In der Weserklinik werden ab April keine Patienten mehr behandelt – Sozialplan wird noch verhandelt Median kündigt 140 Mitarbeitern

Bad Oeynhausen (WB). 140 Kündigungen haben  Roland Thomae, Betriebsratsvorsitzender der Median-Kliniken Bad Oeynhausen, am Dienstag  in seinem Büro erreicht. »Das war ein dickes Osterei. Mit so vielen Kündigungen haben wir nicht gerechnet«, sagte Roland Thomae am Donnerstag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Von Julia Gresförder
Die Weserklinik hat ein Potential von 230 Betten, zur Zeit befinden sich allerdings nur 32 Patienten in der Klinik. Ab April sollen dort aufgrund der fehlenden fachärztlichen Versorgung keine Patienten mehr behandelt werden.
Die Weserklinik hat ein Potential von 230 Betten, zur Zeit befinden sich allerdings nur 32 Patienten in der Klinik. Ab April sollen dort aufgrund der fehlenden fachärztlichen Versorgung keine Patienten mehr behandelt werden. Foto: Frank Dominik Lemke

Dass es Kündigungen geben würde, sei ihm jedoch bewusst gewesen. Denn schon länger sei  bekannt, dass die Median-Weserklinik zum 30. Juni schließen wird. »Aufgrund der fehlenden fachärztlichen Versorgung werden allerdings bereits vom 1. April an  in der Klinik keine Patienten mehr behandelt«, heißt es in einer Pressemitteilung der Median-Kliniken. »Die bisher dort beschäftigten Mitarbeiter werden im April von der Arbeitsleistung freigestellt«, erläuterte Andreas Finkel, Geschäftsbereichsleiter Nord-West bei Median. Dies ändere jedoch nichts an der vorgesehenen Schließung zum  30. Juni. 32 Patienten hielten sich zur zeit in der Weserklinik   auf. Diese  hat indes  eine Kapazität von 230 Betten. Nach Ostern soll dort niemand mehr behandelt werden.

Das zweite von  den Median-Kliniken betriebene Haus in Bad Oeynhausen, die Klinik am Park, sei von der Schließung nicht betroffen. Allerdings, so erklärte Roland Thomae, seien die Mitarbeiter nicht vor der Kündigungswelle geschützt. »Die Mitarbeiter beider Bad Oeynhausener Kliniken gehören ja in einen Pott. Das  heißt, dass von diesen 140 Kündigungen auch Mitarbeiter der Klinik am Park betroffen sein können«, klärte Roland Thomae auf.

Grund für die Übergabe der Kündigungen an den Betriebsrat in der vergangenen Woche seien die regulären Quartalskündigungsfristen gewesen, sagte Andreas Finkel. Uneinigkeit herrscht jedoch bei der Sozialauswahl der Kündigungen. Laut Betriebsrat sei diese handgesteuert und nicht nach den üblichen  Kriterien erfolgt. Die Median-Kliniken geben jedoch an, sie anhand der anerkannten Kriterien, die von Arbeitsgerichten entwickelt worden sind, durchgeführt zu haben. »Zudem wurde ordentlichen Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Betriebsrates gekündigt, denen man eigentlich nur unter bestimmten Umständen kündigen darf«, sagte Roland Thomae.

Ein weiterer Schock für den Betriebsratvorsitzenden folgte am Mittwoch. »Ich  bekam erneut Besuch von einem Anwalt. Dieser brachte noch einmal 48 Kündigungen.« Diese seien allerdings bereits in den 140 vorherigen Kündigungen enthalten gewesen. Wieso die Median-Kliniken allerdings für 48 Personen ein zweites Kündigungsschreiben aufsetzen mussten, wusste Roland Thomae nicht.

»Wir haben am Mittwoch  dann allen 140 Kündigungen widersprochen und sie abgelehnt«, sagte Thomae stellvertretend für den Betriebsrat. Er empfiehlt den Betroffenen, zur Betriebsversammlung am 1. April zu kommen, um dort weitere Schritte zu klären. »Ich rate aber dringend, am Arbeitsgericht Minden innerhalb von drei Wochen Einspruch einzulegen.«

Einen Sozialplan gebe  es derzeit noch nicht. »Die laufenden Verhandlungen dazu werden bereits am 31. März weitergeführt, um einen Sozialplan abschließen zu können«, sagte Andreas Finkel. Das bisherige Angebot der Median-Kliniken hält Roland Thomae mit einem Faktor von 0,3 pro Jahr für zu niedrig. »Gute Sozialpläne haben einen Faktor von 1,0 oder 1,25«, erklärte Thomae.

Für Roland Thomae  ist dies bereits der 15. Sozialplan, den er seit 1997 verhandelt. Damals wurden drei Kliniken geschlossen und 500 Personen entlassen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.