Publikum im Theater im Park in Bad Oeynhausen feiert »Die Glasmenagerie« Von unerfüllten Sehnsüchten

Bad Oeynhausen (WB). Tennessee Williams war der Autor der unerfüllten Sehnsüchte, des zwischenmenschlichen Dramas hinter den Fenstern eines pulsierenden Zeitgeschehens. Im Theater im Park hat am Freitag ein Familienunternehmen für ausverkauftes Haus und stehende Ovationen gesorgt: Anna Thalbach und ihre Tochter Nellie standen in einer Inszenierung von Williams’ »Die Glasmenagerie« unter der Regie von Katharina Thalbach auf der Bühne.

Von Daniela Dembert
Das Publikum im ausverkauften Theater im Park spendet den Darstellern von »Die Glasmenagerie« viel Applaus. In dieser Szene macht Tom (Louis Held) dem Frust wegen seines Jobs und den Vorwürfen seiner herrischen Mutter (Anna Thalbach) Luft.
Das Publikum im ausverkauften Theater im Park spendet den Darstellern von »Die Glasmenagerie« viel Applaus. In dieser Szene macht Tom (Louis Held) dem Frust wegen seines Jobs und den Vorwürfen seiner herrischen Mutter (Anna Thalbach) Luft. Foto: Daniela Dembert

Verwehrte Träume, widrige Umstände, gescheiterte Existenzen und in der Ferne schimmernde Erinnerungen an eine glamourösere Zeit; der zweimalige Pulitzer-Preis-Träger Tennessee Williams verarbeitete häufig Biografisches.

Flucht in Alkohol, Träumereien oder Erinnerungen

Amanda Wingfield lebt gemeinsam mit ihren erwachsenen Kindern Tom und Laura in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Tom sieht sich mit der Rolle des Ernährers und den stetigen Vorwürfen seiner Mutter konfrontiert. Unglücklich mit Job und Familie flüchtet er sich in Alkohol und die abenteuerreiche Kinowelt.

Seine Schwester Laura ist wegen ihrer leichten Gehbehinderung so schüchtern, dass sie sich der Außenwelt komplett entzieht und sich Träumereien beim Anblick ihrer glitzernden Glastiersammlung, ihrer Glasmenagerie hingibt. Mutter Amanda entflieht der Tristesse und schwelgt in Erinnerungen an ihre Jugend, in der sie in der Mitte gesellschaftlichen Lebens stand.

Betroffenheit und Fremdscham wechseln sich ab

Hoffnung keimt auf, als Tom seinen Kollegen Jim mit nach Hause bringt. Amanda wittert die Chance auf einen Schwiegersohn, und Laura erkennt in Jim den Schwarm aus Schulzeiten wieder. Tragische Figuren und deren peinlich törichtes Verhalten ziehen den Zuschauer in ihre Welt. Betroffenheit und Fremdscham stehen im ständigen Wechsel miteinander.

In der Rolle des Tom Wingfield glänzte Louis Held, vor allem bekannt als Alexander von Falkenstein aus den Filmabenteuern von »Bibi & Tina«. Held füllte seine Rolle mit Wut, Verzweiflung, Frust, einem quälenden Pflichtbewusstsein und der brennenden Sehnsucht nach einem anderen Leben.

Nellie Thalbach mimte die schüchterne Laura mit zartem Stimmchen und entrücktem Blick. Katharina Thalbachs Inszenierung war gespickt mit Überspitzungen und Absurditäten, die dem Drama einen tragikomischen Anstrich verliehen.

Peinliche und magische Momente

Vor allem Anna Thalbach als exaltierte Mutter, die sich in Selbstmitleid und vermeintlicher Ohnmacht erging und durch ihr aufdringliches Geplapper beim Besuch Jim O’Connors für peinliche Momente sorgte, lieferte Komik. Darstellerische Tiefe brachte Louis Held, wenn er mit entblößter Ehrlichkeit sprach.

Magischer Theatermoment, in dem alles stimmte und sich die ganze Tragik des Stücks entlud: Jim O’Connor-Darsteller Sven Scheele zerbrach Lauras Glaseinhorn. Gemeinsam betrauerten die beiden die Figur bei Kerzenschein, die, ihrer Magie beraubt, nur noch ein gewöhnliches Tier war.

»Die Kehrtwende und das tragische Ende kamen gut rüber«, sagte Gabriele Geisler, die gekommen war, um diese Schauspieler zu sehen.

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