750 Klinikangestellte aus OWL folgen Verdi-Aufruf zum Warnstreik Pfeifen gellen in der Innenstadt

Bad Oeynhausen (WB). Die gellenden Töne aus den Trillerpfeifen sind am Donnerstag in Bad Oeynhausen schon von weitem zu hören gewesen:  Etwa 750 Beschäftigte aus kommunalen Kliniken und Krankenhäusern der Region haben in einem Warnstreik auf ihre aktuellen Forderungen aufmerksam gemacht.

Von Rajkumar Mukherjee
Mit großen Plakaten sind gestern Vormittag Angestellte aus zahlreichen kommunalen Kliniken und Krankenhäusern der Region zu einem Aktionstag nach Bad Oeynhausen gekommen. Zu dem Warnstreik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen.
Mit großen Plakaten sind gestern Vormittag Angestellte aus zahlreichen kommunalen Kliniken und Krankenhäusern der Region zu einem Aktionstag nach Bad Oeynhausen gekommen. Zu dem Warnstreik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Foto: Mukherjee

Am späten Vormittag marschierten sie von der Auguste-Viktoria-Klinik durch die Fußgängerzone in Richtung Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW. Zur zentralen Kundgebung in Bad Oeynhausen hatte zuvor die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Region Herford, Minden und Lippe, eingeladen.

Grund für den Aktionstag war das aus Sicht der Gewerkschaft nicht ausreichende Angebot des Bundes und der Kommunalen Arbeitgeberverbände nach Ende der zweiten Verhandlungsrunde. Für die Beschäftigten fordert Verdi sechs Prozent mehr Gehalt mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. »Die Antwort darauf waren 0,6 Prozent. Das nenne ich ein unverschämtes Angebot«, sagte Verdi-Bezirksvorsitzende Stephie-Elke Karger.

100 Euro mehr im Monat für Auszubildende

Zudem fordert die Gewerkschaft ein Ende befristeter Anstellungsverträge und mehr Geld für Auszubildende: 100 Euro sollen sie monatlich zusätzlich bekommen. Derzeit verdienen beispielsweise angehende Krankenpfleger im ersten Ausbildungsjahr 975,69 Euro, im zweiten 1037,07 Euro und im dritten 1138,38 Euro.

Aus Sicht von Wolfgang Cremer, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziale Dienste im Verdi-Landesbezirk NRW, ist das deutlich zu wenig: »Es gibt viele Azubis, die müssen parallel zu ihrer Arbeit Nebenjobs annehmen, um sich beispielsweise Bücher für den theoretischen Unterricht leisten zu können.«

Niklas Humke (20) ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Mit Kollegen vom Klinikum Lippe-Lemgo war er zur Kundgebung gekommen. Er spürt die Kürzungen der Vergangenheit auch in seiner eigenen Ausbildung. »Viele Stellen sind weggefallen, und somit fehlen uns immer mehr Kollegen, die über viel Erfahrung in der Praxis verfügen«, sagte Niklas Humke. Trotz der derzeitigen Situation ist für ihn auch klar: »Ich habe mich bewusst für diesen Beruf entschieden und möchte ihn in Zukunft weiterempfehlen können.«

»Ich vermisse eine Wertschätzung«

Auch Esther Frank (47) sorgt sich um die personelle Ausstattung im Gesundheits- und Pflegebereich. Seit 25 Jahren ist die Krankenschwester am Klinikum in Herford tätig. »Wenn wir weiterhin eine gute Pflege haben wollen, brauchen wir qualifizierten Nachwuchs«, sagte Esther Frank, die mit etwa 60 Kollegen aus Herford am Aktionstag teilnahm. Bei dem höheren Gehalt gehe es ihr nicht nur schlicht um mehr Geld. »Ich vermisse da eine Wertschätzung für meine Arbeit, die – so denke ich – für unsere Gesellschaft wichtig ist«, sagte Esther Frank.

Angesichts der Resonanz während des Warnstreiks sprach Stephie-Elke Karger von einem »guten Tag für Bad Oeynhausen«. Welche Bedeutung die Arbeit der im öffentlichen Dienst Beschäftigten habe, zeigte sie anhand einer Aufzählung: »Wir pflegen, kochen, trösten, mähen den Rasen und kümmern uns um die Technik. Wir sind für die Menschen da, die uns anvertraut werden – Tag und Nacht.«

Auch Wolfgang Cremer lobte die Kollegen aus OWL, so zahlreich für ihre Belange zu streiken. Mit der Zahl von 750 Streikenden reihe sich die Region fast nahtlos in die anderen Aktionsorte in NRW ein. »Die Region kann sich sehen lassen im Vergleich zu Köln mit 1000 Kollegen und zu Dortmund mit 1400«, sagte Cremer.

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