Thomas Lüer (56) blickt auf seine neue Aufgabe als Technischer Beigeordneter »Ist die Stadt gepflegt, fühlt der Gast sich wohl«

Bad Oeynhausen (WB). Der 2. Januar war sein erster Arbeitstag: Thomas Lüer (56) steht als einer der drei im September gewählten neuen Beigeordneten für den Umbau der Stadtverwaltung. Im Interview äußert er sich zur neuen Aufgabe als Technischer Beigeordneter. Die Fragen stellte Claus Brand.

Thomas Lüer (56), seit Jahresbeginn neuer Technischer Beigeordneter, steht vor dem Rathaus II am Schwarzen Weg. Von seiner kleinen Wohnung in einer Siedlung nahe der Flutmulde sind es bis zum Büro nur ein paar Gehminuten. Er verzichtet so oft wie möglich auf das Auto und ist liebend gerne mit dem Rad unterwegs.
Thomas Lüer (56), seit Jahresbeginn neuer Technischer Beigeordneter, steht vor dem Rathaus II am Schwarzen Weg. Von seiner kleinen Wohnung in einer Siedlung nahe der Flutmulde sind es bis zum Büro nur ein paar Gehminuten. Er verzichtet so oft wie möglich auf das Auto und ist liebend gerne mit dem Rad unterwegs. Foto: Claus Brand

Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf der Mindener Straße im Stau stehen?

Thomas Lüer : Wenn ich als Fußgänger an der Ampel in Höhe der Mindener Straße stehe und einige Minuten auf die Grünphase warten muss, erzeugt das hohe Verkehrsaufkommen mit den Immissionsbelastungen und der endlosen Reihe von Lastwagen bei mir das Empfinden, schnell diesen lärmenden Bannkreis verlassen zu wollen. Die B 61 ist die Zäsur in Bad Oeynhausen. Als Autofahrer wünscht man sich eine Alternative, die leider noch nicht da ist.

Die Nordumgehung soll Ende 2018 freigegeben werden. Ist der Termin realistisch?

Lüer : Da diese Frage aktuell nicht einmal Straßen NRW beantwort, ist es Aufgabe der Stadt, bestehende Initiativen zu verstärken und für den Zeitpunkt der Freigabe konkrete Vorstellungen für einen Rückbau der Mindener Straße, die Finanzierung und die zukünftige Trägerschaft der Straße zu haben. Wenn man die benötigen Kapazitäten für noch ausstehende Arbeiten bündelt, kann ich mir vorstellen, dass eine Freigabe der A 30 Ende 2018 möglich ist. Restarbeiten könnten auch nach einer Freigabe erfolgen. Auf anderen Autobahnen gibt es auch fortlaufend Baustellen mit einspuriger Verkehrsführung. Es müsste auch im Interesse der ausführenden Unternehmen sein, Kapazitäten zu bündeln und die Baustelle zügig abzuschließen. Das hat für sie auch wirtschaftliche Vorteile. Die Freigabe wäre für die Stadt ein schönes Weihnachtsgeschenk.

Wie hält man Schwerlastverkehr davon ab, nach der Freigabe die Ortsdurchfahrt als Abkürzung zu benutzen?

Lüer : Die Möglichkeiten dafür liegen bei den Verkehrsbehörden. Sie haben die Mittel, Spielräume landesrechtlicher Vorschriften zu nutzen. Bei anstehenden Gesprächen zur Umgestaltung der B 61 mit Straßen NRW wird ein Durchfahrverbot für Schwerlastverkehr Thema sein. Der Rückbau muss so ausfallen, dass es unattraktiv wird, die Ortsdurchfahrt als Abkürzung zu sehen. Es muss sich herumsprechen, dass es auch ohne Stau über die Ortsdurchfahrt länger dauert, als auf der Nordumgehung zu bleiben. Mit Ampelphasen kann man vieles steuern, aber auch mit Verkehrsregelungen im Bereich der Kreuzungen, zum Bespiel das Fußgänger mit weniger Wartezeit die Straße queren können. Für Fahrzeuge ab dreieinhalb Tonnen sollte ein Durchfahrtverbot gelten. Die Straße sollte nur noch dem innerstädtischen Verkehr dienen.

Wie sehen Sie die Finanzierung des Rückbaus?

Lüer : Das Bundesfernstraßengesetz sieht vor, abzustufende Bundesstraßen in einem ordnungsgemäß unterhaltenen Zustand zu übergeben. Antworten müssen das Ministerium für Verkehr und das der Finanzen des Landes geben. Mir ist keine Summe zum Rückbau bekannt. Die Stadt kann ihn alleine nicht stemmen, vor dem Hintergrund anderer Aufgaben, und auch ihrer Schulden. Man muss die Spielräume der Ministerien ausloten.

Wie sollte diese Straße später aussehen?

Lüer : Erste Ideen und Entwürfe liegen in meinem Büro. Sie werden in einer Projektgruppe bearbeitet. Im Rahmen eines Beteiligungsprozesses werden die Vorstellungen künftiger Verkehrsentwicklung und urbaner Lebensqualität in einem Kurort den Ausschlag für die Gestaltung geben. Ich halte eine Verkehrszählung nach Freigabe der A 30 für sinnvoll, um mit aktuellen Zahlen bei der Gestaltung arbeiten zu können. Es wird auch noch einmal eine Diskussion über Varianten geben, eine wird sicher zwei Fahrstreifen beinhalten, in Verbindung mit dem Radschnellweg, ausreichend bemessenen und mit barrierefreien Gehwegen. Mit Blick auf Fördergelder ist es förderlich, eine Verkehrszählung zu haben, die so konkret wie möglich ist. Die Menschen sollen beim Befahren der Straße das Gefühl haben, hier bin ich in einem Kurort und nicht halbwegs auf der Autobahn.

Fast 20 Jahre, bis 2012, haben Sie in Bad Lippspringe als Umweltschutzbeauftragter, später parallel auch verantwortlich für den Bauhof gearbeitet. Zuletzt waren sie sechs Jahre Fachbereichsleiter in Taunusstein. Wird Ihnen das in Bad Oeynhausen helfen, die zuletzt immer wieder als schlecht funktionierend kritisierte Zusammenarbeit ihres Bereiches mit den Stadtwerken zu verbessern?

Lüer : Als Fachbereichsleiter lag der Schwerpunkt für mich auf der integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung. Die prozessorientierte Projektarbeit der vergangenen Jahre stellt meines Erachtens auch für Bad Oeynhausen die Basis eines erfolgreichen Arbeitens dar. Für die gemeinsamen Ziele, so beim Straßenausbau und der Unterhaltung, möchte ich bis Jahresende und mit Blick auf den Haushalt 2019 eine Prioritätenliste formulieren, in Form eines Straßenkatasters, das zum Teil schon existiert. Die erste Sitzung im Verwaltungsvorstand mit dem Stadtwerke-Chef hat mir den Eindruck vermittelt, dass das gelingen kann. Wir werden uns die Frage stellen müssen, ob wir die Aufwendungen erhöhen, vor allem für die Straßen-Erneuerung.

Sie dürfen, ohne darauf achten zu müssen, dass die Finanzierung steht, drei »Baustellen« in der Stadt beheben. Wie sieht Ihre Prioritätenliste aus?

Lüer : Der Rückbau der B 61 steht an erster Stelle. Der sichtbare und faktische Verlust an technischer Infrastruktur, das heißt, der sehr schlechte Zustand von Straßen, Wegen und Plätzen verlangt eine gemeinsame Initiative von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft. Eine meiner letzten Verwaltungsaufgaben in Taunusstein galt der Vorbereitung von finanziellen Quoten des Haushaltes für die fortlaufende Unterhaltung und Erneuerung von Straßen. Als drittes würde ich die Zukunftssicherung der Stadt mit ihren acht Ortsteilen durch die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes angehen. Es sollte Aussagen zur Wohnraum- und Gewerbe-Entwicklung, zur Stärkung des Gesundheitsstandorts und des Tourismus sowie zur Sicherstellung des Haltens der Einwohnerzahl Bad Oeynhausens beinhalten.

Haben Sie ein Rezept zur Belebung der Innenstadt?

Lüer : Ähnliche Probleme gibt es in vielen Innenstädten. Aus meinen Erfahrungen würde ein übergreifendes Marketingkonzept mit flankierenden Maßnahmen die Aufenthaltsqualität stärken und die Bürger zum Einkauf und zum Verweilen ermuntern. Dazu gehören bauliche Maßnahmen in der Fußgängerzone zur Barrierefreiheit und zur Möblierung, die flächendeckende Versorgung mit freiem WLAN und auch mehr Sauberkeit. Ist die Innenstadt gepflegt, fühlt der Gast sich wohl. Die angestrebte Sanierung des Pflasters ist ein richtiger Schritt. Der Nordbahnhof ist ein durchaus attraktives Gebäude. Unabhängig von den anderen Plänen, nach dem Kauf durch die Stadt, könnte man das Gebäude mit Farbe auffrischen und es so zum Anziehungspunkt machen. Die Überdachung des Eingangsbereiches ist mit Dachpappe belegt. Da müsste man sich etwas anderes überlegen. Das ist mir bei einem meiner ersten Besuche im Herbst mit Blick auf viele Grautöne dort aufgefallen. Die Optimierung der Bewirtschaftung könnte folgen.

Welche Maßnahmen der Stadtentwicklung sind vordringlich?

Lüer : Ein Fokus sollte auf der Stärkung der Identität der Ortsteile bei gleichzeitiger Stärkung der Gesamtstadt liegen. Es geht um das Wir-Gefühl. Dies verlangt eine gemeinsame gesellschaftliche Anstrengung. Dazu gehört, dass die Menschen, wenn sie älter werden, im Ortsteil bleiben können, zum Beispiel ihr zu groß gewordenes Haus verlassen, um in einer Einrichtung für barrierefreies Wohnen zu leben, um das soziale Umfeld zu wahren. Das heißt aber auch, im Ortsteil, in dem man geboren ist, auch einen Bauplatz finden zu können.

Wie sehen Sie die Pläne zur neuen Pflasterung in der Fußgängerzone?

Lüer : Sie sind ein richtiger Schritt zur Belebung. Da es sich um einen fortlaufenden Prozess handelt, sollten alle weiteren Schritte in ein Marketingkonzept eingebunden werden. Demnächst werden vier Musterflächen entstehen, um mit den Bürgern zu sprechen. Auch mit den Politikern wird es einen Ortstermin geben. Vor Geschäften muss man sich über Barrierefreiheit unterhalten.

Was sind für Sie Kernpunkte einer Parkregelung?

Lüer : Ich selbst fahre wenig mit dem Auto. Der Betrieb einer Tiefgarage muss wirtschaftlich sein. Ein Beispiel: Wenn ich zur Documenta nach Kassel fahre, weiß ich, dass mein Aufenthalt Geld kostet. Parken im öffentlichem Raum mit der dafür erforderlichen Unterhaltung kostet Geld. Wie hoch das ausfällt, ist eine andere Frage.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kurparks?

Lüer : Er ist das zentrale städtebauliche Element mit seinen historischen Gebäuden. Im Unterschied zur Gründerzeit muss er heute auch für Einheimische eine hohe Aufenthaltsqualität haben. Er muss genutzt werden. Im Kurpark auf die große Bedeutung der Sole hinweisen zu wollen, ist der richtige Ansatz. Vielleicht kann man den Bürger einbinden, Varianten entwickeln, sie diskutieren.

Vor Ihnen hat Arnold Reeker als Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bauen ihr Aufgabenfeld beackert. Im Umgang mit politischen Vertretern gab es immer wieder Reibungspunkte. Wie sieht Ihr Umgang mit der Politik aus?

Lüer : Mit allen Fraktionschefs gibt es Termine für Gespräche. Die Zusammenarbeit ist gut, offen und von Fachlichkeit geprägt. Das heißt, auch eigene Position zu vertreten, immer nach dem gemeinsamen Nenner zu suchen, aber auch politische Mehrheitsentscheidungen, die man inhaltlich anderes bewertet, mit zu tragen. Ich bin Dienstleister für die Stadt, für die Gesellschaft. Ich möchte Kompromisse mit formulieren.

Entweder – oder

VfL Bochum oder Arminia Bielefeld?

VfL Bochum, weil es meine Geburtsstadt ist. Das bleibt.

Beim Neuwagenkauf: Diesel oder Elektroantrieb?

Gerne ein sauberer Diesel, weil es weite Strecken sind, wenn ich Auto fahre.

Besuch der Poetischen Quellen oder Wochenende auf der Innenstadtfete?

Besuch des Literaturfestivals, weil ich an Literatur interessiert bin.

Konzertbesuch mit der Nordwestdeutschen Philharmonie oder Schlager im Park auf der Aqua Magica?

Eher die Philharmonie, weil Klassik mir liegt.

Kinobesuch oder Tangoabend in der Druckerei?

Da müsste ich meine Frau fragen. Sie würde sich schnell für den Tango entscheiden.

Shoppen im Werre-Park oder in der Innenstadt?

Je nach Bedarf: für den kurzen Einkauf für mich der Werre-Park, für den Erlebnis-Einkauf die Innenstadt.

Stadtführung oder Radtour entlang der Weser?

Tour entlang der Weser, weil ich leidenschaftlich gerne Rad fahre.

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