Italienische Stevanato-Gruppe will Kaufofferte aber erst nach Hauptversammlung vorlegen Neuer Bieterkampf um Balda

Bad Oeynhausen (WB). Das Wettbieten um den Kunststoffspezialisten  Balda AG  ist neu eröffnet. Vier Tage bevor die Aktionäre des Bad Oeynhausener Konzerns  über den Verkauf des operativen Geschäfts entscheiden  sollten, meldete sich gestern   ein   zweiter Kaufinteressent. 

Von Oliver Horst
Hauptversammlung der Balda AG in der Bielefelder Stadthalle im Jahr 2008.
Hauptversammlung der Balda AG in der Bielefelder Stadthalle im Jahr 2008. Foto: Moritz Winde

Die im Pharmasektor tätige italienische Stevanato-Gruppe kündigte gegenüber dem Medizintechnikhersteller Balda an, 80 Millionen Euro bieten zu wollen. Die Düsseldorfer Gruppe Heitkamp & Thumann (H&T), über deren Offerte die Aktionäre am Montag wie geplant abstimmen sollen, beläuft sich auf 74 Millionen Euro. Das Angebot der Italiener ist bislang unverbindlich – und soll erst nach eingehender Prüfung bis zum 14. Dezember vorgelegt werden. Aus diesem und formalen Gründen wird bei der Hauptversammlung am Montag in Hannover zwar über beide Angebote informiert, aber nur über die verbindliche Kaufofferte von H&T abgestimmt. Doch selbst wenn die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent des vertretenen Stimmkapitals für den Verkauf an die Düsseldorfer Gruppe erreicht wird, bedeutet das nicht die finale Entscheidung.

Vor wenigen Wochen Interesse bekundet

»Bis zum Vollzug der Transaktion müssen verschiedene Bedingungen erfüllt und geprüft werden. Kommt in diesem Zeitfenster ein neues verbindliches Angebot, werden wir es bewerten«, sagt Balda-Vorstand Oliver Oechsle. Der Stichtag 14. Dezember werde abgewartet. »Liegt dann ein Angebot von Stevanato vor und erscheint es uns besser, werden wir eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die Aktionäre müssten dann entscheiden, ob die Stevanato-Offerte bevorzugt wird.« Andernfalls behält die Entscheidung von kommenden Montag Bestand.

Die Italiener, mit denen Balda bei einigen Projekten zusammenarbeite, hätten vom bevorstehenden Verkauf des operativen Geschäfts erfahren, sagt Oechsle. Vor wenigen Wochen hätten sie dann grundsätzliches Interesse bekundet – und nach weiteren Gesprächen jetzt ein unverbindliches Angebot formuliert. Es orientiere sich in Struktur und Garantien an dem von H&T.

Oechsle, dessen Vertrag bis Oktober 2016 läuft, bezeichnet beide Bieter als strategische Investoren, mit denen sich Balda operativ weiterentwickeln könne. Die Stevanato-Gruppe ist nach eigenen Angaben Marktführer für Patronen von Insulinstiften und stark im Bereich medizinischer Injektionsfläschchen und Ampullen aus Glas. Stevanato setzte zuletzt mit 2100 Mitarbeitern 285 Millionen Euro um. Die Kunststoffkompetenz fehle den Italienern aber – deshalb sei für sie Balda so interessant. H&T (370 Millionen Euro Umsatz/2050 Mitarbeiter) verfügt neben dem Kernbereich Metallkomponenten über eine Medizintechniksparte auch mit Kunststoffprodukten. Oechsle: »Beide würden Balda integrieren, Stevanato will wohl auch den Namen Balda miterwerben.« Die weltweit fast 800 Mitarbeiter wollen beide – mit Ausnahme weniger Kräfte für Konzernaufgaben – vollständig übernehmen.

»Phase der Unsicherheit verlängert sich«

H&T zeigte sich gestern nicht überrascht über die neue Lage. »Uns war das Risiko bewusst, dass noch ein weiterer Bieter auftreten kann. Die Phase der Unsicherheit verlängert sich damit«, sagte Pressesprecher Nils Hubert. Ob H&T ein drittes Mal nachbessert, ließ Hubert offen. »Unser Angebot steht und hat Bestand bis zum 31. März 2016.« Die Düsseldorfer Gruppe hatte zuvor den Münchener Finanzinvestor Paragon ausgestochen, der 62,9 Millionen Euro geboten hatte. Für Oechs­le sind die gestiegenen Gebote auch Ausdruck der Wertschätzung des Balda-Geschäfts, »was wir an der Börse leider nie erlebt haben«.

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