Mitglieder der AG Natur zeigen Bürgermeister den Stollen am Kammweg Wo Fledermäuse überwintern

Bad Oeynhausen(WB). Da muss jeder Bürgermeister einmal durch: Es ist schon guter Brauch, dass die AG Natur jedem Stadtobersten zu Beginn seiner Amtszeit den nördlichsten Punkt seines »Herrschaftsgebietes« zeigt. So lernte auch Achim Wilmsmeier gestern Nachmittag den Fledermausstollen am Kamm des Wiehengebirges kennen.

Von Christina Ueckermann
Durch das kleine Eisentor mussten Werner Trettin (von links), Achim Wilmsmeier, Walter Jäcker, Brigitte Fauck und Erwin Mattegiet klettern, um in den Fledermausstollen am Kamm des Wiehengebirges zu gelangen.
Durch das kleine Eisentor mussten Werner Trettin (von links), Achim Wilmsmeier, Walter Jäcker, Brigitte Fauck und Erwin Mattegiet klettern, um in den Fledermausstollen am Kamm des Wiehengebirges zu gelangen. Foto: Christina Ueckermann

Ohne fachkundige Begleitung hätte der Bürgermeister diesen Ort wahrscheinlich kaum gefunden. Nachdem dichtes Geäst und steile Waldwege überwunden sind, gelangt er auf der Rückseite des Hangs zu dem Fledermausstollen, der knapp 20 Meter tief in den Berg führt.

Seinen guten Anzug hat der Bürgermeister an diesem Nachmittag in weiser Voraussicht im Schrank hängen gelassen. »In den Stollen gelangt man nur durch eine etwa 50 mal 50 Zentimeter große Öffnung«, erklärt Erwin Mattegiet von der AG Natur und schließt das Tor auf, das die Höhle vor ungebetenen Besuchern schützt. Seit knapp 20 Jahren kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft um den Stollen am Kamm.

Etwa 20 Fledermäuse überwintern hier jedes Jahr. »Fünf Arten konnten wir bislang entdecken«, sagt Brigitte Fauck vom Umweltamt der Stadt Bad Oeynhausen. Die Wasserfledermaus, die Teichfledermaus, die Bartfledermaus, das braune Langohr und das große Mausohr verbringen ihren Winterschlaf in dem Stollen.

»Teilweise kommen auch Fledermäuse aus den Niederlanden, weil sie dort nicht die geeigneten Bedingungen vorfinden«, ergänzt Erwin Mattegiet. Um die acht Grad konstante Temperatur, frostfreie Bedingungen und viel Ruhe brauchen die Tiere, damit sie über den Winter genug Energie behalten, um im Frühjahr wohlbehalten wieder aufzuwachen. Woher die Fledermäuse kommen, das erkennen die Experten an Ringen, mit denen die Tiere gekennzeichnet werden.

Kopf einziehen: In den Stollen gelangt Achim Wilmsmeier nur durch ein kleines Eisengitter. Foto: Christina Ueckermann

Auf dem Kamm des Wiehengebirges würden sie auch im Sommer beste Lebensbedingungen vorfinden, sagt Mattegiet. Die vielen Insekten, die in dem Wald vorkommen, böten das geeignete Jagdrevier. Viele Fledermäuse würden den Sommer aber auch in der Oeynhauser Schweiz oder im Siekertal verbringen. Wenn sie im Winter in den Stollen zurückkehren, verkriechen sich die Tiere am liebsten in kleine Ritzen oder Spalten. »Wir haben aus Dachpfannen und Betonsteinen kleine Rückzugsmöglichkeiten gebaut. So findet jede Fledermausart den richtigen Platz«, sagt Mattegiet.

Schon im September werden sich die ersten Tiere aufmachen, um nach dem passenden Winterquartier zu suchen. »Wenn die Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt sind, beginnt der Winterschlaf«, erklärt der Experte.

Dass es solche verborgenen Orte in »seiner« Stadt gibt, hätte Bürgermeister Achim Wilmsmeier vorher nicht gedacht. »Es ist toll, dass ich die Möglichkeit hatte, den Stollen und die wichtige Arbeit der AG-Natur kennenzulernen«, sagt er.

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