll finden. Und noch einmal die gleiche Zahl gefüllter Säcke mit leeren Flaschen. Doch als Müll will er seine Funde dort nicht beschreiben. Denn sowohl Glasflaschen als auch Plastikmüll könnten recycelt werden. Den Anfang gegen die Verschmutzung mit Plastikmüll habe der Handel gemacht. »Für das gute Gewissen nehmen viele Leute nun den Jutebeutel.« Bei Flaschen und Plastikresten sei dieses Umdenken noch nicht eingetreten.

Kommentar

Bis 2030 soll es in Europa nur noch wiederverwertbaren Plastikmüll geben – das ist der Plan der EU-Kommission. Deren Vizepräsident Jyrki Katainen sagte: »Die Verbraucher werden sich in Zukunft bewusst im Sinne der Umwelt entscheiden.« Doch wo ist diese Einsicht? Bei dem Einzelnen ist sie wohl noch nicht angekommen. Angesichts des Abfalls an den Fließgewässern formuliert es Wolfgang Heper von der AG Natur doch deutlich treffender: »Die Spitze des Kunststoffzeitalters ist noch nicht erreicht.«

Dass die EU-Kommission das richtige Zeichen setzt, ist sicher. Trotzdem muss sich die Gesellschaft von ihrer ignoranten Einstellung trennen. Das Problem entsteht im Kleinen. Eine Plastikflasche, die in den Bach geworfen wird, kann für einen Vogel an der Nordsee tödlich enden. Und letztlich kommt der Müll immer wieder zu uns zurück – zum Beispiel über die Fische, die wir essen. Kunststoffmüll kann Leben kosten. Diesen Satz sollten sich Abfallverursacher stets ins Gedächtnis rufen.

Angelina Zander

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.