Verein »Arbeitsunrecht« kritisiert Umgang mit Beschäftigten Protest gegen Median-Gruppe

Bad Oeynhausen (WB). Als Kammerjäger haben sich die Demonstranten vor der Median-Klinik am Park verkleidet, um »Bazillen« vom Gehweg zu fegen. Als Teilnehmer der bundesweiten Aktion »Freitag, der 13.« kritisierten sie den Umgang des Konzerns mit einem Teil der 15 000 Beschäftigten.

Von Rajkumar Mukherjee
Als Kammerjäger verkleidet haben (von links) Verdi-Mitglied Reiner Libau, Bernd Meerhoff, Förderer des Vereins »Arbeitsunrecht« und Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Minden-Lübbecke, sowie die Verdi-Mitglieder Andreas Noetzel und Peter Schröder, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Herford, vor der Median-Klinik am Park protestiert.
Als Kammerjäger verkleidet haben (von links) Verdi-Mitglied Reiner Libau, Bernd Meerhoff, Förderer des Vereins »Arbeitsunrecht« und Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Minden-Lübbecke, sowie die Verdi-Mitglieder Andreas Noetzel und Peter Schröder, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Herford, vor der Median-Klinik am Park protestiert. Foto: Mukherjee

Das Vorbild für diese Art von Protest stammt aus den USA, wo es nach Sicht des Vereins Unternehmen gebe, die bewusst die Arbeit von Gewerkschaften und Betriebsräten behindern. In Deutschland sei eine »flächendeckende Tarifflucht« zu beobachten. Etwa 20 Personen schlossen sich dem Protest an. Median-Vertreter beobachteten die Aktion durch eine Scheibe im Foyer der Klinik am Park.

Für seinen alljährlichen Protest gegen Unternehmen am Aktionstag »Freitag, der 13.« hat sich der Kölner Verein »Arbeitsunrecht« per Online-Abstimmung diesmal die Median-Unternehmensgruppe ausgesucht. In Bad Oeynhausen lenkten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Partei die Linke den Blick auf 139 Median-Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr entlassen worden waren. Wie mehrfach berichtet, war 2016 zudem die Median-Weserklinik geschlossen worden.

Proteste bundesweit an zwölf Standorten

Bundesweit habe es an zwölf Standorten Proteste gegeben, sagte Bernd Mehrhoff, Förderer des Vereins »Arbeitsunrecht« sowie Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Minden-Lübbecke. Aus seiner Sicht sei die Wahl für die Aktion »Freitag, der 13.« zurecht auf die Median-Gruppe gefallen. »Wir beobachten, wie hier systematisch die Arbeit der Gewerkschaften zur Vereinbarung gültiger Tarifverträge behindert wird. An die Median-Klinik in Bad Oeynhausen gerichtet kritisieren wir die 139 Entlassungen, aber auch den Umgang mit dem Betriebsratsvorsitzenden Roland Thomae. Uns beschleicht das Gefühl, dass dem Unternehmen der Gewinn wichtiger ist, als die Menschen«, sagte Bernd Mehrhoff.

Diesbezüglich verwies er auf den Private Equity Fonds Waterland aus den Niederlanden, der 2014 die Median-Kliniken übernommen hatte. »Wir hören von Zuwachsraten von etwa 65 Prozent pro Jahr, da wird einem schon schwindelig«, sagte Bernd Mehrhoff.

Nach Unternehmensangaben betreibt die Median-Gruppe 121 Rehabilitationskliniken, Akutkrankenhäuser, Therapiezentren, Ambulanzen und Wiedereingliederungseinrichtungen. Somit sei die Median-Gruppe der größte private Betreiber von Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland mit 18 000 Betten und Behandlungsplätzen.

In der Region betreibt Median auch in Bad Salzuflen die Klinik am Burggraben sowie die Klinik NRZ, die frühere Klinik Flachsheide. Beide Häuser sowie die Median-Klink am Park sind gemeinsam in der Quellenhof KG zusammengefasst.

Median reagiert auf Kritik

In einer schriftlichen Stellungnahme reagierte am Freitag auch die Median-Unternehmensleitung in Berlin. Die »aktuellen Proteste zu ›Freitag, der 13.‹ sind der Höhepunkt einer inakzeptablen Kampagne. Verdi zeigt eine realitätsfremde Position und initiiert die Tarifauseinandersetzung«, heißt es in der Mitteilung. Zudem führe Median »konstruktive direkte Gespräche mit den Betriebsräten und reagiert mit Unverständnis auf falsche Vorwürfe und groteske Aktionen«.

Auch zum Hintergrund der laufenden Tarifauseinandersetzung zwischen Median und Verdi äußerte sich der Konzern. Die Auseinandersetzung habe Verdi selbst vor mehr als einem Jahr durch die Kündigung der Entgelttarife eingeleitet. Zwar habe Median seinerseits im Frühjahr 2016 die Fortsetzung der Verhandlungen abgebrochen. Grund dafür sei aber die Verdi-Forderung nach flächendeckenden Tarifen. Dies widerspreche den realen Bedingungen regionaler Arbeitsmärkte.

Zudem habe es bereits in »zahlreichen Kliniken« Vereinbarungen zu außertariflichen Gehaltszulagen für das medizinische Fachpersonal gegeben.

Unterdessen sind in der Klinik NRZ Bad Salzuflen die Sanierungsarbeiten beendet worden. Das gab Lars Vorsthoven, kaufmännischer Leiter der Klinik, ebenfalls am Freitag bekannt. Etwa 4,5 Millionen Euro wurden in die Gestaltung der Zimmer sowie in ein neues Brandschutzkonzept investiert.

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