Wer sich als Flüchtling trauen möchte, muss den Pass oder Reiseausweis bereithalten Ohne Dokumente keine Heirat

Bad Oeynhausen (WB). Gleich die erste Trauung in 2017 ist am 3. Januar besonders schnell über die Bühne gegangen: Nach der spontanen Anfrage im Standesamt Bad Oeynhausen ließ sich ein Ehepaar in nur 20 Minuten vermählen. Doch so einfach ist es nicht immer. Bürgerkriegsflüchtlinge beispielsweise müssen wichtige Dokumente und Nachweise bereithalten.

Von Rajkumar Mukherjee
Sebastian Beyer leitet das Standesamt in Bad Oeynhausen. Bei Heiratswünschen müssen er und seine Kollegen alle wichtigen Dokumente überprüfen. Das gilt beispielsweise auch für Flüchtlinge, die einen Pass oder Reiseausweis bereithalten müssen.    
Sebastian Beyer leitet das Standesamt in Bad Oeynhausen. Bei Heiratswünschen müssen er und seine Kollegen alle wichtigen Dokumente überprüfen. Das gilt beispielsweise auch für Flüchtlinge, die einen Pass oder Reiseausweis bereithalten müssen.    

Das junge Paar, das es Anfang Januar besonders eilig hatte, konnte die wichtigen Dokumente vorlegen. Denn wer in deutschen Standesämtern den Bund der Ehe schließen möchte, muss seine Identität, die Staatsangehörigkeit und den Personenstand nachweisen, weiß Sebastian Beyer, Leiter des Standesamtes Bad Oeynhausen. »Es war 14 Uhr. Sie hatten alle Unterlagen vorbereitet und fragten nach dem frühestmöglichen Termin. Fünf Minuten später hatte ich Zeit«, sagt Sebastian Beyer.

Bei Flüchtlingen beispielsweise wird der entsprechende Nachweis unter Umständen schon komplizierter. »Sie müssen zunächst entweder einen gültigen Pass oder einen Reiseausweis vorlegen können«, sagt Sebastian Beyer. Reiseausweise erhalten anerkannte ausländische Flüchtlinge.

Deutsches Rechtsverständnis in Standesämtern verbindlich

Zudem sind eine Geburtsurkunde oder ein Geburtsnachweis erforderlich. Doch nicht in jedem Land gebe es wie in Deutschland solche Urkunden. Im Libanon beispielsweise sei ein sogenanntes Zivilregister bekannt, aus dem per Auszug entsprechende Nachweise beigebracht werden können. Das ist auch für die Mitarbeiter des Standesamtes Bad Oeynhausen relevant, da es hier viele Mitbürger mit Wurzeln im Libanon gebe.

Erforderlich ist zudem für ausländische Mitbürger ein Ehefähigkeitszeugnis der Heimatbehörde. Kann dieses nicht beigebracht werden, helfe eine Befreiung davon. Die Entscheidung darüber fällt für den Bereich Bad Oeynhausen das Oberlandesgericht in Hamm.

»Scheidung nach der Scharia eine Privat-Scheidung«

In puncto Familienstand, also der Frage, ob jemand ledig, verheiratet, geschieden oder verwitwet ist, müssen sich die Mitarbeiter des Standesamtes in einigen Fällen ansatzweise auch mit dem islamischen Recht, der Scharia, befassen, beispielsweise bei der Frage, ob jemand nach deutschem Rechtsverständnis geschieden ist. »Klar ist, dass eine Scheidung nach der Scharia eine Privat-Scheidung ist. Das ist ein wichtiger Unterschied«, sagt Sebastian Beyer. In unklaren Fällen muss sich das Oberlandesgericht in Düsseldorf damit befassen.

Auch bei Geburtsurkunden von Kindern, deren Eltern ausländische Wurzeln haben, müssen die Standesbeamten die Identität und die Staatsangehörigkeit überprüfen. Zudem: Können die Eltern hier statt einer Geburtsurkunde nur einen Registerauszug des Heimatlandes nachweisen, gibt es Nachteile, etwa bei Kindergeld oder Elterngeld. »Das liegt daran, dass Einträge in ein Register eben keine Beurkundung sind, die für das Standesamt in diesen Fällen wichtig sind«, sagt Beyer, der gemeinsam mit seinen Kollegen in allen genannten und weiteren Problemfällen weiterhilft.

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