ADFC und VCD beklagen Tempo bei Umsetzung des Masterplans in Bad Oeynhausen Weit entfernt von fahrradfreundlicher Stadt

Bad Oeynhausen (WB). »Wir sind weit davon entfernt, fahrradfreundliche Stadt zu sein.« Diese Aussage hat Andreas Edler am Mittwoch mit Beispielen aus seinem Alltag als Fahrradfahrer untermauert. Der Eidinghausener ist Sprecher der Ortsgruppe Bad Oeynhausen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Von Claus Brand
In der Empfangshalle des Nordbahnhofes ist bis Ende Juni die Ausstellung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) »Mehr Platz fürs Rad« zu sehen. Sie begleitet auch die Aktion »Fahrradsommer«. Als Sprecher der Ortsgruppe Bad Oeynhausen des ADFC beleuchten An­dreas Edler (links) und Thomas Dippert (VCD-Kreisverband) den aktuellen Sachstand zur Fahrradfreundlichkeit der Stadt.
In der Empfangshalle des Nordbahnhofes ist bis Ende Juni die Ausstellung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) »Mehr Platz fürs Rad« zu sehen. Sie begleitet auch die Aktion »Fahrradsommer«. Als Sprecher der Ortsgruppe Bad Oeynhausen des ADFC beleuchten An­dreas Edler (links) und Thomas Dippert (VCD-Kreisverband) den aktuellen Sachstand zur Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Foto: Claus Brand

Edler und Thomas Dippert vom Kreisverband Minden-Lübbecke des VCD (Verkehrsclub Deutschland) machen dies auch daran fest, dass von den 16 Maßnahmen, die im »Masterplan klimafreundliche Mobilität« enthalten sind, »nicht einmal eine Handvoll umgesetzt ist«, erklärte Dippert. Der Plan ist 2015 von der Politik verabschiedet worden.

Edler: »Wir wollen nicht alles schlecht reden. Man kann in Bad Oeynhausen gut Radfahren, weil abseits der Hauptstraßen oft Tempo 30 gilt.« Aber es sei bei vielen Ansätzen noch Luft nach oben. Dies lasse sich auch an den Ergebnissen des jüngsten ADFC-Fahrrad-Klimatestes festmachen, bei dem Bad Oeynhausen keine guten Noten erhielt.

Zumindest gebe es die Aussicht, dass mit Blick auf den Radschnellweg Ende 2017 eine Planung vorliegen könnte. Als weitere Lichtblicke nennt Edler das Radwegenetz, die gute Erreichbarkeit des Zentrums oder Einbahnstraßen, die Radfahrer im Gegenverkehr nutzen können.

Schlechte Ampelschaltungen für Radfahrer

Kritisch sieht er unter anderem »schlechte Ampelschaltungen für Radfahrer«, die mangelhafte Reinigung von Radwegen, deren teils schlechten Zustand und dass »generell zu wenig Werbung seitens der Stadt für das Radfahren gemacht wird«.

Bislang gebe es nur zeitlich begrenzte Aktionen wie den Radsommer. Edler: »Radfahren wird immer noch zu sehr als Freizeitaktivität oder Tourismus-Aspekt gesehen, aber nicht als zu förderndes Verkehrsmittel für den Alltag.«

Er meint, dass Radfahrer auch eher auf die Fahrbahn gehören, »weil man dort gut gesehen wird.« An der Eidinghausener Straße sei es zwischen der Mindener Straße und der Blöbaum-Kreuzung zu Zeiten des morgendlichen Berufsverkehrs zwar sinnvoll, den Radweg zu benutzen, aber abends, nach 18 Uhr sei dort weniger Verkehr, so dass man gut auch auf der Straße fahren könne.

Radweg muss derzeit benutzt werden

In diesem Abschnitt sehe die Beschilderung aktuell vor, »dass man den Radweg benutzen muss.« Edler: »Im Ausschuss für Stadtentwicklung hat aber auch die Verwaltung erklärt, dass die Nutzung im jetzigen Zustand nicht zumutbar ist.« Sowohl er als auch Dippert sprechen sich dafür aus, die Pflicht durch ein Entfernen des Schildes aufzuheben.

Dippert: »Ein Neubürger, der die Einschätzung teilt, hätte die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres gegen die Pflicht zu klagen.« Entlang der Eidinghausener Straße, im dicht besiedelten Bereich zwischen Mindener Straße und Horstweg, halten beide eine Beschränkung auf Tempo 30 für sinnvoll.

Edler: »Schneller kann der Autoverkehr dort in der Regel nicht fließen.« Auch an der Werster Straße sehen sie Handlungsbedarf. Wer als Radfahrer die Nebenroute über den Schwarzen Weg nutze, sehe sich an der Einmündung zur Werster Straße damit konfrontiert, dass von dort aus auf einer Länge von gut 500 Metern Tempo 60 erlaubt sei. Hier, gerade im Bereich der Schulen, mache Tempo 30, Sinn.

Stadt entscheidet über Beschilderung

Dippert: »Die Stadt kann über die Beschilderung entscheiden.« Edler verweist auf das Beispiel Volmerdingsener Straße, wo es im Abschnitt zwischen Nordumgehung und der Geraden der Volmerdingsener Straße bis zur Ortseinfahrt zur Reduzierung von 70 auf 50 Stundenkilometer gekommen sei.

Anlass für die jüngste Betrachtung sind für Edler und Dippert die ADFC-Erhebung, die Verabschiedung des Masterplans 2015 und die aktuelle VCD-Ausstellung im Nordbahnhof. Eine Stellungnahme der Stadt zur Kritik war am Mittwoch nicht zu erhalten.

Weitere Informationen gibt es unter www.adfc-minden.de und unter www.vcd.org .

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