Gedenken der Terroropfer von Paris überschattet Feierstunde der Stadt Bad Oeynhausen zum Volkstrauertag »Die Zukunft nicht nehmen lassen«

Bad Oeynhausen (WB). »Die Anschläge von Paris führen uns vor Augen, dass der Terror in Europa immer näher rückt.« Dieses Fazit hat Bürgermeister Achim Wilmsmeier am Sonntagmittag bei der Gedenkfeier der Stadt zum Volkstrauertag gezogen. Schauplatz war das Ehrenmal neben der Auferstehungskirche am Kurpark.

Von Malte Samtenschnieder
Am Ehrenmal neben der Auferstehungskirche am Kurpark haben Pfarrer Lars Kunkel (von links) und Bürgermeister Achim Wilmsmeier am Sonntag während der Gedenkfeier der Stadt Bad Oeynhausen zum Volkstrauertag einen Kranz niedergelegt.
Am Ehrenmal neben der Auferstehungskirche am Kurpark haben Pfarrer Lars Kunkel (von links) und Bürgermeister Achim Wilmsmeier am Sonntag während der Gedenkfeier der Stadt Bad Oeynhausen zum Volkstrauertag einen Kranz niedergelegt. Foto: Malte Samtenschnieder

Zu Beginn seiner Ansprache im strömenden Regen machte Achim Wilmsmeier die Teilnehmer der Feierstunde  mit dem Schicksal des Soldaten Adolf Weber bekannt. »Der Bad Oeynhausener war gerade einmal 18 Jahre alt, als er im Ersten Weltkrieg eingezogen wurde«, sagte der Bürgermeister. Kurz vor Kriegsende, im Juni 1918, sei er gefallen. Ein Beispiel dafür, wie grausam Krieg immer wieder in das Leben  normaler Familien hineinwirkte.

»Die Flüchtlingskrise führt uns vor Augen,  dass die Gründe, warum wir den Volkstrauertag feiern, aktueller sind denn je«, führte Achim Wilmsmeier weiter aus. Der Volkstrauertag diene dazu, der Opfer von Terror und Gewaltherrschaft zu gedenken. Und Krieg und Terror seien die Ursachen dafür, warum sich seit Monaten  immer neue Menschen aus ihren krisengeschüttelten Heimatländern auf den gefährlichen Weg nach Europa machten.

»Die Stadt Bad Oeynhausen hat   dieses Jahr bereits 400 Flüchtlinge aufgenommen. Dazu kommen 210 Menschen in der Notunterkunft in Rehme«, betonte  der Bürgermeister.  »Sie alle kommen zu uns, weil sie Schutz bei uns suchen.«  Bei der Bewältigung dieser Aufgabe sei jeder Bürger gefragt.  Achim Wilmsmeier: »Das Thema betrifft uns alle – direkt vor unserer Haustür.«

Sowohl während der Gedenkfeier der Stadt als auch während eines vorherigen Gottesdienstes in der Auferstehungskirche trugen zehn Jugendliche der Realschule Süd verschiedene Gedanken zu den Themen Terror, Krieg und Flucht vor. Am Ende des Gottesdienstes forderten sie die Teilnehmer auf, ihre persönlichen Wünsche auf kleinen grünen Kärtchen zu notieren, die später am Ehrenmal niedergelegt werden sollten. Botschaften wie »Friede und Freiheit in der Welt«, »Wir müssen alle Menschen akzeptieren und uns nicht gegenseitig zerstören« oder »Wer den Frieden haben will, muss ihn selbst tun« waren darauf zu lesen.

Auf die Terroranschläge von Freitagabend bezog sich Pfarrer Lars Kunkel an mehreren Stellen des Gottesdienstes. »Die Ereignisse von Paris machen mich tief betroffen. Angesichts von Hass, Gewalt und Mord verschlägt es einem die Sprache«, sagte Lars Kunkel. Doch es sei falsch, zu schweigen, und zuzulassen, dass die Angst am Ende die Oberhand gewinne. »Wir dürfen uns die Zukunft nicht nehmen lassen«, betonte der Pfarrer.

Dass es zwischen den Flüchtlingsbewegungen nach den beiden Weltkriegen und in der Gegenwart viele Parallelen gibt, arbeiteten die Realschüler während des Gottesdienstes heraus. Krieg, Armut, Diktatur, Verfolgung von Minderheiten –   Motive, seine Heimat, seine Familie und seine Freunde zu verlassen seien damals wie heute in vielen Fällen identisch. Die während der Flucht zu meisternden Herausforderungen hätten sich aber gewandelt.

»Von den Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den besetzten Gebieten im Osten   flüchteten, kamen viele über die Ostsee. Heute müssen die Flüchtlinge aus Syrien und seinen Nachbarländern über das Mittelmeer«, betonten  die Schüler.  Diesen Gedanken griff Lars Kunkel auf. »Wenn Skeptiker angesichts der Flüchtlingsströme sagen: ›Das Boot ist voll‹, meinen sie damit wohl   allenfalls Schlauchboote mit  Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.«

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