Sparkassen-Vorstände Rainer Janke und Hans-Jürgen Nolting im Interview »Die Filiale ist kein Auslaufmodell«

Bad Oeynhausen (WB). Zum 1. Januar wird aus zwei eigenständigen Häusern die Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica. Im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT beziehen die Vorstände der bisherigen Stadtsparkasse (SSK) Bad Oeynhausen, Rainer Janke und Hans-Jürgen Nolting, Position zu diesem einschneidenden Schritt. Die Fragen stellte Claus Brand.

Rainer Janke (links), Vorstandschef der bisherigen Stadtsparkasse Bad Oeynhausen, und Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Nolting zeigen vor der Filiale an der Portastraße in Bad Oeynhausen das neue Logo, das für die zum Jahresbeginn fusionierenden Häuser steht. Die Darstellung des neuen Geschäftsgebietes – mit Porta Westfalica – soll zum Ausdruck bringen, dass die beiden Häuser sich mit der Fusion für die Zukunft wappnen wollen.
Rainer Janke (links), Vorstandschef der bisherigen Stadtsparkasse Bad Oeynhausen, und Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Nolting zeigen vor der Filiale an der Portastraße in Bad Oeynhausen das neue Logo, das für die zum Jahresbeginn fusionierenden Häuser steht. Die Darstellung des neuen Geschäftsgebietes – mit Porta Westfalica – soll zum Ausdruck bringen, dass die beiden Häuser sich mit der Fusion für die Zukunft wappnen wollen. Foto: Claus Brand

Herr Janke, Sie müssen einer älteren Dame und Kundin erklären, warum es zur Fusion gekommen ist. Was sagen Sie ihr ohne Fachvokabular?

Rainer Janke : Nicht nur unsere Kunden leiden unter der extremen Niedrigzinspolitik der EZB. Die ältere Dame wird es mit großer Unzufriedenheit beim Blick auf ihre Zinsgutschriften festgestellt haben, Banken und Sparkassen geht es genauso. So wie Zinsen auf dem Sparbuch weniger werden, nehmen die Erträge der Sparkasse sehr stark ab. Das müssen wir durch Kostensenkungen ausgleichen. Größere Häuser haben da Vorteile. Das fängt beim Vorstand an. Die vereinigte Sparkasse muss nur noch drei, bald zwei Vorstände bezahlen. Auch andere Aufgabenbereiche, die heute in beiden Häusern vorhanden sind, wie Revision, Buchhaltung und Organisation, müssen nur noch einmal vorhanden sein. Das spart Kosten.

Rainer Janke (61) ...

... ist verheiratet. Er hat eine erwachsene Tochter. Seit 40 Jahren ist er in der Sparkassenorganisation tätig. Den Stationen Kreissparkasse Halle/Westfalen und Sparkasse Detmold folgte der Wechsel nach Bad Oeynhausen. Seit April 1994 ist er dort im Vorstand, seit dem 1. Januar 2000 Vorstandschef.

Was merkt der Kunde von der Fusion, wenn er am 2. Januar in eine Filiale kommt?

Hans-Jürgen Nolting : Mit dem rechtlichen Zusammenschluss zum 1. Januar ändert sich für den Kunden nichts. Die Ansprechpartner sind weiter unter ihrer Adresse persönlich, per Telefon oder E-Mail erreichbar. Alle Verträge behalten Gültigkeit. Die Konten werden weitergeführt, so dass der Kunde mit seiner Sparkassen-Card alle Leistungen abwickeln kann – am Geldautomaten, im Internet und an der Ladenkasse. Gleiches gilt für seine Kreditkarte. Bestehende Daueraufträge und Lastschriftmandate bleiben gültig. Im Jahresverlauf wird es eventuell für einige Kunden zu Änderungen kommen. Die Zusammenführung der Kontobestände erfolgt am 21./22. April mit der technischen Fusion. Über Änderungen informieren wir rechtzeitig.

Gibt es neue Preise oder höhere Gebühren?

Janke : Zunächst ändern sich Preise und Konditionen nicht. Da sich aber die Preise und Leistungen für die Produkte und Dienstleistungen beider Häuser unterscheiden, werden wir sie im Jahresverlauf angleichen. Dabei kann es bei einzelnen Kunden oder Produkten zu Preiserhöhungen kommen. Unsere Preise bleiben marktgerecht und fair.

Können Kunden alte Briefbögen mit ihrer bisherigen Bankverbindung und Rechnungsvordrucke weiter nutzen?

Nolting : Für die Kunden der ehemaligen Stadtsparkasse Porta Westfalica ändert sich ab dem 22. April die IBAN sowie der BIC, WELADED1OEH. Sie können Rechnungs- und Briefvordrucke aber auch nach diesem Datum zunächst weiter nutzen. Für einen Übergangszeitraum ist sichergestellt, dass Zahlungseingänge richtig verbucht werden. Bei der Neuauflage sollten die neue IBAN, und für Zahlungseingänge aus dem Ausland der neue BIC, sowie die neue Bezeichnung ›Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica« verwendet werden.

Hans-Jürgen Nolting (63) ...

... ist verheiratet. Er hat eine erwachsene Tochter. Seit mehr als 40 Jahren ist er für die Stadtsparkasse Bad Oeynhausen tätig. Begonnen hat er in der Zweckverbandssparkasse der Stadt Bad Oeynhausen und des Amtes Rehme. Seit Januar 1999 ist er Vorstandsmitglied.

Womit hätte ein Kunde der SSK Bad Oeynhausen ohne die Fusion rechnen müssen?

Janke : Im Umfeld des historischen Niedrigzinsniveau und steigender regulatorischer Anforderungen, das zu wegbrechenden Betriebsergebnissen führt, würden bei der SSK erhebliche Anpassungen notwendig. Ein massiver Rückzug aus der Fläche, eventuell verbunden mit Kündigungen sowie die Einschränkung der Spenden- und Sponsoring-Aktivitäten wären mögliche Maßnahmen. Aus der Fusion ergeben sich Synergien, die langfristig die Ertragslage und die Eigenkapitalbildung stabilisieren. Mehr Eigenkapital ermöglicht eine stabile Kreditversorgung der Unternehmen und Privatkunden.

Immer mehr Menschen nutzen das Online-Banking. Wann müssen Sie, auch nach einer Fusion, entscheiden, das eine Filiale ein Auslaufmodell ist und sie geschlossen wird?

Janke : Die Filiale ist kein Auslaufmodell. Sie bleibt wichtiger Teil der Geschäftsstrategie. Auch in einer zunehmend digitalisierten Bankenwelt schätzen die Kunden den persönlichen Kontakt, die Kompetenz der Berater und das oft über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauensverhältnis. Aber das Kundenverhalten verändert sich weiter. Die Kundenfrequenz in den Filialen geht seit einiger Zeit zugunsten des Online-Banking zurück. Etwa 50 Prozent der Privatkunden der SSK nutzen heute das Internet für Bankgeschäfte – Tendenz steigend. Wenn das Onlinebanking die Filiale immer mehr verdrängt, ist es folgerichtig, dass Filialnetz anzupassen. So hat die SSK im Vorjahr ein zweistufiges Filialkonzept umgesetzt. In fünf Filialen werden an zwei Tagen pro Woche Serviceleistungen angeboten und fünf Filialen wurden zu Beratungszentren aufgewertet. Hier können Kunden neben Service- auch alle Beratungsleistungen nutzen, bei erweiterten Beratungszeiten von 9 bis 19 Uhr, an fünf Wochentagen.

Mit den Veränderungen sind wir behutsam vorgegangen. Keine Filiale wurde geschlossen. Das Filialnetz ist langfristig aber nur so zu erhalten, wenn es in Funktion und Ausstattung konsequent am Nutzungsverhalten und an wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet ist. Insoweit kann man Anpassungen nicht ausschließen.

Stehen Filialschließungen an?

Janke : Wir haben eine Standortanalyse in Auftrag gegeben, die das Geschäftsgebiet der vereinigten Sparkasse erfasst. Auf deren Grundlage werden wir 2018 ein Standortkonzept für die vereinigte Sparkasse erarbeiten und Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Filialnetzes treffen.

Am 21. und 22. April erfolgt die technische Fusion. Wie nervös sind Sie mit Blick darauf?

Nolting : In diesem Punkt bin ich nicht nervös, da wir mit unserem Rechenzentrum, der Finanz Informatik (FI), einen erfahrenen Partner haben. Die FI ist der zentrale Dienstleister für alle Sparkassen bundesweit und verfügt über fundierte Erfahrungen aus einer Vielzahl von Fusionen.

Welche Vorbereitungen müssen für die technische Fusion noch getroffen werden?

Nolting : Es handelt sich um einen längeren, neun Monate andauernden Prozess, der im August 2017 begonnen hat. In diesem vom Rechenzentrum vorgegebenen und strukturierten Prozess arbeiten unsere Mitarbeiter mit den Vertretern des Rechenzentrums in Arbeitsgruppen oder unter Nutzung moderner Telekommunikation zusammen. Regelmäßig gibt es Fortschrittskontrollsitzungen. Zwischenzeitliche Test-Fusionen und Datenabzüge sichern die hohe Datenqualität und sollen zum problemlosen Ablauf beitragen.

Wird es eine neue gemeinsame IBAN geben?

Janke : Ja, ab dem 22. April. Für alle Kunden der neuen Sparkasse gilt dann die einheitliche Bankleitzahl 490 512 85. Damit ändert sich für Kunden der Stadtsparkasse Porta Westfalica die unter anderem aus Kontonummer und Bankleitzahl gebildete IBAN. Niemand muss Sorge haben, dass Zahlungseingänge, die mit der alten IBAN verschickt wurden, nicht ankommen. Für eine Übergangszeit werden wir dies sicherstellen.

Auf was müssen Online-Kunden achten?

Nolting : Sie können wie bisher den sicheren Online-Banking-Bereich beider Stadtsparkassen nutzen. Am Wochenende der technischen Fusion steht das Online-Banking eingeschränkt zur Verfügung. Kunden der Stadtsparkasse Porta Westfalica, die die App »Sparkasse« auf dem Smartphone verwenden, müssen diese nach der technischen Fusion kostenfrei neu installieren. Dabei gehen bisher gespeicherte Umsätze leider verloren. Nutzer der verbesserten App »Sparkasse+« können weiter auf gespeicherte Daten zugreifen.

Werden die Internet-Auftritte zusammengeführt?

Nolting : Bis zur technischen Fusion sind beide Häuser unter den bisher bekannten Internetadressen erreichbar. Vom 22. April an gibt es nur noch die gemeinsame Internet-Filiale www.spkbopw.de.

Wird es Entlassungen im Zuge der Fusion geben?

Janke : Ein klares Nein. Vorstände und Personalräte beider Häuser haben eine Dienstvereinbarung getroffen, in der Kündigungen aufgrund der Fusion ausgeschlossen sind. Kein Mitarbeiter muss Sorge um seinen Arbeitsplatz haben. Gleichwohl ist die mittelfristige Reduzierung des Personals ein Ziel. Sie soll durch natürliche Fluktuation, zum Beispiel durch Eintritte in den Ruhestand, erfolgen.

Was sind Säulen des Geschäftsmodells in zehn Jahren?

Nolting : Die kommunale Bindung und die regionale Verankerung werden für die Sparkasse auch dann identitätsstiftend sein, so dass wir uns weiter der Entwicklung der Region verpflichtet fühlen. Alle Kunden können sich darauf verlassen, dass wir ihnen wie bisher alle notwendigen Produkte anbieten und insbesondere die geld- und kreditwirtschaftliche Versorgung sicherstellen.

Bleibt es beim bisherigen Sponsoring Ihres Hauses?

Janke : Ja. Beide Häuser haben durch Spenden- und Sponsoring-Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Kultur, Sport, Sozialem und Bildung geleistet. Das soll so bleiben. Denn als öffentlich-rechtliche Sparkasse fühlen wir uns der Region eng verbunden. Die Unterstützung der Vereine und Träger sozialer und gemeinnütziger Arbeit liegt uns sehr am Herzen. Es ist geradezu Ziel der Fusion, dass das so bleibt.

Raten Sie jungen Menschen heutzutage, eine Ausbildung als Bankkaufmann zu beginnen?

Janke : In jedem Fall. Der Beruf ist und bleibt attraktiv. Wie in jeder anderen Branche unterliegt er permanenten Veränderungen. Als ich vor 40 Jahren in der Ausbildung war, gab es noch keine PCs, kein Online-Banking, keine ganzheitliche Beratung und weniger Regulierung und Bürokratie. Diese Entwicklungen haben das Berufsbild nachhaltig verändert. Aber es hat nicht an Attraktivität verloren.

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