Letzter großer Hilfstransport von Bergkirchen nach Moldawien Freude und Gastfreundschaft berühren

Bad Oeynhausen-Bergkirchen (WB). Die jüngste Reise nach Ribnita in Moldawien war für Ernst-Ludwig Homann besonders bewegend. Zum letzten Mal begleitete er einen groß angelegten Hilfstransport in die 50.000 Einwohner zählende Stadt. Vor 27 Jahren hat er die Hilfsaktion begründet.

Von Claus Brand
Ein Blick in die Kirche in Ribnita während eines Gottesdienstes an den dortigen Weihnachtsfeiertagen Anfang Januar: Alexander Panchina (62, vorne, Mitte), Leiter des Hilfswerkes Swet, ist umgeben von Kindern, die im Rahmen der Hilfsaktion ein Paket erhalten haben.
Ein Blick in die Kirche in Ribnita während eines Gottesdienstes an den dortigen Weihnachtsfeiertagen Anfang Januar: Alexander Panchina (62, vorne, Mitte), Leiter des Hilfswerkes Swet, ist umgeben von Kindern, die im Rahmen der Hilfsaktion ein Paket erhalten haben.

Dass sie nun versandet und bald in Gänze Geschichte ist, das kommt für den Bergkirchener nicht in Frage. »Auch 2018 wird es wieder eine Aktion ›Weihnachten im Schuhkarten‹ geben.« Das sagt der 72-Jährige überzeugt.

Für die Organisation der großen Hilfstransporte, bei denen zuvor auf dem Hof Niemeier in Wulferdingsen Kleidung, Haushalts-Gegenstände, Elektrogeräte und vieles mehr gesammelt wurden und mit einem Lkw die weite Reise antraten, gibt es keinen Nachfolger. Das bedauert er. Doch es bleibt ihm nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. »Darunter mussten wir einen Schlussstrich ziehen.«

»Weihnachten im Schuhkarton« wird fortgeführt

Für das seit ein paar Jahren begleitende Projekt »Weihnachten im Schuhkarton« hat der Gründer der Moldawien-Hilfe sich aber schon neue Ziel gesteckt. »Wir haben jetzt gut 2000 Pakete an Kinder und Senioren, nach einer Liste zuvor jeweils für die Altersgruppe identisch bestückt, verteilen können. Zu wenig«, sagt er.

Nicht jedes Kind habe ein Paket bekommen können. Sein erklärtes Ziel für die nächste Aktion: 2500 Pakete sollen es sein. Er will sie erneut rechtzeitig im Stadtgebiet verteilen, damit sie gefüllt und pünktlich zum Weihnachtsfest in Ribnita, dort am 6. und 7. Januar gefeiert, eintreffen.

Für ihn sei es gerade beim jüngsten Besuch immer wieder berührend gewesen, »mit welcher Freude die Menschen, die Kinder aber auch besonders die Senioren, die Geschenke entgegen nehmen«. Homann: »Für letztere ist es bedeutend, dass es ein persönliches Geschenk ist. Wenn sie sonst etwas erhalten, wird es mit der Gemeinschaft geteilt«, erklärt er.

Ebenso berührend sieht er die Tatsache, »dass viele Kinder nicht wissen, dass Weihnachten ist.« Während der Gottesdienste an den Festagen dort seien die Pakete an die Kinder verteilt worden. Allein zum Gottesdienst an Heiligabend hätten sich etwa 700 im Gotteshaus der Freikirche eingefunden. »Bei der Verteilung spielt es keine Rolle, welcher Konfession die Kinder angehören.« In Ribnita leben Menschen christlichen Glaubens aber auch Muslime.

Moldawienhilfe ist in Bergkirchen fest verankert

Die Moldawienhilfe sei in der Gemeinde in Bergkirchen fest verankert. So werde auch die Unterstützung des Kinderhilfswerkes Swet, das dessen Leiter Alexander Panchina 1988/1989 gründete, Bestand haben. Wesentlicher Baustein ist ein Kinderheim, in dem vor allem Straßenkinder, mitunter nur für eine Nacht oder ein paar Tage, ein Zuhause finden.

Homann und Alexander Panchina sind inzwischen gute Freude. Homann: »1991 waren wir das erste Mal dort.« Wie groß die Not der Menschen teilweise ist, könne man nur vor Ort wirklich erfahren. Das haben auch immer wieder Tim Wüllner (15) und Jean- Pierre Reitmeier (24) bestätigt, die Homann auf der Flugsreise von Hamburg über Wien nach Moldawien begleitet haben.

Der Gründer der Hilfsaktion hofft so auch, bei der jungen Generation neue Sensibilität für die Bedeutung der Aktion und die Unterstützung des Kinderheimes zu wecken. Beispielhaft beschreibt er eine Alltagssituation in Ribnita: »Das Alkoholproblem ist sehr präsent. So kann es vorkommen, das ein Kind morgens gesagt bekommt, abends eine Flasche Wodka mitzubringen. Das Kind könnte sie nur stehlen. Viele tun das nicht. Um Zeit und Abstand zur Forderung der Eltern zu gewinnen, steuern sie dann das Kinderheim an.«

Es fließt die eine oder andere Träne der Rührung

Der 72-Jährige gesteht bereitwillig ein, dass beim jüngsten Besuch die eine oder andere Träne bei ihm geflossen ist, so »wenn ein älterer Mensch im Seniorenheim eines der Pakete mit großer Rührung entgegennahm.« Begleitet worden ist er bei der viertägigen Reise auch von sechs Personen aus der evangelischen Gemeinde in Cloppenburg, darunter Gottlieb Lohrei, der für ihn seit Jahren übersetzt. Und für Ernst-Ludwig Homann steht fest: Spätestens zum nächsten Weihnachtsfest in Ribnita möchte er sich erneut auf den Weg dorthin machen, um mit der Aktion »Weihnachten im Schuhkarten« zu helfen, aber auch, um gute Freunde zu treffen.

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