Verantwortliche von Johanniter Unfallhilfe und Stadt blicken auf Betriebsdauer zurück Notunterkunft ist Geschichte

Bad Oeynhausen (WB). Mit dem Abschluss der Aufräumarbeiten ist die Notunterkunft im Bürgerhaus Rehme seit dem 31. März Geschichte. Im Gespräch mit dieser Zeitung ziehen Einrichtungsleiter Dominic Fricke und Ehrenamtskoordinatorin Marina Freese nach insgesamt achtmonatiger Betriebsdauer noch einmal Bilanz.

Von Malte Samtenschnieder
Acht Monate bildete die Rehmer Notunterkunft den Arbeitsmittelpunkt von Einrichtungsleiter Dominic Fricke (links) und Ehrenamtskoordinatorin Marina Freese. Zum Ende der Betriebsdauer zogen sie mit Johanniter-Regionalvorstand Christian Rehberg Bilanz.
Acht Monate bildete die Rehmer Notunterkunft den Arbeitsmittelpunkt von Einrichtungsleiter Dominic Fricke (links) und Ehrenamtskoordinatorin Marina Freese. Zum Ende der Betriebsdauer zogen sie mit Johanniter-Regionalvorstand Christian Rehberg Bilanz. Foto: Malte Samtenschnieder

Vorzeitige Schließung

»Wir haben beide in unseren jeweiligen Urlauben erfahren, dass bereits am Mittwoch vor Ostern die letzten Flüchtlinge die Notunterkunft  verlassen haben«, sagt Dominic Fricke. Sowohl der Mitarbeiter der Johanniter Unfallhilfe, als auch seine Kollegin von der Stadt Bad Oeynhausen waren davon ausgegangen, dass der Betrieb in Rehme erst nach den Festtagen endet. »Die Bezirksregierung hatte uns   ja ein Auslaufen zum 31. März angekündigt«, sagt Marina Freese. »Als wir nach Ostern den  ersten Arbeitstag nach dem Urlaub hatten, war es ein komisches Gefühl, in das nun menschenleere Bürgerhaus zu kommen«, ergänzt die Ehrenamtskoordinatorin der Stadt. Sie habe aber zuvor Fotos von den verwaisten Schlafsälen und Gemeinschaftsräumen gesehen. Marina Freese: »Ich war also emotional  entsprechend vorbereitet.«

Zeit zum Aufräumen

Auch ohne den normalen Alttagsbetrieb hatten Dominic Fricke, Marina Freese und zahlreiche weitere Helfer in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. »Wir haben die Tage genutzt, um gründlich aufzuräumen, Ausrüstung zu überprüfen und abzubauen sowie die Räume zu reinigen«, sagt der Einrichtungsleiter. Was beispielsweise mit den noch intakten, extra  für die Notunterkunft in Rehme angeschafften  Stockbetten samt Kissen, Decken und entsprechender Bettwäsche geschehen solle, sei derzeit noch offen. Dominic Fricke: »Wir versuchen, in dieser Frage einen Vergleich mit der Bezirksregierung zu erzielen, die das ganze Material angeschafft hat.« Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Stadt einen Großteil der vorhandenen Ausrüstung zur Unterbringung der ihr zugewiesenen Flüchtlinge, die sie in einigen Wochen selbst im Bürgerhaus Rehme unterbringen wolle, nutzen könne. Wie berichtet, soll die Anzahl der Schlafplätze von bislang 210 auf künftig   100 reduziert werden.

Rückkehr in alte Jobs

Nach dem Betriebsende der Notunterkunft in  Rehme kehrt Einrichtungsleiter Dominic Fricke in seinen vorherigen Schreibtischjob beim Regionalverband Minden-Ravensberg der Johanniter Unfallhilfe zurück. Marina Freese wird neben der Ehrenamtsarbeit künftig auch wieder verstärkt die Betreuung der Beiräte für Senioren und Menschen mit Behinderungen sowie des Bündnisses Familie in den Blick nehmen. »Einige unserer  Mitarbeiter hatten befristete Verträge, die jetzt auslaufen, andere waren aus Bereichen abgezogen, in die sie jetzt zurückkehren«, ergänzt  Johanniter Dominic Fricke.

Ehrenamtliche bündeln

»Wir möchten die Integration der Flüchtlinge, die den Kommunen zugewiesen werden, auch weiter aktiv mitgestalten«, sagt Christian Rehberg, Regionalvorstand der Johanniter Unfallhilfe. Bei dieser Aufgabe sollen auch die Ehrenamtlichen, die sich zuvor in der Notunterkunft engagiert haben, eine Rolle spielen. Marina Freese: »Die Kartei der Stadt umfasste zuletzt 300 Namen, die Hälfte davon  hat Dienste übernommen, den harten Kern bildeten   100 Freiwillige.«

Runder Tisch als Chance

Um die Ehrenamtlichen weiter einzubinden, sehen Dominic Fricke, Marina Freese und Christian Rehberg den von Bürgermeister Achim Wilmsmeier einberufenen Runden Tisch zum Thema »Integration« als wichtiges Instrument. Unter dem Titel »Starthelfer« sind etwa Deutschkurse, Stadtrundgänge sowie  die Unterstützung bei Umzügen, bei Einkäufen und beim  Stellen von Anträgen vorgesehen. Damit die Ehrenamtlichen nicht in ein Loch fallen, sollen auch die regelmäßigen Stammtische beibehalten werden. Marina Freese: »Wir werden den Turnus aber von zwei auf vier Wochen verlängern.«

Offenes Miteinander

Rückblickend bewerten Dominic Fricke und Marina Freese ihre Erlebnisse während der Arbeit in der Notunterkunft als positiv. »Alltag gab es nicht. Jeder Tag war anders – auch durch die unterschiedlichen Menschen«, sagt die Ehrenamtskoordinatorin. Alle Beteiligten seien sehr offen aufeinander zugegangen, ergänzt der Einrichtungsleiter. Dominic Fricke: »Es war zum Beispiel sehr beeindruckend, dass Menschen ganz unterschiedlicher Nationalitäten gegenseitig auf ihre Kinder aufgepasst haben.« Das habe insgesamt zu einer sehr familiären Atmosphäre geführt.

Nur ein Zwischenfall

»Bad Oeynhausen ist eine kleine Stadt, aber die Leute, die hier wohnen, sind groß – diese Abschiedsworte einer Bewohnerin sind mir übermittelt worden«, sagt Dominic Fricke. Viele Flüchtlinge hätten gesagt, dass sie sich vorstellen könnten, zurückzukehren und langfristig in der Kurstadt zu leben. Auch das Verhältnis zu den Nachbarn sei während der   Betriebsdauer der Notunterkunft gut gewesen. Marina Freese: »Es gab zwischendurch zwar mal Beschwerden, dass   Kinder zu laut waren.« Bei  einer Begebenheit im Herbst  mit möglicherweise fremdenfeindlichem Hintergrund habe es sich   aber zum Glück nur um einen Einzelfall gehandelt.

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